Stempel mit Aufdruck Aufsichtsrat

Neue Studie Aufsichtsräte: Mehr Frauen, weniger Ausländer

Stand: 25.06.2018, 08:19 Uhr

Die Frauenquote in den Aufsichtsräten der 30 börsennotierten deutschen Konzerne steigt langsam, aber sie steigt. Dagegen ist die Zahl der Ausländer gesunken.

Der Frauenanteil in den Aufsichtsräten der größten deutschen Konzerne ist nach den Hauptversammlungen im Frühjahr auf 34 Prozent gestiegen. Das zeigt eine am Morgen veröffentlichte Auswertung der amerikanischen Personalberatung Russell Reynolds. Zuvor lag der Frauenanteil in den Aufsichtsräten der Dax-Unternehmen bei 29,1 Prozent.

Heute seien 81 von 256 Dax-Aufsichtsräten Frauen, also 32 Prozent. Laut Russell Reynolds ist es vor allem der Wahl von drei Frauen in den Aufsichtsrat von SAP zu verdanken, dass die Anzahl der Frauen in den 30 Dax-Unternehmen die gesetzlich vorgeschriebene Quote von 30 Prozent erreicht hat. So wählten die Aktionäre des Software-Konzerns die Merck-Managerin Friederike Rotsch, die Intel-Managerin Aicha Evans und die Google-Managerin Diane Greene in den Aufsichtsrat des Softwarekonzerns. Das Unternehmen hat damit ein starkes Signal gesendet.

Anteil dürfte weiter steigen

Auch andere Unternehmen haben die Frauenquote jedoch erfüllt. Auf jeweils 40 Prozent kommen beispielsweise die Commerzbank und Münchener Rück. Jens-Thomas Pietralla von Russell Reynolds wertet die Frauenquote als Erfolg: "Schneller und geräuschloser als allgemein erwartet wurde die Frauenquote in den wichtigsten Aufsichtsräten Deutschlands erreicht." Die Personalberatung prophezeit, dass der Frauenanteil noch weiter auf 35 Prozent steigt.

Seit Januar 2016 gilt für Aufsichtsräte von börsennotierten und voll mitbestimmungspflichtigen Unternehmen in Deutschland eine Frauenquote von 30 Prozent. Die frühere Familienministerin Manuela Schwesig (SPD) hatte das Gesetz einst vorgelegt.

Zu wenig Frauen in den Vorständen

Henkel-Aufsichtsratsvorsitzende Dr. Simone Bagel-Trah

Henkel-Aufsichtsratsvorsitzende Dr. Simone Bagel-Trah. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Auf Arbeitnehmerseite in den Aufsichtsräten sei die Frauenquote inzwischen sogar auf 36 Prozent gestiegen. Aber die einzige weibliche Aufsichtsratsvorsitzende sei Simone Bagel-Trah bei Henkel. Und die Vorstände und die Managementebenen direkt darunter bleiben weiterhin männlich dominiert. "Allein um auf 30 Prozent zu kommen, fehlen dem Dax-30 momentan auf den ersten drei Führungsebenen über 1.100 weibliche Top-Führungskräfte", stellten die Personalberater fest.

Tatsächlich liegt der Frauenanteil in den Dax-Vorständen bei 12,1 Prozent, wie die Allbright-Stiftung kürzlich bekannt gab. Damit hat sich der Anteil zum Vorjahr sogar noch um einen Prozentpunkt verschlechtert. Deutschland befindet sich damit in etwa auf einer Stufe mit Indien oder der Türkei. Die Vereinigten Staaten und Schweden führen das Ranking an.

Anteil der Ausländer gesunken

"Für qualifizierte Frauen, die ganz nach oben wollen, sind goldene Zeiten angebrochen. Es werden dringend weibliche Führungskräfte gesucht", sagte Jens-Thomas Pietralla.

Während der Anteil der Frauen in den Führungsgremien langsam steigt, ist der Anteil der Ausländer in den Aufsichtsräten auf 28 Prozent gesunken. 54 der 256 Aufsichtsräte der Dax-Unternehmen kämen aus anderen europäischen Ländern, elf aus den USA, aber: "Die wichtigen Zukunftsmärkte Asien, Lateinamerika und Afrika sind personell in den Dax-30-Aufsichtsräten praktisch nicht vertreten", heißt es in der Studie.

lg