Kino

Martin Armstrong, The Forecaster

Martin Armstrong in "The Forecaster" Der "Crash-Prophet" mit der Weltformel

von Notker Blechner

Stand: 06.05.2015, 16:59 Uhr

Er erfand den Pi-Code, mit dem er Crashs wie den "Black Monday" 1987 und die Russland-Krise 1989 genau voraussagte. Dann saß er zwölf Jahre im Knast, ohne verurteilt worden zu sein. Nun kommt die Lebensgeschichte des "Crash-Propheten" Martin Armstrong in die Kinos.

Ist der bärtige Amerikaner Armstrong ein Genie? Ein Verschwörungsopfer? Oder gar ein Betrüger? Für die US-Justiz ist er vor allem letzteres: ein Schurke. Armstrong soll mit einem Schneeball-System japanische Anleger um 700 Millionen Euro geprellt haben, werfen ihm Richter und Börsenaufsicht vor. Der Analyst bestreitet das. "Die Bank hat uns betrogen", sagt er. Seine Bank habe sich Geld von ihm geliehen und es einfach behalten.

Weil Armstrong sich weigerte, den Richtern die verlangten Unterlagen auszuhändigen, saß er jahrelang in Beugehaft. "Ich wurde nie verurteilt", erklärt er in der "Welt". "Das Gericht hat behauptet, ich hätte etwas Unrechtes getan, und ich sage 'Nein'."

Armstrong fühlt sich von der CIA verfolgt

Armstrong sieht sich deshalb als Opfer einer Verschwörung von Politik und einflussreichen Banken. Die CIA sei hinter seiner gefundenen Weltformel her, die den Aufstieg und den Fall ganzer Nationen vorhersagen kann, glaubt der heute 66-Jährige.

Für den Filmregisseur Marcus Vetter dürfte der Star-Analyst wohl eher ein Finanz-Genie sein. So zumindest zeigt er ihn in seinem Dokumentarfilm "The Forecaster", der ab 7. Mai in die deutschen Kinos kommt. In dem 100-minütigen Streifen kommen fast ausschließlich Menschen - seine früheren Mitarbeiter, sein Verteidiger und ein Analysten-Kollege - zu Wort, die Armstrong in höchsten Tönen loben - als phänomenal weitsichtiger Analyst und großzügiger Chef. Kritik am "Crash-Propheten" und seinen Methoden gibt es keine. Die Richter, die Armstrong hinter Gitter brachten, und die US-Börsenaufseher äußern sich in dem Film ebenso wenig wie seine Feinde.

Erfinder des Pi-Codes

Martin Armstrong mit Margaret Thatcher und in einem Einzelportrait

Martin Armstrong at his best. | Bildquelle: The Forecaster

Den meisten Kino-Zuschauern dürfte es folglich schwerfallen zu beurteilen, wie treffsicher das von Armstrong entwickelte Computer-Modell zur Vorhersage von Krisen ist. Der Analyst von Princeton Economics hat aus mehreren Datenreihen - zum Münzwesen, zu Wetterzyklen, zur Industrieproduktion etc. - eine Art Weltformel erfunden: den Pi-Code. Er leitete aus der Zahl Pi (3,141) einen 8,6-Jahres-Zyklus ab (3,141 mal 1.000 = 3.141 Tage). Demnach bricht alle 8,6 Jahre eine größere Wirtschaftskrise aus.

Mehrere Crashs richtig vorausgesagt

Mit Hilfe dieses Codes prophezeite Armstrong den "Black Monday" an der Wall Street im Herbst 1987, als der Dow mit 22 Prozent den größten Tagesverlust seiner Geschichte erlitt. Auch den Nikkei-Crash 1989 sowie die Russland-Krise 1998 sagte der Star-Analyst mit seinem Quellcode richtig voraus.

Der nächste Crash könnte schon bald kommen - in sechs Monaten. Für den 17. Oktober prophezeit Armstrong das Platzen der Blase am Anleihenmarkt und einen unausweichlichen Crash.