Vom Prediger zum Aktienberater Der "Börsen-Pfarrer"

Stand: 10.04.2014, 17:28 Uhr

Seit über 40 Jahren verfolgt Uwe Lang das Geschehen an den Börsen. Mitte der 90er Jahre gab er seinen Job als evangelischer Pfarrer auf und widmet sich seither ganz der Börse. Rendite und Trend-Strategien sind für den "Börsenpfarrer" kein Teufelszeug.

Bibel auf Euroscheinen

Bibel auf Euroscheinen. | Montage: boerse.ARD.de, colourbox

Für einige Börsenhändler und Banker war die jüngste Finanzkrise eine Wende in ihrem Leben. Sie entdeckten die Moral und hingen ihren Job an den Nagel, um etwas Sinnvolleres für die Menschen zu machen.

Bei Uwe Lang lief es umgekehrt. Der evangelische Pfarrer hatte mit 50 Jahren genug von seiner Arbeit als Dauer-Prediger und Gemeinde-Organisator. Er wechselte die Seiten und verwandelte sich in einen Aktien-Berater. Lang verbreitete Tipps über seine Börsenbriefe und verkündete: "Es ist kinderleicht, an der Börse zu gewinnen." Privatanleger sollten selbst ernannten Experten und Bankberatern nicht auf den Leim gehen, sondern nur kaufen, was sie verstehen. Der einstige Pfarrer schwang sich zum Börsen-Prediger und "Robin Hood der Kleinanleger" auf.

Der "Crash-Prophet"

In der Öffentlichkeit machte sich Lang einen Namen als "Crash-Prophet". Kurz vor dem "Schwarzen Montag" riet er 1987 den Anlegern, alle Aktien zu verkaufen. Und 2000 warnte er erneut vor einer unausweichlichen Baisse.

In den letzten Jahren hat Lang mehrere Börsenbücher geschrieben. Sein jüngstes Werk trug den Titel "Investieren in stürmischen Zeiten - Anlagestrategien für Vorsichtige".

Uwe Lang

Uwe Lang "Börsenpfarrer". | Bildquelle: privat

Entwickler der "Börsensignale"

Der 70-Jährige ist ein gefragter Aktien-Experte. Er hält Vorträge in gut gefüllten Sälen in deutschen Städten. Und erklärt den Kleinsparern die Vorzüge der Börse. Seit den 90er Jahren berät er die Schweizer Vermögensverwaltung Swissinvest in Luzern. Voir zehn Jahren wurde er Partner der Vermögensverwaltung. Gemeinsam mit seinem Schweizer Partner Klaus Haidorfer veröffentlicht er die "Börsensignale".

Der ehemalige Pfarrer setzt auf ein eigenes Trend-System. Darin pickt er aus mehreren Indikatoren wie den Rohstoffpreisen, der Zinsentwicklung und dem Kursverlauf von Dax, Nasdaq & Co die idealen Kauf- und Verkaufs-Zeitpunkte heraus. Sein Trend-System scheint sich bewährt zu haben. "Eine jährliche Rendite von acht Prozent ist möglich", sagt Lang.

"Jesus hat nichts gegen Börse"

Viele Menschen, die ihn hören, sind überrascht, wenn der ehemalige Pfarrer wie selbstverständlich über die beste Rendite und die Grundregel "Gewinne laufen lassen" schwadroniert. Der schnöde (Aktien-)Mammon und die Bibel sind für Lang kein Widerspruch. "Jesus hat nur die Raffsucht und Geldgeschäfte mit der Religion angeprangert", sagt der Theologe. Aus Sicht der Kirche sei entscheidend, dass man fair miteinander umgeht - auch am Kapitalmarkt.

Nur eines ist für Uwe Lang eher tabu: Rüstungsaktien. Daran würde er sich nicht unbedingt beteiligen. Es sei denn, die Titel entwickeln sich zu einem absoluten Renner. Dann würde er selbst solche Aktien empfehlen. "Letztlich entscheiden die Kunden."

nb