1/14

Da waren es nur noch 14 Verschwundene Gründungsmitglieder

Commerzbank und Dresdner Bank
Nach der Übernahme durch die Commerzbank verschand die traditionsreiche Dresdner Bank vom Kurszettel des Dax. Und jetzt hat es auch die Commerzbank erwischt - und deren Abgang schreibt ebenfalls eine dieser irrwitzigen Geschichten des Niedergangs und Überlebenskampf aus 30 Jahren Dax weiter.
Vor allem im Zuge der Finanzkrise geriet die Bank unter Druck und musste vom Staat gestützt werden. Die mit der Übernahme der Dresdner Bank kurz vor der "Lehman-Pleite" im Jahr 2008 verbundenen Hoffnungen haben sich nicht erfüllt. Die Kapitalerhöhungen sind kaum noch zu zählen, der Aktie ist nur durch eine Zusammenlegung das Schicksal erspart geblieben, zum Penny Stock zu verkommen. Jetzt steigt sie aus dem Dax ab.

Da waren es nur noch 14 Verschwundene Gründungsmitglieder

Commerzbank und Dresdner Bank
Nach der Übernahme durch die Commerzbank verschand die traditionsreiche Dresdner Bank vom Kurszettel des Dax. Und jetzt hat es auch die Commerzbank erwischt - und deren Abgang schreibt ebenfalls eine dieser irrwitzigen Geschichten des Niedergangs und Überlebenskampf aus 30 Jahren Dax weiter.
Vor allem im Zuge der Finanzkrise geriet die Bank unter Druck und musste vom Staat gestützt werden. Die mit der Übernahme der Dresdner Bank kurz vor der "Lehman-Pleite" im Jahr 2008 verbundenen Hoffnungen haben sich nicht erfüllt. Die Kapitalerhöhungen sind kaum noch zu zählen, der Aktie ist nur durch eine Zusammenlegung das Schicksal erspart geblieben, zum Penny Stock zu verkommen. Jetzt steigt sie aus dem Dax ab.

Hypovereinsbank-Schriftzug an der Zentrale in München

Bayerische Hypo- und Wechselbank und Bayerische Vereinsbank
Die HypoVereinsbank gehört mittlerweile zur italinischen Großbank UniCredit. Sie selbst ist aus dem Zusammenschluss zweier Dax-Gründungsmitglieder hervorgegangen: der Bayerische Hypo- und Wechselbank und Bayerische Vereinsbank. 1998 verbanden sich beide zur HypoVereinsbank, bis diese 2009 dann von der UniCredit übernommen wurde und so den Dax verlassen musste.

Degussa Schriftzug Menschengroß

Degussa
Für die Degussa AG endete ihr Börsendasein 2006. Heute ist sie Teil des Evonik-Konzerns und an den eigentlichen Unternehmenszweck als Deutsche Gold- und Silber-Scheideanstalt erinnert noch die Degussa Bank und der Degussa Goldhandel.

Deutsche Babcock
Ebenfalls eine der allerersten Aktien, die aus dem Dax weichen musste, war die der Deutschen Babcock, später Babcock-Borsig AG. Der Maschinen- und Anlagenbauer durchlief zahlreiche Neustrukturierungen und Umbauten und musste 1995 den Leitindex verlassen.
Auch der damalige Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Wolfgang Clement, sowie Altkanzler Gerhard Schröder konnten dem Oberhausener Unternehmen nicht mehr helfen. Im September 2002 wurde das Insolvenzverfahren über ein großes Stück deutscher Industriegeschichte eröffnet. Der Bereich Energietechnik gehört heute zur europäischen Filiale der japanischen Hitachi.

Feldmühle Nobel
Das als Papiermühle 1885 in Schlesien gegründete Unternehmen Feldmühle gehörte zusammen mit den Unternehmen Buderus und Dynamit Nobel seit 1962 zum Industriekern des Flick-Familienkonglomerates. Die Geschichte der "Feldmühle" ist ein Kampf um Macht und Einfluss, besonders nachdem Friedrich Karl Flick den Konzern Ende 1985 für fünf Milliarden DM an die Deutsche Bank verkaufte. Zusammen mit Buderus und der einst schwedischen Dynamit Nobel entstand danach die "Feldmühle Nobel AG". Ein Dax-Mitglied der ersten Stunde, das allerdings rasch zerschlagen wurde und heute längst vergessen ist.
1990 übernahm mit der finnisch-schwedischen Stora Enso ein skandinavischer Konzern das Unternehmen – für damals unglaubliche vier Milliarden DM, eine der größten Transaktionen überhaupt. Die Aktie verschwand am 3. September 1990 als erste Aktie überhaupt aus dem Dax und musste damals der Metallgesellschaft weichen.

