Schwarzer Freitag: Die Karrikatur zeigt u.a. den Finanzier Jay Gould, der versucht, den Goldmarkt zu erobern, als Bulle und Bär im Käfig. Präsident Grant (Mitte) eilt mit Millionen herbei um den Goldpreis zu retten

Als das Gold knapp wurde Der allererste Schwarze Freitag

Stand: 24.09.2019, 06:45 Uhr

Vor 150 Jahren führte der Versuch der berüchtigten New Yorker Räuberbarone James Fisk und Jay Gould, das Gold der New Yorker Banken aufzukaufen, zur ersten großen Börsen-Panik.

"Jetzt hat mich die Wall Street zwar ruiniert. Später wird sie aber dafür bezahlen", soll James Fisk gesagt haben, als er einst mit seinen ersten Gehversuchen an der Börse scheiterte. Er sollte ja so Recht behalten.

James Fisk

Der Räuberbaron James Fisk (1834-1872). | Bildquelle: picture alliance / newsroom

Vulgär, verschlagen und vermögend ist James Fisk die Personifizierung des amerikanischen Räuberbarons des 19. Jahrhunderts. Diese rücksichtslosen Urkapitalisten konnten in dem damals quasi unregulierten Wirtschaftssystem der USA einen märchenhaften Reichtum anhäufen.

Dabei waren Räuberbarone keineswegs kühl kalkulierende Unternehmer, sondern Spieler. Auch Fisk soll es nie um das Geld an sich gegangen sein. Laut Zeitgenossen reizte ihn vor allem die Herausforderung, es auf möglichst abenteuerliche Weise zu erlangen. Und abenteuerlich – das war sein finanzieller Werdegang allemal.

Cornelius Vanderbilt und der "Erie-Krieg"

Cornelius Vanderbilt

Cornelius Vanderbilt (1794-1877) war einer der reichsten Unternehmer der USA. | Bildquelle: picture alliance / akg

Der ehemalige Hausierer und Zirkusarbeiter machte im amerikanischen Bürgerkrieg mit dem Baumwollschmuggel von Süden nach Norden erste größere Profite. Den Grundstein seines Vermögens aber legte er nach Ende des Krieges mit spektakulären Deals, Betrügereien und Täuschungsmanövern rund um Aktien der Erie Railroad, einer Eisenbahnlinie von New York an die kanadische Grenze.

Gemeinsam mit seinen ebenso skrupellosen Geschäftspartnern Daniel Drew und Jay Gould luchste er dem Eisenbahn-Tycoon Cornelius Vanderbilt einen Großteil seines Vermögens ab.

Mit ein bisschen Hilfe des US-Präsidenten?

Bald schon treten Fisk und Gould erneut in Erscheinung. Nächster Schauplatz: der Goldmarkt. Dieser war damals mit einem Volumen von 15 Millionen Dollar extrem klein, ein Großteil der Barren befand sich in Besitz der Regierung.

Gould und Fisk gelang es Ende der sechziger Jahre, durch gezielte Kaufaktionen den Preis von 130 auf 200 Dollar je Feinunze hochzutreiben. Die kleinen Leute verfielen in einen Goldrausch und spekulierten wie wild auf weiter steigende Kurse.

Der Plan des räuberischen Duos war es, die Bestände schlagartig zu Höchstkursen zu verkaufen. Dabei setzte es auch auf einen Insider, den Schwager des amtierenden Präsidenten: Abel Corbin sollte Präsident Ulysses S. Grant dazu bewegen, mit dem nächsten Goldverkauf der Regierung zu warten – und so das Angebot weiter zu verknappen.

Schwarzer Freitag 1869 an der New Yorker Börse

Der "Black Friday" 1869 in New York. | Bildquelle: imago images / United Archives

Das Weiße Haus grätscht dazwischen

Doch Präsident Grant durchschaute den Plan und wies das Schatzamt an, sofort Gold im Wert von vier Millionen Dollar zu verkaufen. Die logische Folge: Der Goldpreis stürzte ins Bodenlose.

Die kleinen Leute und der große James Fisk waren ruiniert. Jay Gould hingegen hatte von dem Vorhaben des Weißen Hauses Wind bekommen und rechtzeitig verkauft. Das war am 24. September 1869. Einem Freitag.

In der internationalen Presse machte daraufhin rasch der Begriff "Black Friday" die Runde. Bis heute hält er sich als Synonym für Börsencrashs. Mit gutem Grund: Denn der 24. September 1869 war zwar der erste, aber nicht der letzte "Schwarze Freitag".

Wenn freitags bereits am Donnerstag ist

Schon vier Jahre später, am Freitag, den 9. Mai 1873, crashte die Wiener Börse (Gründerkrach). Am Freitag, den 13. Mai 1927, brach der Aktienindex des Statistischen Reichsamts an der Berliner Börse um 31,9 Prozent ein.

1873: Wiener Börse crasht, historischer Holzstich

"Schwarzer Freitag" 1873 in Wien.

Schwarzer Freitag Berliner Börse

"Schwarzer Freitag" 1927 in Berlin.

Der in Europa wohl berühmteste "Schwarze Freitag" ist aber der 25. Oktober 1929. In den USA fand der die Weltwirtschaftskrise auslösende Börsencrash übrigens bereits am Donnerstag statt. Die europäischen Börsen konnten darauf wegen der Zeitverschiebung allerdings erst am Freitag reagieren.

Immer das gleiche Schauspiel

Doch ist der Freitag – abgesehen von solchen spektakulären Einzelereignissen – tatsächlich so schlecht wie sein Ruf? Statistik-Experten wie Robert Rethfeld meinen ja.

»Es immer das Gleiche: Donnerstags fangen die Anleger schon an zu zittern, am Freitag kommt es zum Crash, der sich nach dem Wochenende in einem 'Black Monday' erschöpft. Am 'Turnaround Tuesday' kommt es dann zur Wende, die Kurse erholen sich. Das kommt bei fast allen Paniken so vor.«

Robert Rethfeld, Wellenreiter-Invest

Eine sich selbst erfüllende Prophezeiung

Doch woran liegt das? Warum ist die Wahrscheinlichkeit für Kursverluste am Freitag so groß? "Die Marktteilnehmer gehen ins Wochenende und überlegen, wie groß die Wahrscheinlichkeit ist, dass die Kurse am Montag deutlich tiefer stehen", erklärt Rethfeld.

Haben viele Anleger Angst vor dem Montag, verkaufen sie ihre Aktien. Die Kurse geraten ins Rutschen, noch mehr Anleger bekommen Panik. "Das ist ein sich selbst verstärkender Effekt", so Rethfeld.

Der Schwarze Freitag wird damit an der Börse zur sich selbst erfüllenden Prophezeiung. Dass er einst den Grundstein für ein solches Phänomen legte – das hätte dem Räuberbaron James Fisk sicherlich gefallen.