Interview

Paul Mallach, Leitung Forschung & Entwicklung bei Ariva

Börsen-Forum Ariva "Die Community bleibt für uns wichtig"

Stand: 17.06.2016, 16:36 Uhr

Ariva kennen viele Hobby-Trader als Diskussionsplattform über Aktien, Fonds & Co. Doch das Kieler Unternehmen hat sich schon vor vielen Jahren mehrere weitere geschäftliche Standbeine aufgebaut, wie Paul Mallach, Leiter Forschung & Entwicklung erläutert.

boerse.ARD.de: Herr Mallach, Ariva ist einmal als reines Anlegerportal gestartet. Welchen Anteil macht das ursprüngliche Geschäft inzwischen noch aus?

Paul Mallach: Rund ein Drittel des Geschäfts von Ariva dreht sich noch immer um unser Finanzportal, das auch ein zentraler Bereich des Unternehmens bleiben wird.

boerse.ARD.de: Wie sehen hier die Zugriffszahlen derzeit aus?

Mallach: Wir kommen derzeit auf rund 40 Millionen Zugriffe pro Monat. Pro Werktag werden etwa 6.000 Beiträge in unserem Forum erstellt. Die Zahl der registrierten Nutzer liegt bei rund 480.000.

boerse.ARD.de: Börsen-Communities der ersten Stunde hatten ja bereits wenige Jahre nach dem Start mit dem Zusammenbruch des Neuen Marktes zu kämpfen. Wie ist es Ariva in dieser Zeit ergangen?

Mallach: Wir hatten zu dieser Zeit bereits weitere Geschäftsfelder wie die Lizenzierung von Daten und Anwendungen entwickelt. Anders als Mitbewerber, die damals schlicht pleite gingen, hatten wir zwar ein hartes Jahr, konnten aber unser Portal stets weiterbetreiben.

boerse.ARD.de: Die Ariva-Community ist in den vergangenen Jahren weiter gewachsen. Wie hoch ist der "Pflegeaufwand" für das Börsen-Forum?

Mallach: Wir haben derzeit drei Moderatoren im Einsatz, die sich die einzelnen Threads sehr genau anschauen und durchaus auch einmal eingreifen. Sie werden auch durch technische Mittel unterstützt, zum Beispiel werden die Texte auf bestimmte Begriffe abgesucht, die oft benutzt werden, wenn etwa eine Aktie allzu heftig "bewertet" wird. Beiträge, die Nutzern als problematisch erscheinen, können aber natürlich auch bei uns "gemeldet" werden.

boerse.ARD.de: Ist die Versuchung, gerade kleine marktenge Werte zu "pushen" oder zu "bashen", um einen Kurs zu bewegen, in Börsen-Communities nicht ein generelles Problem?

Mallach: Das ist richtig, wobei die Grenzen zwischen echter Begeisterung für einen Titel, gemischt mit viel Wissen über ein Unternehmen und einem Versuch des "frontrunning" natürlich oft schwer zu erkennen sind. Wir haben in den vergangenen Jahren auch öfter einmal mit Staatsanwaltschaften zu tun gehabt.

boerse.ARD.de: Gerät man als Betreiber eines solchen Portals nicht selbst in den Fokus der Behörden?

Mallach: Wir haben nur einmal, im Jahr 2011, eine gerichtliche Unterlassungs-Verfügung wegen Beleidigung durch Nutzer im Diskussionsforum erhalten. Damals ging es um Beiträge zu einem Börsenbrief-Schreiber. Allzu drastische Kritik mussten wir daraufhin von der Seite nehmen. Der Börsenbrief-Schreiber wurde übrigens wenig später wegen strafbarer Marktmanipulation rechtskräftig verurteilt.

boerse.ARD.de: Wie sehen die anderen Geschäftsfelder von Ariva aus?

Mallach: Wir lizenzieren grundsätzlich alle unsere Daten und Anwendungen, die wir anbieten, auch an Kunden, gewissermaßen von einem einzelnen Kurs bis hin zu einem kompletten Internet-Auftritt. Dazu gehört zum Beispiel unsere Stammdatenbank für Derivate. Für die Börse Düsseldorf und die Schweizer Börse betreiben wir komplette Internetauftritte. Übrigens wird auch die Community gewissermaßen lizensiert: Sie ist auch auf anderen Portalen zu finden.

boerse.ARD.de: Gibt es Zukunftsfelder, die sich Ariva in den kommenden Jahren erschließen will?

Mallach: Das Bereitstellen von regulatorischen Dokumenten und Dienstleistungen ist derzeit ein Wachstumsgeschäft für uns. Aber auch unsere Community wollen wir weiter nutzen. Es gibt derzeit Überlegungen, unseren Usern die "Schwarmintelligenz", die auf unserer Plattform entsteht, auch nutzbar zu machen.

Das Gespräch führte Andreas Braun.