PSA-Chef Carlos Tavares

PSA-Boss feiert 60. Geburtstag Carlos Tavares' Erfolgsgeheimnis

Stand: 14.08.2018, 16:26 Uhr

Carlos Tavares hat sich an die Spitze des Automobilherstellers PSA gearbeitet. Nach Peugeot und Citroën soll der Portugiese nun Opel aus der Klemme helfen. Heute feiert der PSA-Chef seinen 60. Geburtstag. Was für ein Mensch ist der Top-Manager? Ein Porträt.

Der Asphalt scheint zu brennen, der Geruch von Benzin liegt in der Luft. Viele Gleichgesinnte sind an diesem Tag im Mai 2018 zum Nürburgring gekommen, um am 24-Stunden-Rennen teilzunehmen. Unter den Motorsportfans ist auch Carlos Tavares. Aber anstatt mit einem Rennwagen von mehr als 300 Pferdestärken zu  trumpfen, fährt der Portugiese einen Opel Calibra TJ-R, Baujahr 1998. Mit seinen 235 PS ist er vergleichsweise langsam unterwegs. Warum der Top-Manager nicht im Bereich der 300er Marke das Rennen bestreitet? Weil er drei Töchter und fünf Enkelkinder habe, sagt er nüchtern.

Bescheidenheit ist seine Devise

Gas gibt Tavares nicht nur in seiner Freizeit als Rennfahrer, sondern auch auf seinem Manager-Posten. Seit der Übernahme von Opel  im vergangenen Jahr hat er einen strikten Sparkurs verordnet. Mit ihm an der Spitze schreibt der deutsche Autobauer nach vielen Jahren erstmals wieder schwarze Zahlen - wenn auch vor Sonderposten, Zinsen und Steuern. Tavares' Sparsamkeit sorgt für einen Umschwung. Teure Dienstreisen und noble Geschäftsessen fallen ab jetzt deutlich knapper aus, Konferenzen lässt er bis auf eine Stunde kürzen - und er selbst verzichtet unterwegs auch mal auf seine Sicherheitskräfte. Aber die Methoden des Portugiesen kommen nicht bei jedem gut an. Arrogant sei er. So bezeichnet ihn jedenfalls der ehemalige Chef von Opel Karl-Thomas Neumann, als der PSA-Chef in einem Interview kein Blatt vor dem Mund nahm und das bisherige Management des tot geglaubten Rüsselsheimer Konzerns kritisierte.

Andere sagen, Tavares sei diszipliniert und ehrgeizig. Jedenfalls liegt der Verdacht nahe, wenn man sich die Karriere des 60-Jährigen anschaut. Als Jugendlicher entdeckt er seine Liebe zum Motorsport und möchte Rennfahrer werden. Mit 14 Jahren arbeitet er auf der Rennbahn in Estoril, eine halbe Stunde Autofahrt von Lissabon entfernt. Nach dem Abitur zieht es ihn nach Frankreich. Zuerst nach Toulouse, dann weiter nach Paris. Dort beginnt der Portugiese an der renommierten École Centrale sein Ingenieur-Studium. Zugute kommt ihm, dass seine Mutter Französischlehrerin ist. Obwohl der junge Tavares keine Karriere als Rennfahrer macht, verliert er seine Leidenschaft für Autos nie aus den Augen.

PSA-Chef Carlos Tavares

PSA-Chef Carlos Tavares. | Bildquelle: picture alliance / DPPI Media

„Der Status quo ist keine Option“

1981 arbeitet er nach seinem Diplom als Testingenieur beim Autohersteller Renault. 32 Jahre später ist er Nummer zwei im Vorstand, gleich hinter Carlos Ghosn. Aber Tavares will mehr, will nicht mehr länger „der kleine Carlos“ sein.  In einem Interview mit einem US-amerikanischen Nachrichtensender verkündet er selbstsicher:

„Es gibt den Moment, da haben Sie Energie und Appetit, die Nummer eins zu werden.“

Die Konsequenzen folgen prompt: Ein Carlos ist einer zu viel. Tavares muss seinen Vize-Posten bei Renault aufgeben. Aber der drahtige Portugiese gibt sich nicht geschlagen. Er nutzt seine Chance beim französischen Autobauer PSA – und saniert in nur zwei Jahren den schwer angeschlagenen Konzern Peugeot. Gemessen an den Absatzzahlen gilt PSA mit den Marken Citroën, DS, Peugeot und der Übernahme von Opel inklusive Vauxhall mittlerweile als zweitgrößter Autobauer Europas – nach Volkswagen.

Nun soll er den Opel-Konzern weiter zum Aufstieg verhelfen. Die Zahlen sehen positiv aus, irgendetwas scheint der 60-Jährige also richtig zu machen. Selbst wenn der selbstbewusste Spitzenmanager es sich nicht nehmen lässt, seinem Hobby als Rennfahrer weiter nachzugehen – und zwar an maximal 22 Wochenenden im Jahr. So steht es jedenfalls in seinem Arbeitsvertrag mit PSA.

fh