Schattenrisse von Männern und Frauen auf einem Podium

DSW-Aufsichtsratsstudie 2019 Die Mächtigen in den Hinterzimmern

von Marc Stephan

Stand: 08.10.2019, 12:00 Uhr

Einfach Abnicken ist nicht mehr: Wie auch die jüngste Studie der DSW zeigt, haben sich deutsche Aufsichtsräte in den vergangenen Jahren deutlich professionalisiert. Auch in ihrer Zusammensetzung hat sich einiges getan.

In der Regel treffen sie zwar keine Entscheidungen, die das direkte Geschäft betreffen, aber sie hinterfragen die des Vorstands. Zudem stellen sie die Vorstände ein und entlassen sie wieder, falls erforderlich: Aufsichtsräte.

Seit 17 Jahren untersucht die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) die Aufsichtsräte der Dax-Gesellschaften. Neben Einfluss und Vergütung der Aufsichtsräte analysieren die Aktionärsschützer auch Parameter wie den Frauenanteil in den Aufsichtsgremien.

Aufsichtsräte haben mehr Macht

Stempel mit Aufdruck Aufsichtsrat

Aufsichtsrat. | Quelle: colourbox

In den vergangenen Jahren wurde Aufsichtsräten mehr Verantwortung zugesprochen. Das heißt, sie sind zunehmend dafür verantwortlich, wenn Vorstandschefs keine gute Performance zeigen. Dadurch hat sich beispielsweise die Amtszeit von Vorständen deutlich verkürzt. In den vergangenen zehn Jahren habe sich die durchschnittliche Verweildauer von Vorständen beinahe halbiert. Ein aktuelles Beispiel: Guido Kerkhoff, ehemaliger Vorstand von Thyssenkrupp, musste das Ruder bereits nach 14 Monaten im Amt wieder aus der Hand geben.

Das sind die Mächtigsten

Wie auch schon im Vorjahr ist Karl-Ludwig Kley der mächtigste Aufsichtsrat Deutschlands. Er sitzt in den Kontrollgremien von BMW, der Deutschen Lufthansa und Eon. Auf Platz zwei landete Peter Achleitner, der bei Bayer, Daimler und der Deutschen Bank tätig ist. Nikolaus von Bomhard rutschte von Platz 20 auf Rang drei vor. Er sitzt in den Gremien der Deutschen Post AG und der Münchener Rück AG.

Diese drei Top-Manager sitzen in den Kontrollgremien von acht Dax-Konzernen. In fünf davon stellen sie den Vorsitz. Insgesamt leiten sie 13 der entscheidenden Ausschüsse wie Präsidial-, Vergütungs- oder Nominierungsausschuss.

Den größten Sprung macht eine Frau

Martina Merz

Martina Merz. | Bildquelle: picture alliance / Sven Simon

Die ehemalige Bosch-Managerin Martina Merz wurde 2019 zur Aufsichtsratsvorsitzenden von Thyssenkrupp gewählt. Dies katapultierte sie im Ranking der DSW von Rang 142 auf Rang elf. Damit liegt sie nur knapp hinter Ann-Kristin Achleitner, die sich seit Jahren als einzige Frau unter den mächtigsten Aufsichtsräten hält. Sie belegte in den Vorjahren Rang neun und elf.

Unter den Top 50 Aufsichtsräten befinden sich insgesamt sieben Frauen. Im Vorjahr waren es sechs Frauen.

Frauenanteil wächst kontinuierlich

Seit 2006 untersuchen die Macher der Studie auch den Frauenanteil der im Dax gelisteten Unternehmen. Zu Beginn der Untersuchung lag der Frauenanteil in den Kontrollgremien zusammen bei 11,7 Prozent. Bis 2019 ist er auf 35,7 Prozent gestiegen. Somit erfüllen alle Dax-Unternehmen die gesetzlich vorgeschriebene Frauenquote. Der Dax-Neuling Wirecard gehört zu den AGs mit dem höchsten Frauenanteil. Drei der sechs Aufsichtsratsmitglieder sind Frauen. Auch bei SAP ist die Hälfte des 18-köpfigen Gremiums mit Frauen besetzt.

Entwicklung der Frauenquote im Dax 30

Entwicklung der Frauenquote im Dax 30. | Bildquelle: DSW, Grafik: boerse.ARD.de

Dennoch sei "die Machtverteilung in der Regel noch deutlich zu Gunsten der männlichen Aufsichtsratsmitglieder ausgeprägt". Gut 74 Prozent der Sitze in wesentlichen Ausschüssen der Dax 30-Unternehmen sei von Männern besetzt, lediglich 26 Prozent von Frauen.

Deutsche Bank ist Höchstzahler

Hörfunk-Moderatorin Ulla Herrmann
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ARD-Börse: Wie gut sind Deutschlands Aufsichtsräte?

Insgesamt knapp 5,8 Millionen Euro zahlte die Deutsche Bank ihrem 20-köpfigen Aufsichtsrat für das Geschäftsjahr 2018. Dies entspricht einem Plus von zwölf Prozent gegenüber dem Vorjahr. Grund dafür ist laut DSW-Vergütungsexperte Frederik Beckendorff vor allem die Einrichtung von zwei zusätzlichen Ausschüssen. BMW und Siemens belegten Rang zwei und drei unter den größten Zahlern im Dax 30.

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Das sind die mächtigsten Aufsichtsräte Deutschlands Neun Männer und eine Frau

Karl-Ludwig Kley, Merck

Karl-Ludwig Kley
Wie schon im letzten Jahr ist der ehemalige Vorstandschef der Merck KGaA, Karl-Ludwig Kley, der mächtigste Aufsichtsrat Deutschlands. Bereits im Vorjahr war Kley, der den Kontrollgremien von Deutsche Lufthansa und Eon vorsitzt und dem Präsidium von BMW angehört, ganz vorne. Damals musste er sich den ersten Platz allerdings noch mit Michael Diekmann teilen. In diesem Jahr thront Kley mit 45 Punkten konkurrenzlos an der ersten Stelle. Unter den zehn Top-Verdienern taucht er allerdings nicht auf.