Happy Birthday, Ben!

Ben Bernanke

Fed-Chef wird 60 Bernanke: Der Unorthodoxe

Stand: 13.12.2013, 23:28 Uhr

Am Freitag feierte Benjamin "Ben" Shalom Bernanke seinen 60. Geburtstag. Zeit für eine große Feier dürfte der Chef der amerikanischen Notenbank allerdings kaum gehabt haben.

Denn nur vier Tage später, am kommenden Dienstag, trifft sich der Offenmarktausschuss der Fed zu seiner vielleicht entscheidenden Sitzung, um über die Zukunft der Geldpolitik zu beraten. Dabei dürfte es darum gehen, wann die Notenbank mit der Drosselung ihrer monatlichen Anleihekäufe beginnt. Eine Frage, die bereits seit Wochen die Aktienmärkten auf der ganzen Welt in Bewegung hält.

Verkünden und erläutern wird die Entscheidung Ben Bernanke mit der ihm eigenen ruhigen, fast ausdruckslosen Stimme. Temperamentvolle Gesten oder gebieterisches Gehabe sind seine Sache nicht. Vielmehr gilt der nun 60-jährige einstige Uni-Professor als bedächtig und zurückhaltend.

Mächtigster Mann der Finanzwelt

Ben Bernanke Fed Federa lReserve Collage Heiligenschein 1408. | Quelle: picture-alliance/dpa, Montage: boerse.ARD.de

Glaubt man dem "Time Magazine", ist Bernanke auf den Partys der Reichen und Schönen der amerikanischen Hauptstadt nur sehr selten zu treffen. Vielmehr verbringe er seine seltenen freien Abende lieber daheim mit seiner Ehefrau Anna, mitunter finde er auch Entspannung beim Lösen von Kreuzworträtseln.

Dabei ist Bernanke längst der mächtigste Mann der gesamten westlichen Finanzwelt. Als er am 22. Mai dieses Jahres erstmals andeutete, dass die Zentralbank ihr monatliches Anleihekaufprogramm zurückfahren könnte (Tapering), hatte dies Auswirkungen auf die Aktien- und Anleihemärkte rund um den Globus.

Was ist eigentlich Tapering?

Amerikanische Dollarscheine

"Tapering" - das ist das neue Codewort der Finanzmärkte. Es steht für den neuen Kurs der amerikanischen Notenbank Fed und heißt so viel wie "drosseln". Gemeint ist das Drosseln der Anleihekäufe. Es wird also weniger Geld in die Wirtschaft gepumpt.

Brillanter Student

Bernanke wurde als Sohn eines Apothekers und einer Lehrerin in Augusta in South Carolina geboren. Er studierte an der Harvard Universität und dem ebenfalls berühmten MIT (Massachusetts Institute of Technologie) an der US-Ostküste, wo er mit Prädikatsexamen und Promotion abschloss.

Federal Reserve-Gebäude in Washington D. C.

FED Federal Reserve. | Quelle: picture-alliance/dpa

Nachdem er von 1979 bis 1985 an der Stanford University lehrte, erhielt er schließlich einen Ruf an die Princeton University. Dort forschte und lehrte er 17 Jahre lang. Einen Namen machte er sich mit seinen Arbeiten zur Großen Depression in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts.

Dass er 2002 zur Fed berufen wurde, galt in Fachkreisen als eine Überraschung. Denn Bernanke wurde als unorthodoxer Typ mit ausgeprägtem Eigenwillen beschrieben. Noch als Chef der Wirtschaftsfakultät der Princeton University soll er im Schlabberlook erschienen sein.

Unorthodoxes Auftreten

Doch das übersichtliche Akademikerleben in New Jersey endete mit dem Aufstieg Bernankes in den Gouverneursrat der Zentralbank im Jahr 2005. Wenige Monate später machte ihn der republikanische Präsident George W. Bush zum Chef seines Beraterstabes für Wirtschaftsfragen. Offenbar ein Test, um ihn näher kennen zu lernen.

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Unorthodox ist Bernanke auch während seiner Amtszeit an der Spitze der Fed geblieben. Nach der Finanzkrise senkte er vor fünf Jahren den Leitzins auf null und begann später damit für monatlich 85 Milliarden Dollar Anleihen zu kaufen, um die Märkte mit Liquidität zu fluten. Inzwischen beläuft sich die dafür ausgegebene Summe auf gigantische 3,5 Billionen Dollar. Kritiker fragen sich, ob Bernanke dadurch mithilft, neue Finanzblasen aufzupumpen.

Zukunft ungewiss

Janet Yellen designierte Präsidentin FED Federal Reserve

Janet Yellen, Federal Reserve. | Bildquelle: picture-alliance/dpa

Ob und wie sehr Bernanke damit dazu beigetragen hat, die US-Konjunktur wieder auf Trab zu bringen, bleibt jedoch abzuwarten. Am ersten Februar nächsten Jahres überlässt Bernanke sein Amt der 67-jährigen Janet Yellen. Die designierte Fed-Chefin sprach sich wiederholt für eine Fortsetzung der ultralockeren US-Geldpolitik aus.

Wie er sich seine Zeit nach dem Abschied vom Fed-Vorsitz vorstellt, bleibt völlig offen. Geht er wieder an eine Uni, sucht er sich einen lukrativen Posten im Bankensektor, berät der Republikaner künftig Politiker? Wir werden sehen.

lg