Wirecard-Logo auf einem Smartphone vor Kurstafel

Historie der Short-Attacken Auf und ab: Der Fall Wirecard

Stand: 31.01.2019, 17:22 Uhr

Auf den ersten Blick ist die Geschichte von Wirecard die eines Milliardenkonzerns, der früh auf das Thema E-Commerce setzte und damit punktete. Zur Historie des deutschen Unternehmens gehört allerdings auch, dass die Firma seit Jahren angegriffen wird. Ein Überblick.

Im Jahr 2008 begann die Historie der zahlreichen Short-Attacken mit einer Schlammschlacht zwischen der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) und Wirecard. Auf einer Wirecard-Hauptversammlung sprach ein SdK-Vorstand von Ungereimtheiten in der Bilanz des Finanzunternehmens.

Die Ertragslage der Banksparte sei intransparent, außerdem verschleiere das Unternehmen Erträge aus der Abwicklung von Online-Wettgeschäften, so der erste SdK-Vorwurf. Die Aktie von Wirecard brach daraufhin ein.

Skandal um SdK-Funktionäre

Wirecard konterte den Vorwurf und warf der SdK vor, die Gerüchte gezielt zu streuen, um die Aktie nach unten zu prügeln. Dabei kam ein anrüchiges Detail ans Licht: SdK-Vorstand Markus Straub hatte schon seit einigen Wochen mit Derivaten auf den Kursverfall bei Wirecard gewettet.

Quelle: pa/dpa

Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger e.V. (SdK).

2011 erhob die Staatsanwaltschaft München gegen mehrere Mitglieder eines Aktienbetrügerrings Anklage, darunter die beiden Ex-Mitglieder der SdK Tobias Bosler und Markus Straub. Beide wurden zu einer Haftstrafe verurteilt. Da die Beiden bereits zwei Drittel der Strafe abgesessen hatten, kamen sie unmittelbar nach der Urteilsverkündung frei.

100-Seiten-Report lässt Aktie abstürzen

2016 kam es zur nächsten großen Attacke. Der bis dahin unbekannte britische Analysedienst "Zatarra" veröffentlichte einen 100 Seiten langen Report, in dem von betrügerischen Machenschaften die Rede war. Geldwäsche, Glücksspiel und Betrug lauteten die Vorwürfe, die das Papier erneut auf Talfahrt schickten. Wirecard wehrte sich umgehend. 1,3 Milliarden Euro Börsenwert wurden vernichtet. Die Aktie brauchte mehrere Monate, um sich zu erholen.

Wirecard Chart

Der Aktieneinbruch von Wirecard im Februar 2016, kurz nach der Short-Attacke des Analysedienstes Zatarra. | Bildquelle: boerse.ARD.de

Im vergangenen Dezember nahm der Fall "Zatarra" eine neue Wendung. Die unbelegten Betrugsvorwürfe gegen das Unternehmen seien ein Fall von Marktmanipulation, erklärte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft München. Die Behörde habe ihre Ermittlungen abgeschlossen und beim Amtsgericht München einen Strafbefehl gegen den Herausgeber Fraser Perring beantragt.

Im August 2018 ging es dann bergauf. Wirecard holte beim Börsenwert die Deutsche Bank ein. Wenig später verdrängte der Zahlungsdienstleister die Commerzbank aus dem Dax. Nachdem die Aktie nach der Attacke auf rund 35 Euro eingebrochen war, legte sie deutlich zu und notierte zwischenzeitlich bei 199 Euro.

Erneuter Bericht über zweifelhafte Geldströme

Der neueste Vorfall kam durch ein durchaus angesehenes Medium ins Rollen. Die "Financial Times" berichtete, dass ein leitender Wirecard-Manager verdächtigt worden sei, mehrere Transaktionen verschleiert zu haben. In dem Bericht hieß es unter anderem, dass bei einer Führungskraft des Zahlungsabwicklers in Singapur im vergangenen Jahr der Verdacht auf Dokumentenfälschung und Geldwäsche im Raum gestanden habe.

Die Informationen seien der Finanzzeitung von einem Whistleblower zugespielt worden. Die Aktie des Online-Zahlungsdienstleisters stürzte daraufhin innerhalb weniger Minuten um fast 25 Prozent ab. „Wir werden den Sachverhalt von gestern daraufhin untersuchen, ob es sich hierbei um eine mögliche Marktmanipulation gehandelt haben könnte“, teilte eine BaFin-Sprecherin mit. Der Dax-Konzern wies den Bericht als „falsch, ungenau, irreführend und diffamierend“ zurück.

Warum Wirecard?

ARD-Börsenstudio: Samir Ibrahim
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Wirecard - Schon wieder Rufmord?

Warum ist aber ausgerechnet Wirecard wiederholt zur Zielscheibe von Short-Attacken geworden? Das dürfte vor allem am Geschäftsmodell liegen, dessen Abbildung in der Bilanz zu einer auch für Finanzexperten schwer verständlichen Komplexität führt.

Für Anleger bedeutet das: Auch wenn die Vorwürfe in Bausch und Bogen unberechtigt sein sollten, bleibt die Aktie angesichts dieses spezifischen Risikos anfällig für große Kursbewegungen, also nichts für Anleger mit schwachen Nerven.

mgo