Porträt

Alibaba-Chef Jack Ma

Alibaba-Chef Jack Ma Das Jangtse-Krokodil sucht den Kampf

von Alexander Schmitt

Stand: 12.05.2014, 15:45 Uhr

Jack Ma ist einer der schillerndsten Unternehmer Chinas, genießt in seinem Heimatland Kultstatus. Ein schmaler Mann mit fransigen Haaren, der seine Zuschauer ohne viel Worte in seinen Bann ziehen kann. Und: Er hat eine Vision.

Seinen Mitarbeitern predigt Jack Ma Selbstbewusstsein: "Wir haben genauso viel im Kopf wie die." Mit "die" sind die amerikanischen Konkurrenten Ebay und Amazon gemeint, und all die anderen Internetfirmen aus dem Silicon Valley. Der 49-Jährige meint es ernst: "Ebay mag ein Hai im Ozean sein, aber ich bin das Krokodil im Jangtse-Strom. Wenn wir im Ozean zum Kampf antreten, werden wir verlieren - aber wenn wir im Fluss kämpfen, werden wir gewinnen."

Ebay war der erste Streich

In China hat Ma bereits gewonnen. Vor zehn Jahren hatte er zunächst das Geschäftsmodell von Ebay kopiert, es dem chinesischen Markt angepasst und dann zum Angriff geblasen. 2007 gab der US-Konzern in China auf, der Marktanteil im Online-Handel war auf unter acht Prozent gesunken. Mas Handelsplattform Taobao, die größte und wichtigste Tochter seines Alibaba-Konzerns, hatte schon damals ihren Marktanteil auf 84 Prozent ausgebaut. Heute werden dort fast eine Milliarde Produkte gehandelt.

Holpriger Start

Zunächst sah es nicht nach einer Weltkarriere aus. Ma ist weder in Mathematik noch in technischen Disziplinen ein Überflieger. Ganz im Gegenteil. Sein Lebensweg war eher holprig. Zweimal fiel Ma bei der Aufnahmeprüfung durch, bevor er 1988 an der Pädagogischen Universität angenommen wurde, wie chinesische Medien berichten. Er tat sich schwer, einen Job zu finden, kam Mitte der 90er Jahre zum ersten Mal in die USA und begriff schnell die Bedeutung des Internets. Er jobbte als Englischlehrer und Dolmetscher.

An der chinesischen Mauer

Der Zufall wollte es und Ma hatte 1998 als Reiseführer einem amerikanischen Touristen die chinesische Mauer gezeigt. Es war Jerry Yang, der Mitbegründer von Yahoo. Sieben Jahre später wurde Yahoo zu einem der zwei Hauptanteilseigner bei Alibaba, neben dem japanischen Konzern Softbank. Jetzt wird sich Yahoo-Chefin Marissa Mayer auf einen warmen Geldregen freuen. Wenn Alibaba in den USA an die Börse geht, ist der US-Internetkonzern dazu verpflichtet, 40 Prozent seiner Anteile abzustoßen - und könnte damit mehr als 15 Milliarden Dollar vor Steuern gewinnen.

Ein Mann mit Kultstatus

Inzwischen muss Ma nicht mehr dolmetschen oder amerikanische Touristen führen. Er steht ganz oben. Die "Financial Times" kürte ihn zur "Person des Jahres", und "Forbes" setzte ihn als ersten Festlandchinesen auf die Titelseite. Auf der "Forbes"-Milliardärsliste rangiert Ma zehn Plätze vor Google-Chef Eric Schmidt. Geschätztes Vermögen: 9,4 Milliarden Dollar. Seine Auftritte sind legendär. Zur Hauptversammlung seines Alibaba-Konzerns in einem Stadion der Provinzhauptstadt Hangzhou erschien er schon einmal "ganz in Leder und mit einem gigantischen, gezackten Irokesenschnitt, schwarzem Lippenstift und Nasenring", so die "Financial Times". Ein Mann, der Kultstatus genießt.

Bauchgefühl statt Zahlen

Auch bei seinen inzwischen rund 25.000 Mitarbeitern. Jack Ma gilt als Manager, der seinem Baugefühl mehr vertraut als nackten Zahlen. Das mag erklären, warum er im Gegensatz zu den Amerikanern die Bedeutung der sozialen Netzwerke anders eingeschätzt hat. Der Chatdienst Laiwang, den Alibaba im Dezember 2012 einführte, hat es bislang nicht geschafft, den Konkurrenten WeChat einzuholen. Doch seinen Mitarbeitern bereitet das kein Kopfzerbrechen. Ma gilt als wandlungsfähig. Er setzt ganz auf die Zukunft. Investiert in Apps und Cloud-Computing, beteiligt sich am chinesischen Kurznachrichtendienst Sina Weibo und plant ein landesweites Logistiknetz, um den weltgrößten Einzelhändler Wal Mart möglichst bald vom Thron zu stoßen.

Das Leben genießen

Wandlungsfähig - das gilt auch in Bezug auf seine Zukunft. An Alibaba wird er nach dem Börsengang nur noch indirekt beteiligt sein. Er hat das Amt des Chefs inzwischen abgegeben und denkt jetzt eher an karitative und kulturelle Aufgaben. "Jetzt ist die Zeit, um das Leben zu genießen", zitierte ihn "China Daily", als er im Frühjahr 2013 zurücktrat. Mit seinem Milliarden-Vermögen dürfte ihm das nicht allzu schwer fallen.