Tesla-Chef Elon Musk

Douglas, Burger King und Co. Tesla nicht der einzige Börsenabtrünnige

Stand: 21.08.2018, 16:38 Uhr

Ein Blick in die Vergangenheit zeigt: Neben Tesla haben bereits andere Konzerne den Börsenabgang im Blick gehabt - nur in ihren Motiven unterscheiden sie sich. Doch welche Gründe sprechen überhaupt dafür?

Elon Musks Tweet, Tesla von der Börse nehmen zu wollen, hatte für großes Aufsehen gesorgt. Nun muss die Börsenaufsicht prüfen, ob es sich um einen Bluff handelt. Falls nicht, wäre Tesla der teuerste Konzern, der jemals privatisiert wurde  – aber bei weitem nicht der erste: Auch andere Unternehmen haben diesen Schritt bereits gewagt: Douglas, Burger King und Dell zum Beispiel.

Verlockende Gründe

Für Konzerne gibt es mehrere Anreize, dem regulierten Markt den Rücken zu kehren: 

  • Die Kosten für die Börsennotierung entfallen, die sechs bis zehn Prozent des Emissionsvolumens betragen können. Erhält ein Konzern zum Börsenstart von den Aktionären beispielsweise 4 Milliarden Euro, muss er mindestens 240 Millionen Euro wieder abgeben. Für manche Unternehmen ein Grund mehr, einen Börsenabgang in Erwägung zu ziehen.  
  • Ständige Quartalsmitteilungen und Geschäftsberichte sind hinfällig, die ansonsten leicht 100.000 Euro pro Jahr verschlingen.
  • Außerdem muss sich ein Konzern nicht mehr vor Aktionären, Analysten, Fondsmanagern und der Presse rechtfertigen. Für Elon Musk zumindest ein wichtiger Grund, hatte er die Fragen eines Journalisten im Mai noch als langweilig und dumm bezeichnet.  

Börsenrückzug bei Douglas

Der damalige Chef von Douglas, Henning Kreke, schien ebenfalls von der Börse genervt zu sein. Im Januar 2013 hatte die Gründerfamilie angekündigt, den Handelskonzern aus dem MDax nehmen zu wollen. Zu unterbewertet sei die Marke auf dem Aktienmarkt, hatten Kreke und sein Vater, Aufsichtsratschef Jörn Kreke, gesagt. Mit dem Börsenabgang sollte vor allem ein neues Kapitel aufgeschlagen werden, "ohne den Blick auf eine kurzfristige Quartalsdenke".

Douglas-Schriftzug an einem Geschäft in Würzburg

Douglas. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Hintergrund war unter anderem ein dickes Minus in der Jahresbilanz, das die Buchhandelstochter Thalia dem Konzern 2011/12 bescherte. Rund 110 Millionen Euro Verluste musste Douglas dadurch erleiden. Investitionen rund um eBooks und ums Online-Geschäft kamen dem Unternehmen teuer zu stehen. Vor allem Rivalen wie der Online-Händler Amazon zwangen Thalia in die Knie.

Letztlich hatte der Finanzinvestor Advent International den Konzern übernommen, mit dem Ziel, Thalia weiter auszubauen. 2013 war der Abgang von der Börse damit besiegelt.

Gründer in der Minderheit

Nach nur drei Jahren war ein erneuter Börsengang mit Advent International vorgesehen. Bevor es aber soweit kommen konnte, ging Douglas zu 85 Prozent an den Fianzinvester CVC Capital Partners über. Die Krekes halten seitdem weiterhin eine Minderheitsbeteiligung.

Thalia ist inzwischen im Besitz des Freiburger Traditionsverlags Herder. Douglas konzentriert sich nur noch auf das Parfum-Geschäft und hatte sich nach und nach von seinen Sparten getrennt. Der Konzern betrieb neben Thalia auch das Süßwaren Geschäft Hussel, das Schmuckgeschäft Christ und den Modehändler AppelrathCüpper.

Beispiel Burger King

Börse ja, nein, doch? Die zweitgrößte Burgerkette der Welt - gleich hinter McDonalds - war mehr als einmal an der Börse: 2006 und 2012.

Die Kette litt seit Jahren unter Umsatzrückgängen. Zwischen 2001 und 2002 hatte sich Burger King so sehr verschuldet, dass mehrere Finanzinvestoren Ende 2002 die Kette für 1,5 Milliarden Dollar aufkauften. Vor allem Texas Texas Pacific Group und Goldman Sachs Capital Partners machten sich als Sanierungsexperten einen Namen. Sie führten neue Produkte ein und auch der Umgang mit den Franchis-Nehmern besserte sich. Nach der Sanierung machte das Schnellrestaurant unter neuer Führung erstmals wieder Gewinne. Mit dem Gang an die Börse hoffte das Unternehmen Nettoeinnahmen von rund 400 Millionen Dollar einzunehmen, immerhin galt es einen Schuldenberg in Höhe von 350 Millionen Dollar abzuarbeiten.

Premiere an der Börse

2006 war es dann soweit: Der Konzern betrat das Börsenparkett, allerdings nicht lange. 2010 verschwand Burger King vom Aktienmarkt, nachdem es vom Finanzinvestor 3G Capital aufgekauft worden war. Die Private-Equity-Gesellschaft hatte rund vier Milliarden Dollar für Burger King gezahlt, den Konzern dann aber wegen schlechter Ertragsaussichten von der Börse genommen.

Burger King Drive In

Burger King. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Kurz darauf gab der bislang alleinige Besitzer von Burger King, Investor 3G Capital, 29 Prozent seiner Anteile an die britische Investmentfirma Justice ab. Unter den Gründern mit dabei: Der gefeierte Karstadt-Retter Nicolas Berggruen. Er war es, der die Burgerkette mit der in London börsennotierten Investmentfirma Justice verband und das Duo 2012 zurück an die Wallstreet brachte. Um die Marktschwäche wieder glattzubügeln, ließ sich Burger King schon einen Tag vor der Übernahme von Justice wieder etwas einfallen: Neue Menüs, eine Kaffeeecke und ein neues Aussehen der Restaurants.

2014 kaufte Burger King die kanadische Kaffee- und Donut-Kette Tim Hortons für mehr als elf Milliarden Dollar – und wanderte aus steuerlichen Gründen ins Ausland ab. Die Aktien beider gibt es so nicht mehr – die Aktiengesellschaft heißt nun Restaurant Brands International Inc.

Börsen-Comeback für Dell?

Nachdem Michael Dell vom Druck der Kapitalmärkte genervt war und 2013 sein Unternehmen von den Aktionären zurückkaufte, will der Computerhersteller nun wieder zurück an die Börse. Was führte zu diesem radikalen Sinneswandel? Ganz einfach: die pure Geld-Not.

fh