Jack Ma, CEO Alibaba

Alibaba-Gründer und Kultfigur Bei Jack Ma lief's nicht immer rund

Stand: 10.09.2017, 08:15 Uhr

Von Harvard zehn Mal abgelehnt, machte er doch Karriere. Jack Ma ist einer der schillerndsten Unternehmer Chinas, genießt in seinem Heimatland Kultstatus und glaubt an den technischen Fortschritt.

Seinen Mitarbeitern predigte Jack Ma einst Selbstbewusstsein: "Wir haben genauso viel im Kopf wie die." Mit "die" sind die amerikanischen Konkurrenten Ebay und Amazon gemeint, und all die anderen Internetfirmen aus dem Silicon Valley. Der heute 54-Jährige meinte es ernst: "Ebay mag ein Hai im Ozean sein, aber ich bin das Krokodil im Jangtse-Strom. Wenn wir im Ozean zum Kampf antreten, werden wir verlieren - aber wenn wir im Fluss kämpfen, werden wir gewinnen."

Ebay war der erste Streich

In China hat Ma bereits gewonnen. 2003 hatte er zunächst das Geschäftsmodell von Ebay kopiert, es dem chinesischen Markt angepasst und dann zum Angriff geblasen. 2007 gab der US-Konzern in China auf, der Marktanteil im Online-Handel war auf unter acht Prozent gesunken. Mas Handelsplattform Taobao, die wichtigste Tochter seines Alibaba-Konzerns, hatte schon damals ihren Marktanteil auf 84 Prozent ausgebaut. Durch Transaktionsvolumen in Milliardenhöhe gilt sie heute als beliebteste chinesische Plattform für Onlinehandel.

Holpriger Start

Dabei sah es zunächst nicht nach einer Weltkarriere aus. Ma ist weder in Mathematik noch in technischen Disziplinen ein Überflieger. Ganz im Gegenteil. Sein Lebensweg war eher holprig. Zweimal fiel Ma bei der Aufnahmeprüfung durch, bevor er 1988 an der Pädagogischen Universität angenommen wurde, wie chinesische Medien berichten. An der Universität Harvard ist er zehnmal abgelehnt worden. Er tat sich schwer, einen Job zu finden, kam Mitte der 90er Jahre zum ersten Mal in die USA und begriff schnell die Bedeutung des Internets. Er jobbte als Englischlehrer und Dolmetscher.

An der chinesischen Mauer

Der Zufall wollte es und Ma hatte 1998 als Reiseführer einem amerikanischen Touristen die chinesische Mauer gezeigt. Es war Jerry Yang, der Mitbegründer von Yahoo. Sieben Jahre später wurde Yahoo neben Softbank zu einem der zwei Hauptanteilseigner bei Alibaba. Der Konzern stieg 2005 für eine Milliarde US-Dollar ein und konnte sich Jahre später auf einen warmen Geldregen freuen. So konnte Yahoo beim Börsengang von Alibaba über acht Milliarden Dollar einstreichen.

Größter Börsengang der Welt

Es herrschte Feierstimmung beim größten Börsengang der Geschichte. Der Zeichnungspreis lag bei 68 Dollar, am Ende des ersten Handelstages schloss die Alibaba-Aktie dann bei 93,89 Dollar. Investoren, die die Aktie zugeteilt bekommen hatten, konnten sich am ersten Tag so über einen Zuwachs von über 38 Prozent freuen. Anders als üblich griff der Alibaba-Chef aber nicht selbst zur Eröffnungsglocke. Acht Alibaba-Kunden durften den Handel an der Wall Street einläuten. Der Börsengang brachte dem Unternehmen 25 Milliarden Dollar ein und überstieg damit die eingesammelten Erlöse von VISA und Facebook.

Ein Mann mit Kultstatus

Inzwischen muss Ma nicht mehr dolmetschen oder amerikanische Touristen führen. Er steht ganz oben. Die "Financial Times" kürte ihn einmal zur "Person des Jahres", und "Forbes" setzte ihn als ersten Festlandchinesen auf die Titelseite. Auf der "Forbes"-Milliardärsliste rangiert Ma aktuell auf Platz 21. Geschätztes Vermögen: 36,6 Milliarden Dollar. Seine Auftritte sind legendär. Zur Hauptversammlung seines Alibaba-Konzerns in einem Stadion der Provinzhauptstadt Hangzhou erschien er schon einmal "ganz in Leder und mit einem gigantischen, gezackten Irokesenschnitt, schwarzem Lippenstift und Nasenring", so die "Financial Times". Ein Mann, der Kultstatus genießt.

Bauchgefühl statt Zahlen

Jack Ma gilt als Manager, der seinem Baugefühl mehr vertraut als nackten Zahlen. Das mag erklären, warum er im Gegensatz zu den Amerikanern die Bedeutung der Sozialen Netzwerke anders eingeschätzt hat. Der Chatdienst Laiwang, den Alibaba im Dezember 2012 einführte, hatte es nicht geschafft, den Konkurrenten WeChat einzuholen. Doch seinen Mitarbeitern bereitete dies kein Kopfzerbrechen. Ma gilt als wandlungsfähig. Er setzt ganz auf die Zukunft und glaubt an den technischen Fortschritt. In den nächsten 30 Jahren wird es den Menschen durch künstliche Intelligenz möglich sein am Tag vier Stunden zu arbeiten und das an vier Tagen die Woche. Künstliche Intelligenz wird menschliches Wissen übertreffen und zu vielen Arbeitsplatzverlusten führen, so Ma.

Jack Ma, CEO Alibaba, beim Börsengang in Hong Kong 2007

Jack Ma, CEO Alibaba, beim Börsengang 2007. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Das Leben genießen

Wandlungsfähig - das gilt auch in Bezug auf seine Zukunft, wie wir gerade jetzt wieder sehen. An Alibaba ist er nach dem Börsengang nur noch indirekt beteiligt. Die Verantwortung für das Tagesgeschäft hatte er bereits 2013 abgeben und sich viel mit karitativen und kulturellen Aufgaben befasst. Dieses Engagement will er intensiv fortführen. "Jetzt ist die Zeit, um das Leben zu genießen", zitierte ihn "China Daily", als er im Frühjahr 2013 von diesem Posten zurücktrat. Seitdem verantwortet Daniel Zhang als CEO die täglichen Geschäfte. Zhang soll auch sein Nachfolger werden.

Um einen "reibungslosen und erfolgreichen" Übergang zu gewährleisten, werde Ma bis September 2019 Vorstandsvorsitzender bleiben, schrieb der 54-Jährige in einem Brief. "Lehrer wollen immer, dass ihre Schüler sie übertreffen. Das Verantwortungsvollste für mich und das Unternehmen ist es, dass jüngere, talentiertere Leute die Führung übernehmen."

Auf den Börsengang hätte der Alibaba-Gründer im Nachhinein übrigens lieber verzichtet. Denn die Börse habe nicht nur Vorteile, sondern auch viele Schattenseiten. So müssten die anspruchsvollen Aktionäre ständig zufriedengestellt werden. Hinzu kämen Reibereien im Verwaltungsrat. Manche Mitglieder verhielten sich wie Anwälte, moniert er. Mas Lektion: "Das Leben ist hart, wenn man einen Börsengang macht."

kp