Freude über frisch gezapftes Bier

Zu viel Home Office in den Banken Börsenhändler werden mit Freibier zurück ins Büro gelockt

Stand: 10.08.2020, 15:51 Uhr

Die Büros der Großbanken sind derzeit fast leer, vor allem in London und New York. Díe Meisten arbeiten von zuhause. In Bereichen wie dem Wertpapierhandel ist das ein Problem. Nun versuchen die Banken Händler mit Freibier und Gratis-Burgern zurückzuholen.

Seit Mitte März arbeiten Banker weltweit wegen der Corona-Pandemie vom Küchentisch aus. In London arbeiten ganz wenige Mitarbeiter wieder in Büros, in New York kein einziger. Auch die meisten der 88.000 Beschäftigten der Deutschen Bank arbeiten weiter im Homeoffice. Immerhin sind am Konzernsitz in Frankfurt schon wieder rund 800 der 2.500 Angestellten vor Ort.

Wissensaustausch mit neuen Mitarbeitern wichtig

In sensiblen Bereichen wie dem Wertpapierhandel weigern sich aber noch viele Banker, ins Büro zurückzukommen, die Handelssäle füllen sich nur langsam. Das missfällt den Managern der Geldinstitute. "Der Aufbau von Kontakten und Wissen ist speziell für neue Mitarbeiter wichtig, und das geht nur im Büro", sagt Ram Nayak, bei der Deutschen Bank verantwortlich für den Anleihe- und Währungshandel.

Nun erhöhen die Geldinstitute den Druck, schreibt die Nachrichtenagentur Reuters. In London sollen laut einem internen Memo im September weitere Deutsche-Bank-Händler zurück an ihre Schreibtische gehen. Auch bei der genossenschaftlichen DZ Bank sind es vor allem die Händler, die zurückkehren sollen. "Durch die Arbeit im Homeoffice leidet häufig der Informationsaustausch", erläuterte eine Sprecherin. "Gerade wenn man schnell reagieren muss, ist es hilfreich mitzukriegen, was um einen herum passiert. Die Händler sitzen nicht ohne Grund im Großraumbüro."

Gefahr von Fat-Finger-Trades wächst

Mehrere Insider verweisen auch darauf, dass die Compliance-Abteilungen zunehmend Sorge haben, den Überblick über die Abschlüsse der Händler zu verlieren. Managern falle es zudem schwer, das individuelle Arbeitspensum zu bewerten, das ein wichtiger Gradmesser für Bonuszahlungen ist. Die britische Aufsichtsbehörde FICC warnte vor versehentlich falsch gebuchten Wertpapierorders am heimischen Küchentisch, den so genannten "Fat Finger Trades", sowie den Gefahren durch häusliche Gewalt (!) und höheren Drogenkonsum (!).

Gratis-Burger und kostenlose Drinks

Um den Mitarbeitern die Arbeit im Büro wieder schmackhaft zu machen, lassen sich die Großbanken einiges einfallen. So bietet laut Reuters und der Zeitung "Die Presse" die US-Bank Goldman Sachs ihren Leuten angeblich kostenloses Essen in ihrem Londoner Büro an. Die Schweizer UBS versucht mit Friday-Night-Drinks den Zusammenhalt in den Händler-Teams zu stärken. Um die Pendlerei mit öffentlichen Verkehrsmitteln und die Ansteckungsgefahr zu reduzieren, gibt es bei vielen Banken Kooperationen mit Fahrrad- oder Rolleranbietern. Im Londoner Finanzviertel Canary Wharf entstehen mehr Parkplätze für Autos.

Doch viele Banker denken gar nicht daran, ins Büro zurückzugehen. Sie genießen es, zwischendurch einkaufen oder mit dem Hund Gassi gehen zu können, sagen Bank-Personalberater. Die Mehrzahl der Mitarbeiter ist zufrieden mit dem Home Office und glaubt sogar, produktiver vom Küchentisch aus arbeiten zu können.

Nicht zu sehr lockern wegen möglicher zweiten Welle

Die Geldinstitute in Deutschland sind zurückhaltender mit ihren Rückholplänen. Aus Furcht vor einer zweiten Welle will keine Bank zu schnell die Arbeitsbedingungen lockern. "Diese Krise ist noch lange nicht vorbei", warnte Deutsche-Börse-Chef Theodor Weimer kürzlich bei der Vorlage der Quartalszahlen. "Wir sind auf dem Weg zurück zur Normalität, aber die Rückkehr in die Büros bleibt freiwillig. Es wird nur schrittweise gehen."

Ein großes Problem sind auch die Aufzüge in den Banken-Türmen. Dort ist in den Stoßzeiten oft nur schwer der nötige Abstand einzuhalten. Würden die Aufzüge nur von einer Person benutzt, würden sich wiederum lange Warteschlangen bilden. Einige Banken arbeiten an neuen Aufzugskonzepten.

nb/rtr