Andrew Left, Citron-Research

Leerverkäufer Citron Research Andrew Left - der Mann, vor dem die Wall Street zittert

Stand: 04.05.2017, 14:16 Uhr

Mit fallenden Kursen Geld verdienen. Das kann ein lukratives Geschäftsmodell sein, vorausgesetzt die Zweifel an der Börse sind groß genug. Andrew Left von Citron Research ist in dieser Hinsicht ein Meister seines Fachs.

Andrew Left ist nämlich Leerverkäufer - und ein gefürchteter dazu. Denn mit seiner Research-Plattform Citron Research beziehungsweise dem Vorgängerformat StockLemon.com, eigentlich ein Börsenbrief, ist der 1970 geborene Mann aus Florida schon seit dem Jahr 2001 unterwegs.

Im zarten Alter von 24 Jahren begann Left damit, sich mit den Betrügereien und Schiebereien in der Geschäftswelt zu beschäftigen und auch über Leerverkäufe oder 'Short Selling' nachzudenken. Zieht er heute gegen ein Leerverkaufs-Ziel zu Felde, schreckt er auch vor persönlichen Attacken gegen Verantwortliche nicht zurück.

Selbst im Visier der Behörden

Sein beruflicher Werdegang begann mit einem Fehlstart. Denn nach dem Studium heuerte Left 1993 beim obskuren Rohstoff-Future-Händler Universal Commodity Corporation an. Lefts Aufgabe als Verkäufer war es dort, Kunden anzurufen und ihnen zweifelhafte Engagements zu verkaufen. Er verließ die Firma schon nach neun Monaten 1994. Die Universal Commodity Corporation wurde 1998 bestraft und mit ihr auch alle ehemaligen Angestellten.

2001 schließlich wandte sich Left vollständig dem Short Selling zu. Er startete die Seite StockLemon.com, ein Blog, auf dem er diverse Themen einstellte. 2007 wurde die Seite in Citron Research umbenannt.

Grafische Darstellung wei ein Leerverkäufer arbeitet
Video

Wie funktionieren Leerverkäufe?

Ein bewährtes Modell

Dass Left heute an der Wall Street mit Citron Research beachtet und gefürchtet ist, hat seinen Grund. Denn meistens gingen seine 'Shorts' auf. Ob Finanz-, Technologie- oder Pharmafirmen, Left hat ein Gespür für fragwürdige Transaktionen. Über 150 Reports hat er mit seinem Team bisher auf den Weg gebracht. Die Webseite diene in unterhaltender Art und Weise hauptsächlich der Wahrheitsfindung, heißt es auf der Citron-Homepage.

Einen Namen hat er sich unter anderem damit gemacht, dass er zahlreiche chinesische Firmen, meist Tech-Firmen, unter anderem wegen Intransparenz aufs Korn genommen hat. Mit durchschlagendem Erfolg: Bei 16 fragwürdigen Firmen brach der Aktienkurs ein, bei 15 davon sogar über 70 Prozent. Die folgenden juristische Auseinandersetzungen haben sich bisher kaum ausgewirkt. So wie er bisher überhaupt wenig juristische Probleme hatte im sonst so schadenersatz- und klagefreudigen amerikanischen Rechtssystem.

Der (tiefe) Valeant-Fall

Valeant-Chef Michael Pearson

Valeant-Chef Michael Pearson. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Das spektakulärste Fall war aber zweifellos der Fall des Pharmakonzerns Valeant mit seinem umtriebigen Chef Michael Pearson. Citron warf dem kanadischen Konzern vor, neben Steuerbetrug auch die eigenen Verkaufszahlen zu schönen (Fachleute sprechen von 'Channel Stuffing').

Vergleichbar ist dies mit dem Aufbau riesiger Autohalden unverkäuflicher, neu produzierter Fahrzeuge. Diese werden aber trotzdem nicht billiger verkauft, um die Preise nicht zu drücken. Dazu bediente sich Valeant dem hauseigenen obskuren Pharmahändler Philidor, mit dessen Hilfe Konkurrenten ausgestochen und Preise hochgehalten wurden.

Ein Blick auf die völlig zerstörte Valeant-Aktie spricht für sich. Große Investoren wie Bill Ackman haben sich mit schmerzlichem Verlust von der Aktie getrennt und auch Michael Pearson ist schon seit dem vergangenen Jahr nicht mehr im Amt. Ein Fall par excellence für einen Leerverkäufer und wohl das bisherige Meisterstück des Andrew Left.

rm

1/5

Wen Citron Research am Haken hat Auszüge aus dem Sündenregister

<b>FleetCor an der NYSE</b><br />Die derzeit aktuellste Verkaufsempfehlung ist die für den Tankkartenanbieter FleetCor. Eigentlich eine harmlose Sache, könnte man meinen, denn mit einer Tankkarte, vergleichbar mit einer Kreditkarte, können beispielsweise Fahrzeugflotten Rabatte bei großen Tankstellenbetreibern und FleetCor-Kunden erzielen und dadurch effektiver gemanagt werden. Auch Privatkunden können sich eine solche Karte zulegen. Das Ganze aber gegen eine Gebühr, versteht sich. Und diese Gebühren haben es in sich, oftmals sorgt der Blick auf die Abrechnung für Entsetzen bei den Kunden. Diese könnten die diversen Gebühren, Versäumniszuschläge oder Sondergebühren oftmals gar nicht fassen, behauptet Citron in seinem neuesten Research. "Junk fees", zu deutsch etwa "Gebühren für Schrott" und schlichtweg "Abzocke" wirft Andrew Left dem Unternehmen vor - und das alles bei einem angeblich unterirdischen Kundenservice. FleetCor-Gebühren sind zudem auch im Branchenvergleich astronomisch. An der Börse kommt das nicht gut an, die Aktie steht derzeit in der Nähe ihres Jahrestiefs bei 138 Dollar. Das Citron-Kursziel liegt bei 80 Dollar.: Kursverlauf am Börsenplatz Nyse für den Zeitraum 1 Jahr

FleetCor an der NYSE
Die derzeit aktuellste Verkaufsempfehlung ist die für den Tankkartenanbieter FleetCor. Eigentlich eine harmlose Sache, könnte man meinen, denn mit einer Tankkarte, vergleichbar mit einer Kreditkarte, können beispielsweise Fahrzeugflotten Rabatte bei großen Tankstellenbetreibern und FleetCor-Kunden erzielen und dadurch effektiver gemanagt werden. Auch Privatkunden können sich eine solche Karte zulegen. Das Ganze aber gegen eine Gebühr, versteht sich. Und diese Gebühren haben es in sich, oftmals sorgt der Blick auf die Abrechnung für Entsetzen bei den Kunden. Diese könnten die diversen Gebühren, Versäumniszuschläge oder Sondergebühren oftmals gar nicht fassen, behauptet Citron in seinem neuesten Research. "Junk fees", zu deutsch etwa "Gebühren für Schrott" und schlichtweg "Abzocke" wirft Andrew Left dem Unternehmen vor - und das alles bei einem angeblich unterirdischen Kundenservice. FleetCor-Gebühren sind zudem auch im Branchenvergleich astronomisch. An der Börse kommt das nicht gut an, die Aktie steht derzeit in der Nähe ihres Jahrestiefs bei 138 Dollar. Das Citron-Kursziel liegt bei 80 Dollar.