Top-Frauen der Finanzwelt

Beth Mooney, CEO von KeyCorp

Von der Sekretärin zur Bankchefin Beth Mooney, Amerikas mächtigste Bankerin

von Bettina Seidl

Stand: 06.10.2015, 16:27 Uhr

Man mag es kaum glauben: Sie sitzt nicht etwa im Herzen der Finanzszene, an der Wall Street. Nein; ihr Arbeitsplatz ist Cleveland, Ohio. Trotzdem ist Mooney die mächtigste Bankerin Amerikas. Bekannt als der "Samthammer".

Ihr Start ins Berufsleben lässt nicht unbedingt auf ihre spätere Bank-Karriere schließen. Beth Mooney begann nach der Uni als Sekretärin. Es war Mitte der 70er Jahre mitten in der Rezession, erinnert sie sich. Die 1955 geborene Beth hatte 1977 gerade ihr Geschichtsstudium abgeschlossen, summa cum laude, und war auf der Suche nach einem entsprechenden Job. "Ich hatte aber keine besonderen Fähigkeiten, die gut ankamen", erzählt Mooney. "Als ich also gefragt wurde, ob ich tippen könnte, dachte ich: Das führt mich immerhin zu einem Job – und sagte ja."

Ein Derwisch erobert Dallas

Sie verdiente als Sekretärin im Immobilienbereich der First City National Bank of Houston gerade einmal 10.000 Dollar im Jahr. Bald realisierte sie, dass sie größere Ambitionen hatte. "Ich war nicht sehr gut in dem Job", sagte sie, "ich bin ein bisschen wie ein wirbelnder Derwisch". Da passt es ins Bild, dass sie die Universität von Texas hauptsächlich wegen des berühmten Football-Teams ausgewählt hatte.

Beth Alaine Streeter war als jüngste von drei Geschwistern geboren. Aufgewachsen in Midland, Michigan, der Heimat von Dow Chemical, wo ihr Vater als Chemiker beschäftigt war.

Als sie von dem Sekretärinnenjob die Nase voll hatte, machte sie sich 1979 auf, "downtown Dallas im Sturm zu erobern. Ich klopfte an die Tür jeder großen Bank und bewarb mich darum, in ihr Management Trainee Programm aufgenommen zu werden". Die meisten lehnten ab. Allerdings lud die Republic Bank sie ein zum Gespräch mit dem Manager des Trainee-Programms.

Drei Stunden Überzeugungsarbeit

Dort blieb sie hartnäckig sitzen. "Er sah nicht wirklich etwas Passendes für mich", sagte Mooney. "Ich habe aber immer wieder freundlich und grundsätzlich abgelehnt, zu gehen, bis er mir einen Job anbieten würde." Drei Stunden später willigte er ein. Sie musste ihm versprechen, parallel zum Job ihren MBA zu machen. Vier Jahre später hatte sie ihren Abschluss an der Southern Methodist University in der Tasche.

Keith Smith, der das Trainee-Programm leitete, gab ihr die Chance, weil er niemals jemanden getroffen hatte, der etwas so unbedingt wünschte, erinnert sich Beth an ihr Bewerbungsgespräch. "Ich werde nächtelang nicht schlafen, wenn ich Ihnen diese Chance verweigere", sagte er. "Ich gebe Ihnen die Chance, Erfolg zu haben oder zu scheitern – und es ist mir nicht klar, welches von beidem es sein wird."

Sie hatte Erfolg. Sogar großen Erfolg. Im Mai 2011 wurde sie Chefin von KeyCorp. Das war eine kleine Revolution. Mooney bedauert heute, dass sie Smith nicht aufgespürt hat, bevor er starb. Er hat ihr Leben radikal verändert.