Lachender Amazon-Chef Jeff Bezos

Jeff Bezos Der Himmel ist nicht genug

Stand: 28.07.2017, 16:26 Uhr

Er ist eines der Glückskinder der New Economy: Jeff Bezos. Der Amazon-Gründer startete 1994 mit einem kleinen Versandhändler. Heute leitet er das größte Online-Kaufhaus der Welt. Und auch sonst will Bezos hoch hinaus: ins All. Ein Mann, der abhebt.

Für ein paar Stunden war Jeff Bezos am letzten Donnerstag im Juli der König. Dank des rasanten Kursanstiegs der Amazon-Aktie kletterte der 53-Jährige an die Spitze der "Forbes"-Liste der Superreichen. Dann aber konnte Microsoft-Gründer Bill Gates wieder an ihm vorbeiziehen. Doch es dürfte wohl nur eine Frage der Zeit sein, bis der kahlköpfige Amerikaner zum reichsten Mann der Welt aufsteigt. Aktuell liegt sein Vermögen laut Forbes-Liste bei rund 89 Milliarden Dollar. Microsoft-Gründer Bill Gates kommt auf 90 Milliarden.

Vom kleinen Online-Buchhändler zum Weltkonzern

Gates sieht den Amazon-Chef auf einer Stufe mit dem Buchdruckerfinder Johannes Gutenberg. Bezos fing als kleiner Online-Buchhändler vor 23 Jahren an. 1995 wurde das erste Buch über amazon.com verkauft. Damals klingelte es im Büro bei jeder Bestellung. Schon bald aber klingelte es so oft, dass das Ding abgeschaltet werden musste, erinnert sich Bezos. Mittlerweile hat sich Amazon vom kleinen Online-Buchhändler zu einem Universal-Laden entwickelt, in dem es fast alles zu kaufen gibt - außer Benzin und Hundewelpen. Amazon ist nicht nur der größte Marktplatz der Welt, sondern auch eine Technikmacht. Der Konzern könnte das erste "One Billion Dollar"-Unternehmen der Welt werden. Die aktuelle Marktkapitalisierung beträgt rund 480 Milliarden Dollar.

Der betont lässige Bezos, der meist mit offenem Hemd auftritt, ist längst mehr als ein Internet-Händler. Er mischt als Filmproduzent in Hollywood mit, betreibt den größten Cloud-Speicher der Welt, baut Drohnen, Tablets und digitale Assisten wie "Alexa" und schießt Raketen ins Weltall. Der "Star Trek"-Fan, der im letzten Film "Star Trek Beyond" einen Außerirdischen spielen durfte, hat aus seinem Hobby ein zweites Unternehmen gemacht: Blue Origin. Bezos wil Reisen ins Weltall organisieren und baut sogar eigene Raumschiffe. "Unsere Vision ist es, dass Millionen von Menschen im All leben und arbeiten", träumt Bezos.

Amazon-Gründer Jeff Bezos

Amazon-Gründer Jeff Bezos. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Ausflug ins All

Ein wichtiger Meilenstein ist seinem Raumfahrt-Unternehmen gelungen: Die ins All geschickte Rakete "New Shepard" wurde nach dem gelungenen Start nicht zu Schrott geflogen. Sie verglühte auch nicht in der Atmosphäre oder stürzte ins Meer ab, sondern landete wieder sicher und in vollständigem Zustand auf dem Boden von Mutter Erde. Bezos setzt bei seinen Weltraumprojekten auf wiederverwendbare Raketenstufen.

"Am gefährlichsten ist es", sagte Jeff Bezos einmal, "sich nicht von den anderen zu unterscheiden". Ganz so allein steht er mit der Raumfahrt-Faszination nicht da. Auch Tesla-Chef Elon Musk und Virgin-Gründer Richard Branson mischen im Weltraumgeschäft mit.

Eine Uhr für die Ewigkeit

Damit nicht genug der exzentrischen Hobbys. Bezos baut in einem Berg in Texas das am längsten laufende Uhrwerk. Es soll 10.000 Jahre lang laufen. Unter anderem 42 Millionen Dollar spendete er für das gigantische Projekt.

Nebenbei rettete der Multimilliardär noch eine bekannte Zeitung. Er kaufte vor vier Jahren die "Washington Post". Dafür legte er 250 Millionen Dollar auf den Tisch. Ungewöhnlich für den Internet-Pionier, der einst sagte, in 20 Jahren wird es keine gedruckten Zeitungen mehr geben. Er selbst liest nach eigener Aussage schon längst keine Print-Ausgaben mehr.

Schon früh ein Technikfreak

Schon als Teenager war Bezos, dessen Name von seinem kubanischen Stiefvater stammt, ein Technikfreak. Um seinen kleinen Bruder vom Betreten seines Zimmers ernzuhalten, bastelte er eine Alarmanlage. Bezos studierte in Princeton und schloss den Bachelor in Elektrotechnik und Informatik mit Auszeichnung ab.

Um sich ein bisschen Taschengeld zu verdienen, gründete er mit seiner High-School-Freundin Ursula ("Uschi") das "Dream Institute" für Kinder. Für eine Gebühr von 600 Dollar konnten sie dort einiges über wissenschaftlich vernachlässigte Themen wie schwarze Löcher lernen. Visionen hatte der junge Jeff schon früh...

Vom Top-Investmentbanker zum Startup-Gründer

Nach einem ersten Job in der Startup-Szene arbeitete er sich als Investmentbanker an der Wall Street in eine Führungsposition hoch, kündigte dann aber die Stelle, um sein eigenes Startup (Amazon) zu gründen. Damals las er einen Artikel, der dem Internet 2.300 Prozent Wachstum pro Jahr voraussagte. "Werde ich es bereuen, die Wall Street verlassen zu haben, wenn ich 80 bin?", fragte er sich. "Nein. Werde ich es aber bereuen, nicht dabei gewesen zu sein, als das Internet losging? Ja." Er hat es nicht bereut.

bs/nb

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Das Amazon-Imperium Mehr als ein Buchhändler

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