Fearless Girl und Börsenbulle vor der New York Stock Exchange
Video

Streit um Wall-Street-Symbole Der Bulle und das Mädchen

Stand: 27.03.2017, 17:31 Uhr

Aggressivität, Kampfbereitschaft, Optimismus: Das ist die Botschaft, die der Wall-Street-Bulle transportieren soll. Jetzt hat "Charging Bull" Gesellschaft bekommen: Ein kleines Mädchen blickt ihn herausfordernd an.

"Fearless Girl" heißt die Skulptur, die von der Künstlerin Kristen Visbal geschaffen wurde. Aufgestellt wurde sie vom Finanzdienstleister State Street Global Advisors am 8. März 2017, dem Weltfrauentag.

Natürlich hat die ganze Sache eine tiefere Bedeutung: Mit dem furchtlosen Mädchen möchte State Street die überwiegend von Männern gesteuerte Wall Street darauf hinweisen, dass Frauen in den meisten großen US-Konzernen deutlich unterrepräsentiert sind. 

Für mehr Geschlechter-Gerechtigkeit

Wie die Nachrichtenagentur AP berichtet, sitzt in einem Viertel der Russell-3000-Unternehmen, ein Index, der eine breite Auswahl von US-Konzernen abbildet, keine einzige Frau. Zahlen der Research-Firma ISS Analytics zufolge sind insgesamt lediglich 16 Prozent der Vorstandssitze des Russell 3000 von Frauen besetzt. Im Durchschnitt besteht ein Vorstand aus acht Männern und einer Frau. Im Vorstand von State Street sind übrigens drei Frauen und acht Männer. 

Bulle und Bär vor der Deutschen Börse in Frankfurt

Bulle und Bär vor der Deutschen Börse in Frankfurt. | Bildquelle: picture-alliance/dpa

Bei purer Symbolpolitik will es State Street nicht belassen. Der Konzern, der rund 2,5 Billionen Dollar an Anlagegeldern verwaltet, will künftig verstärkt darauf hinwirken, dass sich das Missverhältnis verkleinert.

Mehr Frauen in den Vorstandsetagen würden letztlich auch zu besseren Geschäftsergebnissen führen, meint Lori Heinel, State Streets Deputy Global Chief Investment Officer. Im Moment sieht es danach aus, als dürfe die Skulptur einen Monat lang dort stehen bleiben.

Mit Kunst gegen die Krise?

Die Aktion findet zwar überwiegend Beifall. Aber zumindest einer ist alles andere als erfreut: Arturo Di Modica, der Schöpfer des "Charging Bull", fordert  die sofortige Entfernung des "Fearless Girl". Er hält die Geschichte für eine simple PR-Nummer und sieht deshalb die Wirkung seines eigenen Werks bedroht.

Di Modica hatte den mehr als drei Tonnen schweren Bullen im Dezember 1989 nach der damaligen Finanzkrise einfach ohne Erlaubnis aufgestellt. "Charging Bull" solle ein ermutigendes Symbol sein für Amerika, für Wohlstand und Stärke. Und vor allem sei er seiner Ansicht nach natürlich Kunst.

ts