Volocopter

Urbane Mobilität & Logistik DB Schenker und Volocopter planen Frachtdrohne

Stand: 21.09.2020, 13:44 Uhr

Das deutsche Flugtaxi-Start-up-Unternehmen Volocopter arbeitet zusammen mit der Logistiktochter der Deutschen Bahn an einer Fracht-Drohne für schweres Gepäck. Auch beim Zukunftsthema Flugtaxi liegt Volocopter weit vorn.

DB-Schenker-Chef Jochen Thewes hegt große Erwartungen an Frachtdrohnen für den städtischen Raum. "Unser gemeinsames Ziel ist es, im kommenden Jahr den Nachweis über eine kommerzielle Nutzung zu erbringen", sagte er im Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters zur Zusammenarbeit mit Volocopter. Mit Drohnen könnten Lieferketten innerhalb von Städten neu überdacht werden, so Thewes.

Auch Volocopter-Chef Florian Reuter drückt bei der Fracht-Drohne aufs Gaspedal: "Die Chancen im Logistiksegement sind im städtischen Raum so groß wie im Fluggastverkehr." Den Markt will er schnell besetzen und 2023 alle notwendigen Zertifizierungen der Flugsicherheitsbehörde EASA für seine Volodrone aufweisen, die eine Reichweite von 40 Kilometern haben soll. Allerdings seien zuvor schon Ausnahmegenehmigungen für einzelne Flüge möglich.

Kein Konkurrent für Amazon  

In Konkurrenz mit Amazon wird Volocopter mit seinen Drohnen nicht treten. Es gehe nicht um das Ausliefern von Drei-Kilo-Päckchen an die Türschwelle, sagte Reuter, wie sie beispielsweise der weltgrößte Onlinehändler in den USA testet: "Unsere Drohne hat eine Traglast von 200 Kilogramm. Das ist ein B2B-Angebot."

Volocopter wolle nicht die letzte Meile bedienen, sondern längere Strecken. Für die Steuerung der Drohnen sind dem Unternehmen zufolge keine Experten nötig. "Jeder Schenker-Mitarbeiter in der Logistik wird es operieren können. Es wird so normal werden wie ein Führerschein", sagte Reuter.

Jeff Wilke, CEO Amazon Worldwide Consumer präsentiert die Amazon Prime Air Drohne

Amazon Prime Air Drohne: Eher für Handgepäck . | Bildquelle: Unternehmen

Wann kommt das Flugtaxi?

Das mit insgesamt 122 Millionen Euro finanzierte Startup, das neben dem chinesischen Autohersteller Geely, DB Schenker und Intel auch Daimler zu seinen Geldgebern zählt, gilt als einer der Vorreiter in der Branche. Angesichts der vermutlich nachlassenden Bedeutung des Autos insbesondere im urbanen Raum sind Autobauer aus nachvollziehbaren Gründen sehr daran interessiert, bei modernen Logistik- und Mobilitätskonzepten einen Fuß in der Tür zu haben.   

Volocopter entwickelt ebenso wie beispielsweise Uber oder Lilium auch Flugtaxis, mit denen Passagieren Staus auf den Straßen ausweichen und so schnell ihr Ziel erreichen sollen.

Lilium Jet

Lilium Jet. | Bildquelle: Unternehmen

Pendeln in der Luft

Geplant ist, erschwingliche elektrische Flugtaxi-Services in den Megastädten dieser Welt zu etablieren. Volocopter ist auf diesem Gebiet bereits recht weit: Erst vor wenigen Tagen läutetet das Unternehmen die Reservierungsphase dafür ein. Es wird aber noch etwas dauern. "Während die endgültige Zulassung für Flugtaxis noch aussteht, setzen wir bereits unseren realistischen Zeitplan für die Aufnahme kommerzieller VoloCity-Flüge in den nächsten 2-3 Jahren um," sagte Christian Bauer, Chief Commercial Officer von Volocopter.

Volocopter

Volocopter. | Bildquelle: Unternehmen

Auch Porsche arbeitet zusammen mit Boeing an ähnlichen Konzepten. Dass Münchner Startup-Unternehmen Lilium treibt ebenfalls die Entwicklung von Flugtaxis voran ebenso wie Airbus mit dem Projekt Cityairbus. Ob das ein Angebot für eine breitere Masse sein wird und damit wirklich etwas zur Lösung von Verkehrs- und Stauproblemen in der Stadt beitragen wird, ist ungewiss. Die Passagiere müssen bereit sein, sich in autonomes Flugobjekt zu setzen. Auch müssten die Flüge erschwinglich sein, um entsprechend viele Kunden anzulocken.

Im Gespräch mit dem BR erklärt deshalb Prof. Florian Holzapfel von der TU München, für welche Gebiete Flugtaxen oder Frachtdrohnen am besten geeignet sind: "Überall dort, wo auf kurzen Strecken ein großer Zeitgewinn möglich ist. Nehmen wir das Beispiel Inseln. Oder eine Gebirgskette. Oder auch Gebiete, in denen es gar keine Infrastruktur gibt, wie etwa Wüsten. Oder Regionen, die von den Umweltbedingungen schwierig sind oder die Sicherheitslage kritisch sind: Überall dort macht diese Technik Sinn."   

 ts