Sich hochtürmende Bürogebäude

Größe ist wieder das Nonplusultra Den Giganten gehört die Welt

Stand: 29.09.2016, 15:42 Uhr

Größe zählt wieder. Die Großen teilen die Welt unter sich auf. Die Großen scheffeln die Gewinne. Deshalb strebt jeder noch mehr nach Größe. Eine Mega-Fusion jagt die nächste.

Die Macht liegt in der Hand einer weniger Riesenkonzerne. Sie machen das große Geld. Sie haben gelernt, ihre Größenvorteile zu nutzen. Laut dem McKinsey Global Institute generieren zehn Prozent der Unternehmen 80 Prozent der Gewinne. In manchen Fällen machen sie das Geld sogar ganz allein: Beispiel Apple und Samsung.

Die beiden Größten im Smartphone-Markt kommen zusammen auf einen Marktanteil von rund 40 Prozent. Das reicht, um alle Gewinne in der Branche abzugreifen. Es kommt sogar zu der absurden Zahl, dass sie 105 Prozent der Gewinne im weltweiten Smartphone-Geschäft einstreichen. Das heißt übersetzt: Alle anderen machen gar keinen Gewinn oder sogar Verluste. Newcomer aus China eroberen den Handy-Markt. Aber sie müssen sich noch ganz schön strecken, um in der Liga der Giganten mitzuspielen.

Imperien aus Nullen und Einsen

Man könnte meinen, es sind nur noch High-Tech-Genies, die mit ihren Imperien aus Nullen und Einsen in der Top-Liga spielen. Die Apples, Googles und Amazons dieser Welt beherrschen eben das Alltagsbild. Aber es finden sich durchaus noch viele Altstars aus der Old Economy unter den großen Multinationals wie Walmart und Exxon. Dazu mischen auch einige forsche Newcomer aus den Schwellenländern mit.

Größe hilft, auf den globalisierten Märkten Fuß zu fassen. Größe hilft, Synergien zu heben, Kosten zu sparen, Marktmacht auszunutzen - kurz: mehr Gewinn zu machen. Deshalb geht der Trend wieder zu immer mehr Größe. Eine Fusion jagt die nächste, eine ist größer als die andere. Banken haben alle Hände voll zu tun mit den Mergers & Akquisitions, den Fusionen und Übernahmen. Der M&A-Bereich boomt.

Mega-Fusion jagt Mega-Fusion

Dow Chemical und DuPont, Anheuser Busch und SAB Miller, Bayer und Monsanto heißen die Mega-Deals dieser Tage. In den letzten Jahren hat sich das Fusionstempo erhöht. Gab es 1990 noch 11.500-Deals mit einem Wert von rund zwei Prozent des globalen BIP, sind es in den Jahren seit 2008 mehr als doppelt so viel: 30.000 solcher Transaktionen pro Jahr. Und sie haben einen Wert von rund drei Prozent des Welt-BIP.

In den 80er und 90er Jahren hatte man sich noch an der Umkehrung des Größenwahns versucht. Man stellt fest, dass Weltkonzerne wesentlich schwieriger zu steuern waren als kleine übersichtliche Unternehmen. Synergien stellten sich als theoretische Konstrukte heraus, die selten in der Praxis umgesetzt wurden. In diesem Umfeld wurde auch DaimlerChrysler - die selbst ernannte Welt AG - wieder zurechtgestutzt.

Größe fordert Größe

Jetzt scheint Größe wieder das Nonplusultra. Auch wenn in diesem Jahr das Fusionsfieber nicht mehr ganz so hoch war wie in den beiden Vorjahren: Es gibt gute Gründe, dass der Trend wieder zunimmt.

Die großen und mächtigen Konzerne bestimmen einfach den Takt. Sie zwingen ihre Rivalen, ihnen an Größe nachzueifern, um mit ihnen mitzuhalten. Sie zwingen eine große Zahl von Anwälten und Wirtschaftsberatern ebenfalls global aktiv zu werden, damit sie ihre Bedürfnisse befriedigen können.

Größe ist nicht gleich Größe

Größe unterscheidet sich aber von der Größe vergangener Zeiten. Früher hatten die Multinationals mit großen Umsätzen und großen globalem Fußabdruck auch fast immer hohe Vermögenswerte und viele Mitarbeiter. Nicht so bei den Giganten der digitalen Welt von heute. Einen schönen Vergleich hatte "The Economist": Demnach kamen die Top 3 aus Detroit 1990 auf 250 Milliarden Dollar Umsatz. Die drei Auto-Giganten brachten es damit auf einen Börsenwert von 36 Milliarden und sie beschäftigten 1,2 Millionen Mitarbeiter.

Die Top 3 aus dem Silicon Valley 2014 kommen zwar annähernd auf den gleichen Umsatz. Sie haben aber nur 137.000 Mitarbeiter. Und ihr Marktwert liegt bei über einer Billion Dollar.

Die Old Economy musste sich anpassen, um in der neuen Liga mitspielen zu können. Das ging nur mit Sparen: vor allem bei den Arbeitskräften. Exxon als erfolgreichste Öl-Firma beispielsweise hat seine Stellen von 150.000 in den 60er Jahren bis heute mehr als halbiert - und das, obwohl man zwischenzeitlich mit dem Rivalen Mobil fusioniert hatte.

Dafür werden heute mehr Leute beschäftigt, um Steuerspartricks auszutüfteln. Dafür werden ganze Mannschaften extern wie intern beschäftigt. Ein neues Zeitalter. Eine neue Art von Unternehmertum. Eine neue Art von Größe.

bs

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