Porträt

Daniel Seth Loeb, CEO Thirdpoint

Pöbeln für den Shareholder Value Daniel Loeb: Der Lautsprecher

Stand: 26.06.2017, 11:50 Uhr

Der Hedgefonds-Manager Daniel Loeb ist ein Mann mit einem scharfen Profil. Und er ist wohl einer der am meisten gefürchteten Männer der Wall Street. Berühmt wurde er durch seinen Streit mit George Clooney, reich wurde er auch durch exzessives Schreiben von Pöbelbriefen.

Wenn man nach Hinweisen für die These suchte, dass an der Wall Street ziemlich viele Soziopathen arbeiten, würde man recht schnell auf den Mann aus Santa Monica in Kalifornien stoßen - jedenfalls wenn man den zahlreichen Zeugnissen von Wegbegleitern, ehemaligen Kollegen und Konkurrenten glaubt, die sich zu Daniel Loeb geäußert haben. Aber vielleicht ist es auch nur der Neid auf einen sehr erfolgreichen Investor?

Denn im Jahr 2017 brachte es der 1961 geborene Loeb mit einem Verdienst von 400 Millionen Dollar bis auf Platz sechs der erfolgreichsten Hedgefonds-Manager. Die Forbes-Liste wird von James Simons und Michael Platt angeführt, die jeweils 1,5 Milliarden Dollar verdient haben. Loebs Privatvermögen beläuft sich nach Forbes-Angaben auf 2,9 Milliarden Dollar. Damit belegt er immerhin Platz 693 auf der Liste der reichsten Männer der Welt.

Mehr Rendite durch querulatorischen Aktivismus?

Carl Icahn

Carl Icahn. | Bildquelle: picture-alliance/dpa

Wie macht man so ein erstaunliches Vermögen? Gemeinsam mit Carl Icahn und Paul Singer bildet Loeb eine Art dynamisches Trio der aktivistischen Investoren. Die Methode ist altbekannt, aber in gewissem Sinne hat sie Loeb, der jüngste der drei, auf ein bisher unbekanntes Level gehoben. Aktivistische Investoren beteiligen sich an börsennotierten Unternehmen, die sie für unterbewertet oder schlecht gemanagt halten. Dann gilt es, mächtig Wind zu machen, indem sie versuchen ins Management einzusteigen. Ziel ist es, die Strategie des Unternehmens zu verändern. Oft bewirkt schon allein die Androhung von Eingriffen eine Steigerung des Aktienkurses.

Kein Wunder also, dass der Ruf dieser Investoren-Riege nicht gerade gut ist. Wer beliebt sein möchte, sollte einen anderen Weg wählen, um zu Geld zu kommen. Kaum jemand zeigt so sehr wie Loeb, dass er sich um die Meinung der Leute nicht schert.

"Schreib mal wieder!"

Denn Loeb und sein Fonds Third Point Management ist bekannt für sein forsches, zum Teil auch rabiates Vorgehen. Beim US-Internetkonzern Yahoo startete er im Jahr 2012 eine Kampagne gegen das damalige Management. Dabei scheut er sich auch nicht persönlich zu  werden, wenn es seinen Zielen dient. Dem seinerzeitigen Chef Scott Thompson warf er in einem Brief vor, seinen Lebenslauf mit einem fiktiven Abschluss in Informatik aufgehübscht zu haben. Thompson verlor den Machtkampf innerhalb von sechs Wochen und wurde später durch Marissa Mayer ersetzt. Third Point Management ergatterte drei Posten im Vorstand, einen davon für Loeb selbst.

Das ganze war ein gutes Geschäft für den Hedgefonds. Um die drei wieder loszuwerden, erwarb Yahoo im Juli 2013 40 Millionen eigene Aktien zu je 29,11 Dollar von Third Point. Dafür musste Yahoo 1,2 Milliarden Dollar springen lassen - Loeb konnte seinen Einsatz mehr als verdoppeln.

