Daniel Křetínský

Der Mann hinter dem Metro-Deal Daniel Kretinsky, genialer Stratege und Spekulant

Stand: 27.08.2018, 13:06 Uhr

Der Metro-Deal und der Teilausstieg der Haniel-Familie hält die Börse am Montag in Atem. Dahinter steckt unter anderem Daniel Kretinsky mit seiner Investmentfirma EP. Wer ist der Mann, der sich so brennend für Metro interessiert?

Den Grundstein für seine Karriere als Investor legte der heute 43-jährige Daniel Kretinsky in der tschechischen Finanzgruppe JT, wo er als Mittzwanziger anheuerte. Sein Talent setzte sich früh durch, bereits nach weniger als einem Jahr habe er seine erste Million verdient, schreibt die „Prager Zeitung“ in einem Porträt. Kretinsky hält mit 53 Prozent der Anteile die Mehrheit an der Gesellschaft EP Global Commerce (EPGC), die sich 7,3 Prozent der Metro-Anteile gesichert hat.

Eine Million ist für Kretinsky jetzt Kleingeld. Der Investor ist mit einem Vermögen von 2,6 Milliarden Dollar mittlerweile immerhin auf Platz 924 der Forbes-Milliardärsliste. Seine Ausbildung ist solide. Kretinsky besitzt den Bachelor in Politikwissenschaften, zudem noch den Master- und Doktortitel in Rechtswissenschaften - ein gutes Fundament, um die komplexen Vertragswerke moderner Transaktionen zu durchdringen.

In Deutschland ist der Milliardär und einem breiteren Publikum durch sein Engagement in der Braunkohle-Förderung bekannt geworden. Kretinsky ist Chef und Miteigentümer des Strom-Versorgers EPH. Dieser hatte in der Bundesrepublik die Braunkohlekraftwerke und den Tagebau von Vattenfall übernommen.

RWE-Braunkohleabbau in Garzweiler

"Undurchdachte europäische Energiepolitik": So sieht moderner Braunkohleabbau aus. | Bildquelle: Imago

„Undurchdachte Energiepolitik“

Die Idee dahinter ist die Spekulation darauf, dass die Großhandelspreise für Strom wieder steigen werden, wenn Deutschland bis Ende 2022 sämtliche verbliebenen Atomkraftwerke abschaltet. Erneuerbare Energiequellen würden nicht genügen, um die Versorgung zu sichern, so lautet die These. Die Wirtschaftszeitung „Hospodarske Noviny“ aus Prag spricht von einer „Wette darauf, dass die Energiepolitik einiger europäischer Staaten undurchdacht ist.“

EPH hat Kraftwerke unter anderem auch in Tschechien, der Slowakei, Italien und Großbritannien. Die Gruppe beschäftigt nach eigenen Angaben knapp 25.000 Menschen. 2017 hatte sie bei einem Umsatz von rund sechs Milliarden Euro einen operativen Ertrag von rund 1,9 Milliarden Euro eingefahren.

Auch in der Medienbranche ist Kretinsky engagiert. Ihm gehört ein Anteil am Medienunternehmen Czech News Center, die mit „Blesk“ die erfolgreichste tschechische Zeitung herausgibt.

Prager Stadtansicht

Der Hauptsitz von Kretinskys Firma EPH liegt in Prag. | Bildquelle: picture-alliance/dpa

Fußball, Golf, Kunst

Viel Persönliches ist über Kretinsky nicht bekannt. Der Investor scheint das Rampenlicht eher zu meiden, Interviews gibt er kaum. Der rbb zitiert Petr Lukac, einen Journalisten von „Hospodarske Noviny“: „Herr Kretinsky ist kein Showman mit weißen Mokassins und schwarzer Lederjacke. Er ist sehr gebildet, hochintelligent und äußerst dezent. Auf der einen Seite ein hervorragender Stratege, aber auch ein Spekulant. Er kann beide Rollen spielen.“

Das deutsche Wirtschaftsblatt „Capital“ durfte sich offenbar sein Büro einmal näher ansehen. Selbst in Kretinskys rumpelkammergroßem Büro unter der Dachschräge finde sich kaum Persönliches, nur ein Foto seines Sohnes auf dem leeren Schreibtisch und ein echter Kokoschka an der Wand, heißt es in einem Artikel über die Holding EPH.

Spieler und Fans von Sparta Prag

Sparta Prag: Kretinsky ist Mitbesitzer und Präsident . | Bildquelle: Imago

Wir lernen daraus: Kretinsky sammelt Kunst - eine Vorliebe, die er mit vielen Milliardären teilt. Auch seine Freude am Golfspiel ist nichts Ungewöhnliches. Seine große Leidenschaft ist aber der Fußball. Er ist Mitbesitzer des tschechischen Fußballclubs Sparta Prag, dessen Präsident er ist. Zuletzt gewann Sparta 2014 die tschechische Meisterschaft.

ts