Amazon-Chef Jeff Bezos
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20 Jahre Börsengang Amazon, die verkannte Geldmaschine

Stand: 16.05.2017, 15:02 Uhr

So mancher Investor ärgert sich wohl grün und blau, den Amazon-Börsengang vor 20 Jahren ignoriert zu haben. Denn mit seinem umtriebigen Chef und Großaktionär Jeff Bezos ist das Unternehmen in dieser Zeit zu einer wahren Geldmaschine geworden.

Wer hätte nicht gerne aus 1.000 Dollar 640.000 Dollar gemacht? Diese traumhafte Wertentwicklung wäre möglich gewesen, wenn ein Investor vor 20 Jahren in das neue Amazon-Papier investiert und es heute noch im Depot hätte. Zugegegen, Geschichten dieser Art hat die Börse viele zu bieten, aber der Fall Amazon ist schon etwas ganz Besonderes, denn er geht weit über die USA hinaus.

Denn aus dem einstigen Online-Buchhändler ist mittlerweile nicht nur einer der größten Onlinehändler weltweit geworden. Über die Tochter AWS mischt der Konzern auch kräftig mit im Cloudgeschäft und bietet Rechnerleistung mittlerweile sogar auf dem indischen Markt an.

Amazon ist also auch eine fixe Größe in der Technologiebranche und konkurriert mit Größen wie Microsoft oder der Google-Mutter Alphabet. Zuletzt erzielte das Unternehmen einen Quartalsumsatz von 30,4 Milliarden Dollar und verdiente dabei 857 Millionen Dollar. Es war bereits der fünfte Quartalsgewinn in Folge, der zudem den Aktienkurs weiter beflügelte. Der Chart der Aktie spricht für sich, sie kostet heute 957 Dollar.

Premiere für 18 Dollar

Der Start am 15. Mai 1997 war ungleich bescheidener, gleichwohl schon sehr erfolgreich. 18 Dollar hat die Aktie in der Zeichnung gekostet, ganze 54 Millionen Dollar nahm das im Jahre 1994 gegründete Unternehmen dabei ein. Berücksichtigt man die bisherigen Aktiensplits, wären das umgerechnet 1,50 Dollar.

US-Starinvestor Warren Buffett

US-Starinvestor Warren Buffett. | Bildquelle: picture-alliance/dpa

Der Börsengang war dabei ein voller Erfolg, denn am ersten Handelstag lag der Schlusskurs immerhin bei 23 Dollar. Die 1.000 Dollar im Jahr 1997 hätten in diesem Fall splitbereinigt heute immer noch 490.000 Dollar eingebracht. Wer sich jetzt ärgert, kann sich aber damit trösten, dass auch ganz andere Börsengrößen die Chance nicht gesehen haben. Allen voran Großmeister Warren Buffett mit seiner Beteiligungsholding Berkshire Hathaway.

Vision Internet

"Ich war zu blöd, um zu realisieren, was passieren würde", räumte der Börsen-Guru kürzlich freimütig ein. Aber da war er nicht alleine, denn wer hat seinerzeit schon die enorme Bedeutung erkannt, die das Internet einmal bieten wird und die unser Leben so deutlich verändert hat. Auch andere "Startups" wie Google oder Microsoft haben klein angefangen und leb(t)en von der Vision Internet.

James Simons und Jeff Bezos (r)

James Simons und Jeff Bezos. | Bildquelle: picture alliance / AP Photo

Diese Vision hat Amazon-Gründer Jeff Bezos, Großaktionär und heute noch Firmenchef. Bezos ist Informatiker und entstammt der legendären Schule des Großinvestors und Wissenschaftlers David Shaw, der später seinen eigenen Hedgefonds gründete. Shaw gilt zusammen mit dem Mathematiker James Simons mit seiner Gesellschaft Renaissance als der Guru computergestützter Handelssysteme.

David Shaw

David Shaw. | Bildquelle: D. E. Shaw & Co.

Seine Vorstellungen darüber, was mit dem aufkommenden Medium alls möglich sein könnte, dürften also schon damals deutlich ausgeprägter gewesen sein als die "normaler" Finanzinvestoren, und wenn sie auch noch so clever waren.

Einer der reichsten Männer der Welt

Elon Musk vor seiner Raumkapsel SpaceX

SpaceX und Elon Musk. | Bildquelle: picture alliance / dpa

"Bei einer Wachstumsrate von 2000 Prozent im Jahr möchte man einfach dabei sein", erklärte Gründer und Konzernchef Bezos 1997 in einer Werbung wenige Wochen vor dem Börsengang. Wie man sieht, hat es sogar sehr gut geklappt.

Denn Bezos, der bei einer Börsenbewertung von derzeit 457 Milliarden Dollar heute noch 16,9 Prozent an Amazon hält, wird vom US-Magazin "Forbes" derzeit auf rund 80 Milliarden Dollar geschätzt. Visionen hat der heute 53-Jährige übrigens weiterhin. So will er alsbald Touristen in den Weltraum bringen. Dabei liefert er sich einen harten Konkurrenzkampf mit Tesla-Gründer Elon Musk und seiner Weltraumfirma Space X. Bekanntlich auch ein Mann mit Visionen, der sich anschickt, den Automobilsektor mit seinen E-Autos komplett aufzurollen.

Die Kehrseite des Booms

Eine runde amerikanische Erfolgsgeschichte, möchte man meinen. Aber wie meist, hat jede Münze zwei Seiten. Der Online-Handelsboom bringt nämlich die stationären Einzelhändler in den USA zunehmend in Schwierigkeiten. Diesen fehlte offensichtlich ebenfalls die Internet-Vision, denn die großen börsennotierten Gesellschaften wie Macy's, Sears oder JC Penny haben ihr Onlinegeschäft nicht rechtzeitig ausgebaut.

Die jüngsten Zahlen aus der Branche sind jedenfalls alarmierend und drücken die Aktienkurse dieser Traditionsunternehmen immer weiter in den Keller. Fakt ist, dass immer mehr Geschäft an das Netz verloren geht. Die Kunden shoppen eben im Internet und die Händler haben das Nachsehen.

Für die US-Wirtschaft könnte dies zu einem ernsthaften Problem werden, denn der Einzelhandel gilt innerhalb des alles überragenden Dienstleistungssektors als deren unverzichtbares Rückgrat. Der Hauptfeind der Händler dabei: Amazon - mit seiner komplexen und gut funktionierenden Logistik- und Lieferkette. Analysten sprechen schon vom "Amazon-Effekt", wenn sie die Zahlen der Händler analysieren.

Seit Oktober sind bereits 90.000 Arbeitsplätze verloren gegangen, die auch Amazon mit Neueinstellungen nicht kompensieren kann. Das ist deutlich mehr als in der Kohle- und Stahlindustrie, für die sich der neue Präsdident Donald Trump medienwirksam stark macht.

rm

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