Hoechst und Jürgen Dormann

Hoechst
Gegründet 1863 und nach dem Krieg entstanden aus der Entflechtung der IG Farben, war die Frankfurter Hoechst AG zusammen mit Bayer und BASF fester Bestandteil der deutschen Chemie- und Pharmaindustrie. Natürlich war Hoechst auch im Dax notiert. Doch unter dem Vorsitz von Jürgen Dormann wurde die Hoechst AG, im Volksmund "die Farbwerke" genannt, zerschlagen und musste den Dax verlassen. Dormann gilt deshalb als der Totengräber der Hoechst AG.
Die "Farbwerke", die 1990 immerhin 172.000 Mitarbeiter beschäftigten und fast 45 Milliarden DM umsetzten, wurden jedenfalls radikal umgekrempelt und fusionierten 1999 mit der französischen Rhone Poulenc. Offiziell auf "Augenhöhe", was sich schnell als Luftblase rausstellte. Im gleichen Jahr verschwand das Hoechst-Papier aus dem Dax und machte der Fresenius-Tochter FMC Platz, die bis heute im deutschen Leitindex enthalten ist. Apropos heute: Heute gehört alles zur französischen Sanofi – einem Global Pharma Player. Im Industriepark Hoechst tummeln sich heute eine Vielzahl von Unternehmen. Die Geschichte dieses Ortes ist heute noch mit Händen zu greifen.

Karstadt
Ebenso wie Konkurrent Kaufhof war Karstadt Gründungsmitglied im Dax. Es war die Zeit der Warenhäuser, auch die nicht-börsennotierten Neckermann-Häuser erlebten ebenfalls eine lange Blüte und stürmisches Wachstum. Die Nation ging eben ins Kaufhaus, wenn es etwas zu kaufen gab. "Der Konsumsektor" waren Karstadt und Kaufhof für diese Branche.
Das Unternehmen, immerhin bis 2001 im Auswahlindex, musste der Deutschen Post weichen. Aber hinter dem Abgang verbargen sich mehr als nur Formalien, der "Gemischtwarenladen" Karstadt war einfach nicht mehr profitabel. 2009 führte dies dann zum Insolvenzantrag, die zahlungsunfähige Muttergesellschaft Arcandor zog dabei auch das renommierte Bankhaus Sal. Oppenheim mit in den Untergang.

Kaufhof
Einen ähnlichen Weg ging und geht die andere Konsumaktie des Ur-Dax. Kaufhof geriet spätestens ab der 90er Jahre durch ein verändertes Kaufverhalten in Turbulenzen und wurde vom Metro-Konzern der Familie Haniel übernommen. Doch auch dieses Kapitel ist längst Geschichte. Kaufhof gehört einem kanadischen Einzelhändler, der sich seinerseits wieder von dem Warenhaus trennen möchte und es mit dem Konkurrenten Karstadt zusammenführen will.
Eigner Metro, selber mit einer schillernden Dax-Geschichte und jüngster Absteiger aus dem Auswahlindex, gab den Ausstieg bekannt. Filialen wurden geschlossen, der Konsolidierungsprozess ist bis heute nicht abgeschlossen.

Mannesmann Vodafone
Der Name ist mit der spektakulärsten Übernahmeschlacht in der Geschichte des Dax verbunden. An deren Ende, Anfang des Jahres 2000, musste die alte Dame Mannesmann dann trotz heftiger Gegenwehr kapitulieren. Die seit Anbeginn im Dax notierte Aktie der Düsseldorfer schlug während der dramatischen Schlacht einen Purzelbaum nach dem anderen und gilt bis heute als das erfolgreichste Investment der Dax-Geschichte.
Für rund 180 Milliarden Euro schluckte am Ende der britische Telekomriese Vodafone das Düsseldorfer Unternehmen. Mannesmann, eigentlich seit 1885 ein traditionsreicher Röhrenhersteller, weckte nach dem Umbau zum Telekomkonzern ab 1990 die Begehrlichkeiten der Konkurrenz. Denn mit der Festnetzsparte Arcor und dem Mobilfunknetz D2 war das Unternehmen sehr erfolgreich auf den Zug in die neue Handy-Zeit aufgebrochen.
Für das Management gab es aber trotz der Niederlage im Übernahmepoker üppige Trostpflaster, Vorstandschef Klaus Esser erhielt die Kleinigkeit von 60 Millionen DM. Wegen dieser hohen Prämien kam es dann ab 2004 zum legendären "Mannesmann-Prozess", in dem auch das Bild von Ex-Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann mit seinem V-Zeichen Berühmtheit erlangte. Er hatte als Mitglied des Aufsichtsrates die von vielen als schamlos empfunden Abfindungen für das Management mit durchgewunken. Das Röhrengeschäft gehört heute übrigens zur französischen Vallourec-Gruppe.

