Börsengeschichten

Navinder Singh Sarao

Vor US-Gericht Crash-Händler bekennt sich schuldig

Stand: 10.11.2016, 11:18 Uhr

Sechs Jahre nach dem berühmten "Flash Crash" in den USA hat der "Auslöser" des dramatischen Kurssturzflugs, ein in London lebender Wertpapierhändler, sich für schuldig bekannt.

Der 37-jährige Navinder Sarao erklärte sich am Mittwoch einverstanden, 12,8 Millionen Dollar an illegalen Handelsgewinnen an die US-Regierung zu zahlen. Richterin Virginia Kendall sagte, der Angeklagte werde zudem eine Haftstrafe von 78 bis 97 Monaten absitzen müssen.

Die Höchstgrenze bei derartigen Vergehen liegt bei 30 Jahren. Sarao wird beschuldigt, mit einem computergesteuerten Handelsprogramm zum Absturz des US-Aktienmarktes am 6. Mai 2010 beigetragen zu haben. Damals verlor der Börsenindex Dow Jones kurzzeitig rund 1.000 Punkte und damit etwa zehn Prozent. Dabei gingen fast eine Milliarde Dollar an Marktkapitalisierung verloren.

Dow Jones: Kursverlauf am Börsenplatz Dow Jones Indizes für den Zeitraum 5 Jahre
Kurs
25.058,12
Differenz relativ
-0,03%

Ausgelöst wurde er durch eine große Zahl von Verkaufsorders, die wiederum Großinvestoren wie Hedgefonds zu Verkäufen veranlassten, die durch eigens programmierte Handels-Computer vollautomatisch vollzogen wurden.

Kaution von 750.000 Dollar

Der Ausgangspunkt liegt aber bei dem einen Händler und dessen Handelspraktiken: Sarao hatte so genannte "Scheinorders" in großen Stückzahlen auf den US-Leitindex S&P 500 im Orderbuch platziert. Scheinorders deshalb, weil Sarao nie vorhatte, wirklich Verkäufe zu tätigen. Seine Absicht war es, Marktteilnehmern zu suggerieren, dass ein großer Verkaufsdruck im Markt sei, um diesen dadurch zu drücken. Er selbst setzte mit Derivaten auf sinkende Kurse. Sanken diese dann tatsächlich, was vor dem Flash Crash auch regelmäßig funktionierte, konnte er risikolose Gewinne einstreichen.

Der Beschuldigte wurde bis zum Urteil gegen eine Kaution von 750.000 Dollar auf freien Fuß gesetzt, wie Kendall bekanntgab. Er darf nach London zurückkehren, wo er im Hause seiner Eltern lebt. Von dort aus tätigte er auch seine Börsengeschäfte. Er handelte mit Terminkontrakten an der Chicagoer Börse (CME).

rtr

1/7

"Fette Finger" sind immer und überall Händler, Computer und Kursabstürze

UBS-Schriftzug vor dunklen Wolken

UBS – der IPO-Crasher