"Bemitleidenswert schwache Individuen"

Der streitbare Investor beherrscht auch die Kunst des mehr oder weniger stilvollen Nachtretens. Im Jahr 2005 versuchte er, den Vorstand des Grillherstellers Salton in seinem Sinne auszutauschen. Das Unternehmen misslang, Loeb verkaufte seine Aktien. Was übrig blieb, war erneut ein interessantes Dokument, ein Brief an den Vorstand:          

»Der endgültigen Entscheidung, meine Position aufzulösen, lagen nicht allein ihre Inkompetenz, Arroganz und ihre zahllosen Unzulänglichkeiten zugrunde. Es war meine Schlussfolgerung, dass der Vorstand des Unternehmens geleitet wird von einer zahnlosen Gruppe von Kumpanen oder bemitleidenswert schwachen Individuen, von denen ich nur annehmen kann, dass sie völlig überfordert und unfähig angemessen zu handeln sind.«

Daniel Loeb

Auch andere Hedgefonds-Manager taktieren mit Briefen. Eventuell führten aber schneidige Äußerungen wie diese dazu, dass das Magazin "Vanity Fair" in einem Loeb-Porträt zum Schluss kam, dass Loebs Schreibe die fieseste sei.

Hollywood contra Wall Street

Mit solch harten Worten brachte es Loeb in der Szene zu einem gewissen Ruhm. Berühmt wurde er aber durch einen Streit mit dem Schauspieler George Clooney. Als Großaktionär von Sony hatte Loeb gefordert, ein Fünftel der profitablen Entertainmentsparte auszugliedern. Zur Sony-Unterhaltungssparte gehören unter anderem Filmstudios und das Plattenlabel Sony Music. Loebs Fonds hat Zugriff auf sieben Prozent der Anteile des Mutterkonzerns. Sony lehnte ab. 

George Clooney bei Dreharbeiten für Nespresso-Werbespot

George Clooney bei Dreharbeiten für Nespresso-Werbespot. | Bildquelle: Nespresso

Das wie üblich forsche Vorgehen des Hedgefonds-Managers stieß bei Sony-Partnern wie dem Hollywoodstar George Clooney auf Kritik. "Der Hedgefonds-Typ nennt sich selbst Aktivist, aber hat keine Ahnung von unserem Geschäft", schimpfte Clooney, dessen Produktionsfirma mit Sony kooperiert. Loeb sei ein Spekulant, der durch ein Klima der Angst versuche, Filmstudios zu zwingen, nur noch auf aufwändige Kinoknüller zu setzen. Loeb versuche, den Markt zu manipulieren.

Entscheidend ist, was hinten rauskommt    

Wie auch immer man das nennen mag, was Loeb tut – langfristig erfolgreich ist er. Schon in jungen Jahren betätigte er sich als Unternehmer. Er gründete ein Skateboard-Unternehmen und spekulierte frühzeitig an der Börse. Das Unternehmerische lag in der Familie. Seine Großtante erfand die Barbie-Puppe und spielte zusammen mit seinem Großonkel eine wesentliche Rolle bei der Gründung des US-Spielzeugkonzerns Mattel. Sein Vater war Rechtsanwalt.

Loeb arbeite nach dem Studium der Ökonomie bei Private-Equity-Firmen und sogar beim Musik-Label Island Records. Ob er sich seine Schwäche für den imposanten Auftritt im Musikbusiness abgeschaut hat? Jedenfalls geschah 1995 das, was man häufig liest in den Biographien erfolgreicher Selfmade-Männer. Mit rund drei Millionen Dollar, geliehen von Familie und Freunden, stieg Loeb in das Hedgefonds-Geschäft ein und gründete "Third Point Management".

Gut ausbalanciert dank Yoga, Marathon, Triathlon, moderner Kunst…

Balloon Dog von Jeff Coons

Balloon Dog von Jeff Coons. | Bildquelle: picture-alliance/dpa

"Alles was mich interessiert ist, für meine Investoren Geld zu  machen", wird Loeb zitiert. Das ist viel zu bescheiden, denn erstens dürfte sich Loeb auch für sei eigenes Konto interessieren. Und zweitens spielt, wie bei anderen Wall-Street-Legenden auch, in Loebs Leben die sogenannte Philanthropie eine Rolle. Loeb ist mit Margaret Davidson Munzer verheiratet und engagiert sich für Menschenrechte, Bürgerrechte, im Nationalen Olympischen Komitee, für Bildung, Moderne Kunst und - zusammen mit seinem Kollegen Paul Singer - für die Rechte der Homosexuellen.

Entspannung findet Loeb unter anderem beim Kunstsammeln. Er wurde wiederholt vom in der Szene berühmten New Yorker Kunstmagazin "Artnews" zu den 200 Top-Sammlern des Jahres gewählt und ist Trustee des Museums für Moderne Kunst in Los Angeles.

In seiner Freizeit nimmt er an Marathon-Läufen und an Triathlon-Wettkämpfen teil. Außerdem soll er Yoga praktizieren und Transzendentale Meditation betreiben. Ein Mannschaftssport würde auch schlecht zu ihm passen.

ts

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