Fraser Perring

Wer ist Fraser Perring? Der gefürchtete Londoner Shortseller

Stand: 16.09.2020, 12:33 Uhr

Vor ihm zittern die meisten Manager börsennotierter Unternehmen: Fraser Perring ist ein berüchtigter Shortseller, der immer wieder Leeverkaufs-Attacken gegen Firmen startet. Oft deckt der Investor dabei Mißstände auf, wie zum Beispiel bei Wirecard.

Mit der Unterwelt kennt sich Fraser Perring aus. Der 46-jährige Brite, der mit seinem grauen Vollbart und seiner Brille eher wie ein Lehrer aussieht, war jahrelang als Sozialarbeiter in London tätig. jetzt kämpft Fraser Perring für eine gerechtere Welt in der Finanzbranche und deckt dunkle Machenschaften auf. Oder zumindest intransparente Vorgänge in Unternehmen.

Mit seiner Firma Viceroy Research sucht er nach Firmen, bei denen irgendwas nicht stimmt - in der Bilanzierung, in der Unternehmensstruktur oder bei den Projekten. Über Leerverkäufe investiert er dann in die Firmen - und setzt auf fallende Kurse. So bringt er das Management unter Druck, die Unklarheiten im Geschäftsmodell offen zulegen.

Mit Leerverkäufen auf fallende Kurse setzen

Leerverkäufe sind an der Börse ein gängiges Mittel. Experten halten sie sogar für ein wichtiges Instrument, damit die Aktienmärkte besser funktionieren. "Shortseller" sind sozusagen das "Korrektiv der Börsen". Bei dieser Art des Handels verkaufen Investoren Wertpapiere, die sie sich zuvor gegen eine Gebühr von anderen Marktteilnehmern geliehen haben. Sinkt der Aktienkurs bis zum Rückgabe-Datum, können sie sich am Markt billiger mit den Titeln eindecken und streichen die Differenz ein. Steigt der Kurs, droht den Leerverkäufern ein Verlust. Shortseller wie Perring wetten auf solche Kursstürze.

Der "Wirecard-Jäger"

Wirecard: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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So zählte der Brite zu den ersten, die Zweifel am Geschäftsmodell von Wirecard hatten. 2016 warf er dem Zahlungsdienstleister betrügerische Machenschaften und Bilanzfälschung vor. Unter dem Namen der Research-Firma Zaterra gab Fraser Perring in einer aufsehenerregenden Studie das Kursziel "null Euro" für Wirecard aus und startete eine Leerverkaufs-Attacke. Die Wirecard-Aktien stürzten kurz ab, erholten sich dann aber wieder. Die Studie von Zaterra ermunterte die "Financial Times" weiter zur kritischen Recherche von Wirecard, die jahrelang von den deutschen Aufsichtsbehörden ignoriert wurde.

Fraser Perring soll angeblich gar von zwei Männern in seinem Auto angegriffen worden sein, die ihn bedrohten, seiner Familie etwas anzutun, wenn er nicht den kritischen Report zurückziehe. Der "Shortseller" und andere Börsianer gerieten später ins Visier der BaFin und des Staatsanwalts. Es ging um den Vorwurf der Marktmanipulation. Mitte Mai dieses Jahres wurde das Strafverfahren gegen Fraser Perring gegen eine Geldauflage eingestellt.

Auch bei Steinhoff deckte er die Leichen im Keller auf

Wirecard ist nicht das einzige deutsche Unternehmen, das sich der britische "Shortseller" vorgeknöpft hat. Fraser Perring deckte auch beim Möbelhändler Steinhoff die Bilanzverschiebungen auf. Die 2017 veröffentlichte Studie mit dem Titel "Steinhoff's Skeletons" (Die Leichen im Keller von Steinhoff) beschleunigten den Kurssturz des Möbelkonzerns. Steinhoff räumte den Bilanzskandal ein.

2018 warf Fraser Perring dem Fernsehkonzern ProSiebenSat.1 Bilanzunregelmäßigkeiten vor und ging "short". Die Aktien sackten ab. Hier jedoch erwies sich der Vorwurf offenbar als haltlos. Die BaFin ermittelte gegen Fraser Perring und anderen "Shortsellern" wegen des Verdachts der Kursmanipulation.

Grenke als nächstes Opfer

Grenke : Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Nun hat der berüchtigte Viceroy-Leerverkäufer ein neues deutsches Unternehmen ins Visier genommen: Grenke Leasing. Er wirft dem Leasing-Anbieter aus Baden-Baden, das sein Geld mit der Vermietung von Büroausstattung und IT-Ausrüstung verdient, Bilanzfälschung, Geldwäsche und Betrug vor. Gleichzeitig setzt der Investor mit geliehenen Aktien auf einen Kurssturz. Grenke wies die Anschuldigungen entschieden zurück.

"Leerverkäufe sind legitim"

Ob Perring auch bei Grenke Recht behält, ist ungewiss. Klar ist aber, dass der Brite mit seinen Aktionen bei Wirecard und Steinhoff das richtige Näschen hatte und mit zur Aufklärung der Bilanzskandale beitrug. Über die Wahl seiner Mittel - die Spekulation mit Leerverkäufen - lässt sich streiten. Fraser Perring selbst hält einen Leerverkauf ("short sale") für nicht weniger legitim als eine klassische Spekulation auf steigende Kurse ("long sale").

Seine Firma Viceroy bezeichnet Fraser Perring bescheiden als "Gruppe von Individuen, die die Welt aus anderem Blickwinkel betrachten". Übrigens: Die Firmenbezeichnung Viceroy verweist auf den Titel des britischen Statthalters und Vizekönigs von Indien in der Kolonialzeit. Er war eine Art Stellvertreter des Monarchen und vertrat ihn, wenn dieser seine Pflichten nicht ausüben konnte. Sieht sich Viceroy also als eine Art Stellvertreter der Börsen-Regulatoren?

nb