Actien Club Coeln

Actien Club Coeln, Screenshot Homepage

Mit dem Muster-Depot an der Börse ACC Invest: "Wir sind keine Rein- und Raus-Aktionäre"

von Bettina Seidl

Stand: 18.05.2016, 14:57 Uhr

Hier wird noch debattiert. Es geht demokratisch zu. Im Actien Club Coeln entscheiden die Mitglieder über Aktienkäufe per Handzeichen. Der ACC Invest schafft dabei einen ziemlichen Spagat. Er ist noch ein echter Investmentclub, obwohl er mittlerweile etliche Millionen schwer ist.

1993 war das nicht abzusehen. Ein kleines Grüppchen von Studenten am Bankenlehrstuhl von Professor Hans Büschgen erprobte sich an Aktieninvestments. Erstmal ausschließlich auf dem Papier, sie kauften Aktien für ein Musterdepot. Doch schnell kamen sie in Versuchung, es mit echtem Geld zu versuchen.

"Wir starteten einen Aufruf im Studentenblättchen, wer auch Interesse daran hat", erinnert sich Gründungsmitglied Dirk Arning, der heute mit Klaus Ueker die Geschäfte des Clubs gemeinsam führt. Der Andrang war groß, am Ende taten sich rund 25 Studenten zuammen und gründeten den Actien Club Coeln als GbR und eröffneten ein Gemeinschaftsdepot.

Ehrenamt und 5,5 Millionen Euro schwer

Heute ist der ACC Invest mit einem Vermögen von 5,5 Millionen Euro zu groß dafür. Die Aufsichtsbehörde BaFin stuft Clubs in dieser Größenordnung als Finanzdienstleister ein. Aktienclubs müssen ab einer gewissen Größe in der Profi-Liga spielen, was für viele das Aus bedeutet.

Doch dem ACC gelang der Kunstgriff, beide Welten zu einen. Er selbst wird nämlich als vermögenslose Gesellschaft bürgerlichen Rechts geführt. Die Mitgliedschaft ist kostenlos. "Wir erheben keine Mitgliedsbeiträge, wir haben nicht einmal eine Portokasse", erklärt Arning. Auch bei den Aktien spielt Geld erstmal noch keine Rolle, denn Aktien werden nur auf dem Papier gekauft. Die Aktienfreunde führen ein Musterdepot. Man trifft sich einmal im Monat und berät über die nächsten Investitionen.

Im nächsten Schritt geht es dann erst um echtes Geld. Denn der Investmentfonds, der "ACC Alpha select AMI" (Wertpapierkennnummer 724 864) bildet das Musterdepot des Clubs in echt ab. Der Fonds setzt dessen Entscheidungen über Aktienkäufe und -verkäufe eins zu eins um. Natürlich darf bei der Anlagesitzung nur abstimmen, wer auch Anteile am ACC Invest hat. 500 Fondsanteile sind nötig.

Das Gute für die Aktienfreunde an der neuen Konstruktion: Mit Bürokratie und Abrechnungen hat man nichts mehr zu tun. Und trotz Profi-Management bleibt der Club-Charakter erhalten.

"Investmentclub heißt Kompromiss"

Das ist dem Actien Club Coeln wichtig. Er beschreibt sich selbst als "demokratisch geführter Investmentclub". Bei der monatlichen Anlagesitzung, wenn die Mitglieder über neue Investments beraten und sie Stopp-Marken für einzelne Aktienkäufe und -verkäufe festlegen, wird über alles abgestimmt. Die Mehrheit entscheidet.

"Nicht immer gefällt jedem die getroffene Entscheidung", sagt Arning. "Investmentclub bedeutet immer auch Kompromiss. Ich sehe da auch schon mal enttäuschte Gesichter, wenn die Mitglieder sich gegen eine vorgeschlagene Aktie entscheiden. Da muss man sich sagen: Die Entscheidung heißt doch nicht, die Aktie ist unbedingt schlecht. Sie hat nur eben keine Mehrheit bekommen."