Nixdorf
Heinz Nixdorf dürfte als Visionär seiner Zeit gelten, sein Werdegang ist bis zu seinem überraschenden Tod 1986 durchaus mit denen eines Bill Gates oder anderer Größe aus der Welt der Datentechnik und Computer vergleichbar. Nixdorf baute sein Unternehmen nach dem Krieg auf und wuchs stürmisch bis weit in die 80er. Er erkannte früh den Bedarf, die Daten an den Schreibtisch zu holen – zu diesem Zeitpunkt bedeutete Datenverarbeitung nämlich nur die zentrale Verarbeitung auf Großrechnern. Mit seinen legendären 820 und 88xx-Serien gehörte Nixdorfs Firma zu den führenden Technologiefirmen seiner Zeit, 1987 lag der Umsatz bei fünf Milliarden DM bei 30.000 Beschäftigten. Kein Wunder also, dass das Nixdorf-Papier 1988 zu den Gründungsmitgliedern des Dax gehörte.
Aber zu diesem Zeitpunkt war der Stern des Unternehmens bereits am Sinken, die Preise fielen schnell und dem Siegeszug des Personal Computer konnte die Firma nicht folgen. 1990 übernahm Siemens das Paderborner Unternehmen und gliederte Teile ein. Andere Teile gingen an Finanzinvestoren, 2004 haben diese die Wincor-Nixdorf AG die Börse gebracht, die sich auf Kassensysteme spezialisiert und heute im MDax notiert ist. Die Reste der ursprünglichen Nixdorf-Aktivitäten liegen mittlerweile größtenteils beim japanischen Fujitsu-Konzern, mit dem Siemens bis 2009 ein Joint-Venture unterhielt.

Bayer Schering
Wer 1988 im Berliner Pharmakonzern Schering investiert war und seine Aktien immer behalten hat, hat ein gutes Geschäft gemacht. Über 5.100 Prozent Performance rechnet das Magazin "Wirtschaftswoche" als Wertententwicklung in 25 Jahren Dax aus, nur Mannesmann lag noch besser. Mit der Übernahme von Schering durch Bayer mussten die Berliner allerdings den Dax verlassen.
Auch Schering war stets ein Übernahmekandidat. Generationen von Pharma-Analysten haben sich die Finger wund geschrieben und eine Übernahme mit verschiedenen Partnern durchgerechnet. Das beflügelte stetig die Fantasie der Börse und 2006 war es dann soweit – Schering kam zum Bayer-Konzern. Allerdings erst nach hartem Übernahmekampf mit der Darmstädter Merck, die ebenfalls kaufen wollte und schon 21 Prozent der Aktien hielt. Bayer fungierte dabei als "weißer Ritter" und überbot das Merck-Angebot. Insgesamt war die Transaktion 17 Milliarden Euro schwer. Bayer tat sich im Dax aber nicht nur bei Schering hervor…

Veba-, Viag- und Eon-Logos

Veba und Viag
Die beiden Gründungsmitglieder Veba und Viag sind gewissermaßen auch heute noch im Dax vertreten. Auch wenn ihre Namen längst vom Kurszettel verschwunden sind, leben sie in der nach ihrer Fusion entstandenen Eon AG weiter.

Continental
Obwohl Continental zu den Gründungsmitgliedern gehörte und heute im Dax ist, zählt das Unternehmen nicht zur kleiner werdenen Zahl der "Unabsteigbaren". Denn Continental aus Hannover schaffte den Dax-Abstieg und das Index-Comeback und schrieb Dax-Geschichte. 1988 Startmitglied im neuen Index, musste Conti erstmals 1996 der Münchener Rück weichen – wegen zu geringer Marktkapitalisierung. 2003 dann die Wiederaufnahme für den Finanzdienstleister MLP – als erstem Unternehmen überhaupt gelingt Conti dieses Kunststück.
Dann folgte, wieder im Schicksalsjahr 2008, ein weiteres bemerkenswertes Kapitel deutscher Wirtschaftsgeschichte – die Schaeffler-Gruppe, ein Familienunternehmen aus Franken, machte sich zunächst klammheimlich, unter anderem über Optionsgeschäfte und hohe Bankkredite, an Conti heran und übernahm letztlich die Mehrheit am Reifenkonzern aus Hannover. Folge: Der Streubesitz war für ein Dax-Mitglied zu niedrig, Conti stieg wieder ab. Erst 2012 dann die Rückkehr (zusammen mit Lanxess). Die Schaeffler-Übernahme war übrigens für fast alle Beteiligten ein Desaster – für Schaeffler selbst und auch die beteiligten Banken.

Und wer ist jetzt noch übrig geblieben? Hier noch einmal alle Gründungsmitglieder - hervorgehoben sind die, die von Anfang an dabei sind:

  • Allianz Holding AG
  • BASF AG
  • Bayer AG
  • Bayerische Hypo- und Wechselbank AG
  • Bayerische Motoren Werke AG
  • Bayerische Vereinsbank AG
  • Commerzbank AG
  • Continental AG
  • Daimler-Benz AG
  • Degussa AG
  • Deutsche Babcock AG
  • Deutsche Bank AG
  • Deutsche Lufthansa AG
  • Dresdner Bank AG
  • Feldmühle Nobel Holding AG
  • Henkel KGaA
  • Hoechst AG
  • Karstadt AG
  • Kaufhof Holding AG
  • Linde AG
  • MAN AG
  • Mannesmann AG
  • Nixdorf AG
  • RWE AG
  • Schering AG
  • Siemens AG
  • Thyssen AG
  • Veba AG
  • Viag AG
  • Volkswagen AG