Der Vorstandssprecher der Deutschen Bank, Josef Ackermann, macht am 21.01.2004 vor Beginn des Mannesmann-Prozesses im Landgericht in Düsseldorf das Victory-Zeichen.

Vom Schnappschuss zur Ikone Ackermanns Victory-Zeichen schreibt Geschichte

Stand: 22.01.2014, 12:03 Uhr

Direkt zu Prozessbeginn kommt es zu der Situation, die zum Sinnbild für eine ganze Branche wird. Josef Ackermann streckt siegessicher seine zum V gespreizten Finger in die Kamera. Dabei war die Geste gar nicht überheblich gemeint, so der Banker. Mangelnde Einsicht und die Arroganz der Mächtigen. Oder ganz einfach: Victory-Zeichen.

Dass diese drei Sekunden in seinem Leben einen derartigen "Sturm der Entrüstung" lostreten, hätte er "im Traum nicht gedacht", sagte der ehemalige Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann später. Die Pose sei aus der Situation heraus entstanden.

Situation erinnerte ihn an Michael Jackson

Die Angeklagten waren in dem Düsseldorfer Sitzungssaal umringt von Fotografen und Fernsehteams. Insgesamt hatte sich der Verhandlungsbeginn um rund 40 Minuten verzögert. Ackermanns Anwalt empfahl ihm, nicht zu sitzen und auch nicht in den Dokumenten zu lesen. Also stand er. Mit Ex-Mannesmann-Boss Klaus Esser scherzte er über die Situation. Dabei sei das Gespräch spontan auf den Popsänger Michael Jackson gekommen. Der hatte wenige Tage zuvor seinen ersten Gerichtstermin im Prozess wegen Kindesmisshandlung. Jackson hatte das Gericht mit Victory-Zeichen verlassen. Ackermann habe dann spontan den Popsänger mit dessen Geste nachgeahmt.

Schriftliche Entschuldigung bei der Richterin

Auf der Bilanzpressekonferenz in Frankfurt, einige Tage nach Prozessauftakt, entschuldigte sich Ackermann für seine Geste. Das sei so nicht beabsichtigt gewesen, sagte er. "Wenn der falsche Eindruck entstanden ist, ich respektiere nicht das Gericht, tut es mir leid." Um die Situation zu klären, habe er der Vorsitzenden Richterin Brigitte Koppenhöfer einen Brief geschrieben. Sie habe das verstanden, sagte Ackermann, "das ist erledigt."

Ikone der Finanzkrise

Was bereits damals für Entrüstung sorgte, entwickelte in den Folgejahren eine faszinierende Dynamik. Die Bankenkrise der Jahre 2008/2009 tat ihr Übriges: Aus einem Sinnbild der Überheblichkeit eines Top-Managers wurde eine Ikone für die Verfehlungen einer gesamten Branche. Das Foto mit Ackermanns Fingern zum Victory-Zeichen gespreizt. Ein Schnappschuss für die Ewigkeit.

sh