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Vergütung 2017 Wer wäre nicht gern Dax-Vorstandschef?

Stand: 12.07.2018, 12:00 Uhr

Nicht nur der Dax ist im vergangenen Jahr kräftig gestiegen, auch die Vergütung der Vorstände hat deutlich zugelegt, wie eine Studie der Aktionärsschützer der DSW und der TU München zeigt. Drei Topmanager knacken die Zehn-Millionen-Grenze.

Die Vorstandsgehälter der Dax-Unternehmen sind im letzten Jahr wieder etwas stärker gestiegen. Das zeigt eine aktuelle Studie über die Vergütung der Dax- und MDax-Vorstände, die die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) gemeinsam mit der TU München angefertigt hat. Im Durchschnitt sei die Vergütung im Dax um 4,5 Prozent gewachsen. Damit liegt der Anstieg oberhalb des Anstiegs der Bruttolöhne und –gehälter in Deutschland, die nur um 2,5 Prozent gewachsen seien, heißt es in der Studie.

Laut DSW und TU München schlägt sich das auch in der Spreizung der Vorstandsgehälter und der Gehälter der normalen Mitarbeiter der Dax-Konzerne nieder. „Nachdem lange die absoluten Höhen der Gehälter im Fokus standen, wird jetzt auch auf die Frage abgestellt, wie das Verhältnis zwischen Vorstandsgehalt und durchschnittlichem Mitarbeiterlohn aussieht“, kommentiert der DSW Geschäftsführer Marc Tüngler.

Geldregen im Dax

Wenn der Dax steigt, haben auch die Manager etwas davon. | Bildquelle: picture alliance / dpa,Colourbox.de, Montage: boerse.ARD.de

McDermott verteidigt Platz eins

„Die Vorstände haben 2017 das 52-fache ihrer Mitarbeiter verdient. Im Jahr zuvor war es noch das 50-fache“, erklärt dazu Dr. Gunther Friedl, Professor für Betriebswirtschaftslehre und Controlling an der Technische Universität München.

Drei Vorstandschefs aus Dax und MDax überschreiten bei der Vergütung die Zehn-Millionen-Euro-Grenze. Am meisten verdient SAP-Chef Bill McDermott, der erneut an der Spitze des Dax-Rankings liegt. Ebenfalls mehr als zehn Millionen Euro strich der Ex-VW-Chef Matthias Müller ein. Den dritten Platz belegt Oliver Samwer von Rocket Internet mit ebenfalls mehr als zehn Millionen Euro.

Aktienkursorientierte Vergütung steigt am stärksten

Die deutliche Gehaltssteigerung der Vorstände lässt sich nicht zuletzt mit dem wirtschaftlichen Erfolg der Konzerne begründen. Die operativen Ergebnisse der Dax-Unternehmen stiegen laut DSW wie schon im Vorjahr um etwa ein Viertel von 119 auf 148 Milliarden Euro. Interessant ist auch, dass trotz einem durchschnittlichen Vorstandsgehalt von 3,6 Millionen Euro die Summe aller Vorstandsgehälter im Dax nur 4,7 Promille der Gewinne ausmache, wie Friedl unterstreicht.  

Oliver Samwer, Vorstandsvorsitzender von Rocket Internet SE

Oliver Samwer, Vorstandsvorsitzender von Rocket Internet aus dem MDax, hat gut verdient. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Auch die Veränderungen in der Struktur der Vergütung haben DSW und TU München untersucht. Die Vergütung setzt sich aus den drei Bestandteilen Fixvergütung, variable Vergütung und aktienkursbasierte Vergütung zusammen. Am stärksten gestiegen sei laut Friedl bei den Dax-Konzernen die aktienkursorientierte Vergütung. Sie habe um 5,6 Prozent zugenommen und mache inzwischen 27,2 Prozent der Gesamtvergütung aus.

Der Bonus macht's

„Diesen Trend halten wir für richtig, weil der Aktienkurs die langfristige Wertentwicklung eines Unternehmens am besten widerspiegelt“, so Friedl. „Etwas weniger Verständnis haben wir für den starken Anstieg der Fixvergütung. Diese nahm um 5,7 Prozent zu und dafür haben wir angesichts des Gehaltsniveaus keinen nachvollziehbaren Grund finden können“, stellt Friedl fest.

Die Fixvergütung trägt 31,4 Prozent zur Gesamtvergütung bei. Die variablen Boni sind mit 2,9 Prozent am schwächsten gewachsen, machen aber mit 41,4 Prozent den Löwenanteil der Vergütung aus.

US-Bosse hängen Dax-Chefs locker ab

Einige Zahlen und Fakten finden wir auch zum internationalen Vergleich. Die durchschnittliche Gesamtvergütung der Dax-CEOs liegt bei 5,8 Millionen Euro und ist damit beispielsweise höher als die ihrer französischen Kollegen aus dem CAC 40, die 4,9 Millionen Euro erreicht. In den USA ist die durchschnittliche Vergütung der CEOs im Dow Jones gegenüber dem Vorjahr leicht zurückgegangen. Sie liegt mit 16,7 Millionen Euro aber immer noch knapp dreimal so hoch wie die durchschnittliche Vergütung im Dax. Im Jahr 2016 waren es noch 17,1 Millionen Euro.

CEO-Vergütung im Dow Jones (Top 5)

CEO-Vergütung im Dow Jones (Top 5). | Bildquelle: DSW, Grafik: boerse.ARD.de

Christiane Hölz, DSW-Vergütungsexpertin, folgert: "Als Fazit lässt sich sagen: Die Vorstandsvorsitzenden der Dax-Unternehmen werden international durchaus wettbewerbsfähig, aber nicht ungewöhnlich hoch vergütet."

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Die Topverdiener in Dax und MDax Bildergalerie

SAP-Chef Bill McDermott

Platz eins: Bill McDermott, SAP: Mit einer Gesamtvergütung von 12,87 Millionen Euro belegt SAP-Boss Bill McDermott wie schon im vergangenen Jahr den ersten Platz. Im Schnitt verdiente man als Vorstandsmitglied bei SAP 5,56 Millionen. Der Durchschnitt im Dax liegt nach Angaben der DSW bei 3,55 Millionen Euro

ts