Börsenlegenden

Bill Gates

Begründer der Software-Industrie und Wohltäter Bill Gates wird 60

Stand: 28.10.2015, 14:45 Uhr

In jedem Haushalt ein Computer, bestückt mit dem Betriebssystem Windows von Microsoft. Die Vision von Bill Gates ist längst Wirklichkeit geworden und hat ihn zu einem der reichsten Männer der Welt gemacht. Heute wird er 60 Jahre alt.

Er gilt als Mann der leisen Töne, der öffentliche Auftritte eher scheut. Auch heute hält sich Bill Gates gern im Hintergrund auf, sollte er einmal gemeinsam mit seiner Frau Melinda im Rampenlicht stehen. Mit seiner großen Brille, dem Topfhaarschnitt und seinem schlaksigen Auftreten sieht Gates noch immer aus wie der typische Computernerd. Nur das jungenhafte Aussehen ist verblichen.

Mit seiner Firmengründung ebnete Gates in den 70er Jahren maßgeblich den Weg in das Computer-Zeitalter. Zusammen mit seinem Freund Paul Allen entdeckte er das Potenzial der Software, begründete nicht nur den Aufstieg von Microsoft, sondern erfand letztlich die Software-Branche.

Bilderbuchkarriere trotz Studienabbruchs

Geboren wird Gates 1955 in der Nähe von Seattle als Sprössling einer noblen Banker- und Anwaltsfamilie. Die Eltern schicken den begabten Jungen auf eine Privatschule, wo er Zugriff auf einen Großrechner hat und seine ersten Programme schreibt. Dann fängt er ein Studium an der Elite-Uni Harvard an, bricht es aber nach zwei Jahren ab, um seine eigene Firma zu gründen: Microsoft. Wir schreiben das Jahr 1975.

Seine Bilderbuchkarriere begann Gates mit einem Großauftrag von IBM. Er sollte für deren PC ein Betriebssystem liefern. Gates nahm den Auftrag an und kaufte für rund 50.000 Dollar die Rechte an dem System QDOS (Quick and Dirty OS), entwickelte es weiter und benannte es in MS-DOS (Microsoft Disc Operating System) um. Damit begann das PC-Zeitalter. Zum Weltkonzern stieg Microsoft dann mit dem Betriebssystem Windows auf. In dieser Zeit als aktiver Firmenchef galt Gates als menschlich schwierig und extrem machtbewusst.

Ein PC auf jedem Schreibtisch

Allerdings ruft sein Erfolg immer wieder Neider auf den Plan. Mit Windows und dem Internet Explorer ist Microsoft zeitweise so dominant, dass die amerikanische Regierung und später die EU Kartellverfahren gegen die Firma einleiten und Gates eine Zerschlagung nur mit Mühe verhindern kann.

Seine große Vision hat er aber in den entwickelten Staaten verwirklichen können: Ein PC steht heute in nahezu jedem Haushalt. Der Siegeszug der Computer macht Gates mit Anfang 30 zum Milliardär. Auf dem Höhepunkt seines Erfolgs, Anfang 2000, tritt er dann den Rückzug an. Zunächst gab er die Position als Chief Executive Officer an seinen langjährigen Freund Steve Ballmer ab. Offiziell verabschiedete er sich im September 2007, im Juni 2008 zog sich der damals 53-Jährige dann fast ganz aus dem Software-Konzern zurück. Seither nimmt er nur noch als Aufsichtsratsvorsitzender Einfluss.

Riesige Spendenbereitschaft

Um Computer oder deren Betriebssysteme dreht sich das Leben von Bill Gates schon lange nicht mehr. Vielmehr widmet er seit sieben Jahren seine Arbeit fast ausschließlich wohltätigen Zwecken. Gates zählt zu den Menschen mit der größten Spendenbereitschaft der Welt. 1,3 Milliarden Dollar gab Gates laut "Forbes" gemeinsam mit seiner Frau Melinda im Jahr 2014 für gemeinnützige Zwecke ab und wird damit auf dem zweiten Platz gelistet. Überboten wird er nur noch von dem Großinvestor Warren Buffett, der auf eine Spendenbereitschaft in Höhe von 2,8 Milliarden Dollar kam. Gates Vermögen wird erzeit auf 79,2 Milliarden Dollar geschätzt.

Bill Gates und Warren Buffett bei der Hauptversammlung von Berkshire Hathaway 2015

Bill Gates und Warren Buffett. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Sowohl Bill Gates als auch seine Frau Melinda French Gates seien in Familien aufgewachsen, in denen die Werte der Freiwilligenarbeit und des persönlichen Engagements vermittelt wurden, heißt es auf den Websites der Stiftung. "Wenn das Leben gut zu einem ist, sollte man dieses Geschenk so gut und weise nutzen, wie man nur kann", heißt es dort. Zu den ersten Stiftungsprojekten der beiden gehörte in den 90er Jahren die Ausstattung von öffentlichen Bibliotheken in den USA mit Internet-Zugängen über die Gates Library Foundation.

Kritik an der Stiftungspolitik

Microsoft: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum 5 Jahre
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Gates habe über seine Firma Microsoft gelernt, wie wichtig ein PC-Zugang für die Bildung sei, heißt es. Schon bald darauf sollte sich das Engagement des Paares auf andere Bereiche weltweit erweitern, etwa die Bekämpfung von Krankheiten wie Malaria, Aids oder Kinderlähmung sowie der Kampf gegen den Klimawandel. 2010 stellten Bill und Melinda Gates allein für die Erforschung und Verteilung von Impfstoffen zehn Milliarden Dollar zur Verfügung. Doch es gibt auch Kritik an der Stiftungspolitik. So prangerte zuletzt im März der "Guardian" an, dass dem Engagement gegen den Klimawandel die Arbeit der Vermögensverwaltung konträr entgegenstehe.

Demnach soll eine Datenanalyse im Steuerjahr 2013 ergeben haben, dass die Stiftung 1,4 Milliarden Dollar in Firmen investierte, die Öl, Gas oder Kohle fördern und für einige große Umweltkatastrophen verantwortlich seien, wie etwa die britische BP oder der US-Konzern Exxon. Die Stiftung soll über ein Vermögen von fast 30 Milliarden Dollar verfügen.

Trotz allen Reichtums können die drei Kinder der Gates nicht auf ein Milliardenerbe hoffen. Der Großteil des Vermögens soll der Gesellschaft zugutekommen.

lg/dpa-afx/rtr