Wann drosselt Fed-Chef-Ben Bernanke den Ankauf von Staatsanleihen?

Von Langeweile keine Spur Das neue Leben des Ben Bernanke

Stand: 17.06.2015, 11:21 Uhr

Der ehemalige Präsident der US-Notenbank bleibt auch nach seinem Rückzug von der Spitze der Bank ein gefragter Mann. Seine Einblicke in die Denkweise der Währungshüter lässt sich der Ex-Chef nun aber kräftig vergolden.

Damit geht Bernanke, der von 2006 bis 2014 die mächtigste Notenbank der Welt leitete, einen Weg, den vor ihm schon viele andere Persönlichkeiten des öffentlichen Interesses gegangen sind. Das prominenteste Beispiel ist wohl Ex-Präsident Bill Clinton, der von Februar 2001 bis Januar 2013 in insgesamt 544 Auftritten die Kleinigkeit von 106 Millionen Dollar eingestrichen hat. Dies geht aus Unterlagen hervor, die seine Frau Hillary veröffentlichte. Die Liste ehemaliger Politiker, die hinter den Kulissen für viel Geld weiterwirken, ist lang.

Bill Clinton. | Quelle: picture-alliance/dpa

Was Bernanke für seine Auftritte zwischen Las Vegas, Abu Dhabi und Johannesburg bekommt, braucht er als Privatperson nicht zu veröffentlichen. Aber unter Wert wird und darf sich der einstige Star der Kapitalmärkte nicht verkaufen. "Er wird seinen Namen und seine Reputation nicht hergeben, ohne eine angemessene Kompensation zu bekommen", erklärt Hank Hidgeon, ein renommierter New Yorker Personalberater, gegenüber der Nachrichtenagentur "Bloomberg".

Die Kasse klingelt

Hauptberuflich ist der ehemalige Princeton-Professor Bernanke heute für das Brookings-Institut tätig, eine nicht gewinnorientierte, aber sehr renommierte Denkfabrik in Washington, D.C. Von dieser Basis aus tingelt er nun durch die Welt - und scheffelt dabei Millionen. Unter 200.000 Dollar je Ansprache dürften es nicht sein, heißt es aus Insiderkreisen. Bernanke ist ein gefragter Mann, gerade und weiterhin in der Finanzindustrie.

Hinzu kommen Entgelte aus Beratertätigkeit für die Allianz-Tochter Pimco sowie den Hedge-Fonds Citadel. Lohnenswert allemal, Berater gehen von einem Minimunsalär von rund einer Million Dollar pro Jahr aus.

Wo steckt der Nutzen?

Über den Sinn und Zweck der teuren Stars wird trefflich diskutiert. Ist es nur eine von vielen Marketingmaßnahmen, mit denen man vor allem die großen Kunden bauchpinseln möchte? Oder steckt auch ein praktischer Nutzen für die Pimcos dieser Welt dahinter?

Der Marketing-Effekt ist sicher da, denn bekannte Namen fallen stets ins Auge. Nur messbar sind solche Erfolge kaum. Das gilt auch für den praktischen Nutzen. Für diesen spricht, dass die Welt der Politik und besonders der Geldpolitik für Außenstehende mysteriös bleibt. Ein Einblick in die Denkweise der Verantwortlichen könnte viel wert sein, wenn man sie denn besser verstehen kann. Veranstaltungen mit Bernanke sind bei Hedge-Fonds-Managern denn auch sehr begehrt - und ausverkauft, versteht sich. Auch Citadel-Chef Kenneth Griffin fühlt sich besser, wenn Bernanke an Bord ist. Der Hedge-Fonds hatte während der Finanzkrise viel Geld verloren.

Gutes Timing

Die Nachfrage nach mehr Insiderwissen aus der Welt der Notenbank ist zudem gerade besonders hoch. Seit 2006 steht nämlich erstmals wieder ein Wechsel des Zinsregimes auf dem Programm. Schon seit geraumer Zeit rätseln die Märkte, was passieren muss, damit die Fed den Startschuss gibt. Einen besseren Insider und Berater als Ben Bernanke kann man wohl kaum finden.

Schließlich ist die Geldpolitik das unumstrittene Salz in der Suppe jeder Anlagestrategie. Liegt man hier falsch, ist es um die Wertentwicklung meist geschehen. Auch Fehlentscheidungen der Währungshüter haben gravierende Auswirkungen. Milliardär und Hedge-Fonds-Manager Stan Druckenmiller bringt die Sache auf den Punkt. Er sagte gegenüber "Bloomberg", die größten Gewinne mache man dann, wenn man auf die Fehler der Notenbank wette. "Fehlersuche" à la Bernanke bleibt also gefragt.

rm