Börsen-Foren

Wallstreet online-Logo

Finanzcommunities: Wallstreet-Online Die Börsengemeinde im Internet

Stand: 27.06.2016, 15:30 Uhr

Bereits seit rund 18 Jahren toben im Internet die Diskussionen über den richtigen Trade, die richtige Aktie und mehr auf der Plattform von Wallstreet-Online. Das Unternehmen hat selbst das Auf und Ab der Börse erfahren und eine Reihe von Eigentümer-Wechseln hinter sich.

Just im Juni 2016 wurde das bislang neueste Kapitel in der Eigentümer-Struktur von Wallstreet-Online "gepostet": Das Unternehmen gab vor wenigen Tagen bekannt, dass der japanische Portalbetreiber Minkabu alle Anteile des Gründers André Kolbinger, also rund 76 Prozent, übernommen hat. An der geschäftlichen Strategie soll sich nichts ändern, Wallstreet-Online bleibt die wichtigste Anlaufstelle für Börsenfans im deutschen Internet.

"Commerzbank - 40€"?

Rund vier Millionen Visits, 750.000 "Unique Visitors" und 30 Millionen Page Impressions verzeichnet das Portal derzeit monatlich. 5.000 bis 10.000 neue Beiträge werden in den weit verzweigten Foren geschrieben. Im Daytrader-"Thread" werden im Minutentakt Handelssignale Charts und Trades diskutiert. In den Branchenforen werden "grüne Aktien" genauso eifrig besprochen wie Gold- und Silber Minenwerte oder deutsche Small Caps. Die heißesten "Hot Stocks" sind derzeit der E-Autobauer Tesla (Titel: "Wann platzt die Tesla-Blase"), der Windkraft-Spezialist Nordex oder - man lese und staune - die Commerzbank-Aktie. Hier lautet der Titel des Diskussions-Fadens, der im Jahr 2006 gestartet wurde: "Commerzbank ---> Ziel 40 € !!!!!!"

Screenshot der Wallstreet-Online-Community-Website

Screenshot der Wallstreet-Online-Community-Website. | Bildquelle: Unternehmen

In der turbulenten Geschichte des Diskussionsforums gab es eine Vielzahl von dubiosen Aktien-Empfehlungen von noch dubiosen Börsen-Gurus. Das "Pushen" und "Bashen" von marktengen und hochgejubelten Nebenwerten gehörte bereits zu Zeiten des Neuen Marktes zutm Alltagsgeschäft auf den Seiten des Portals bei Wallstreet-Online. Nicht selten gab es auch juristische Scharmüzel, wenn der Verdacht aufkam, dass Jubel-Kommentare für die eine oder andere Aktie unmittelbar nach dem Kauf derselben gezielt gestreut wurden. Vielfach waren die Kurssprünge nur ein Strohfeuer, die hochgejubelten Kurse fielen oft bald wieder in sich zusammen.

30.000 Mark Startkapital

André Kolbinger

André Kolbinger. | Bildquelle: Unternehmen

Der Gründer und langjährige Großaktionär André Kolbinger hatte Wallstreet-Online 1998 als ehemaliger Jungbanker gegründet, weil er nicht einsah, dass Kurse und Informationen über Aktien und Unternehmen für Anleger kaum zu bekommen waren. Mit 30.000 Mark Startkapital und einem Team aus drei börsenbegeisterten Jungunternehmern startete Kolbinger in einem 25qm-Büro in Düsseldorf. Der Firmensitz wurde bald darauf nach Berlin verlegt.

Neben den Werbeeinnahmen, die während der Neuer-Markt-Blase heftig, danach aber deutlich weniger sprudelten, verdiente und verdient Wallstreet-Online auch mit der Vermarktung von Inhalten, etwa Börsen-Kommentaren und auch der Lizenzierung des gesamten Forums an andere Finanz-Portale Geld.

Screenshot der Wallstreet-Online-Website

Screenshot der Wallstreet-Online-Website. | Bildquelle: Unternehmen

Kooperationen bestehen auch mit der Direktbank Comdirect und der Fondsplattform Ebase, deren Angebote Wallstreet-Online auf seiner Seite vermarktet.

Zwei Mal Kolbinger und zurück

Gründer Kolbinger holte bereits im Jahr 2000 mehrere Finanzinvestoren an Bord. Diese zahlte er drei Jahre später schon wieder aus. Im Jahr 2006 ging Wallstreet-Online in den Freiverkehr der Deutschen Börse. 2007 griff die Axel Springer Finanzen Verlag GmbH zu und übernahm die Mehrheit der Anteile, die Aktie wechselte im gleichen Jahr in den Entry Standard. Doch im Mai 2010 kaufte Kolbinger 75 Prozent der Aktien erneut zurück.

Geschäftlich ging es in den vergangenen Jahren kontinuierlich, wenn auch nicht stürmisch, bergauf. Im vergangenen Jahr wurden Erlöse von 2,5 Millionen Euro erreicht, nach 2,3 Millionen im Jahr zuvor. Nach Steuern stand ein Mini-Gewinn von 77.000 Euro in der Bilanz. Im laufenden Jahr peilt Wallstreet-Online Umsätze von 2,9 Millionen Euro und einen "weiteren Gewinnanstieg" an. Die Aktie bewegt sich seit Jahren zwischen 1,50 und 2,00 Euro.

Im Juni 2016 verkaufte André Kolbinger seine Anteile nun an den japanischen Investor Minkabu. Der hatte bereits 2013 die Empfehlungs-Plattform "Sharewise" geschluckt und über die deutsche Tochter nun den Wallstreet-Online-Deal eingefädelt.

Die Börsengemeinde wird auch dieser Schwenk in der Eigentümer-Struktur einstweilen nicht betreffen. Auf "w:o" wird munter weiter gepostet, das Herz des Unternehmens, die Community, schlägt weiter.

AB