Martin Zielke, Vorstandsvorsitzender der Commerzbank

Durch Höhen und Tiefen: 150 Jahre Commerzbank „Das müssen heutige Startups erst einmal hinkriegen“

Stand: 26.02.2020, 15:21 Uhr

Über Strafzinsen und den verschärften Sparkurs spricht Commerzbank-Chef Martin Zielke im Exklusiv-Interview mit der ARD im Zuge eines Festaktes in Frankfurt mit 500 geladenen Gästen – auch mit Bundesfinanzminister Olaf Scholz von der SPD.

boerse.ARD.de: Herr Zielke, alles Gute zum 150. Geburtstag der Bank. In Zeiten von Stellenstreichungen, Filialschließungen, ist Ihnen da überhaupt zum Feiern zu Mute?

Martin Zielke: Erst einmal vielen Dank für die Glückwünsche. Ich finde, 150 Jahre sind schon ein Grund zu Feiern. Wenn ein Unternehmen, eine Bank schon 150 Jahre lang existiert, ist das nicht normal. Und ich finde es auch bemerkenswert: Diese Bank ist gegründet worden von Kaufleuten für Kaufleute, von Kunden für Kunden. Und das finde ich schon einen Grund, sehr zuversichtlich nach vorne zu schauen und zu feiern.

boerse.ARD.de: Jetzt haben Sie aber just im Jubiläumsjahr angekündigt, Sie wollen Ihren Sparkurs verschärfen. Was gibt es da bisher Konkretes?

Zielke: 150 Jahre sind eine natürlich gute Basis, auf die man aufbauen kann. Aber die Rahmenbedingungen sind auch so wie sie sind, das müssen wir uns entsprechend anschauen. Wir sind gut aus dem letzten Jahr herausgekommen, besser als wir es ursprünglich erwartet haben. Das gibt uns eine gute Grundlage, unsere strategische Ausrichtung weiter zu schärfen. Daran arbeiten wir jetzt. Wir werden die Ergebnisse entsprechend kommunizieren, wenn wir soweit sind.

boerse.ARD.de: Ihre Online-Tochter Comdirect verlangt seit vergangenem Jahr Strafzinsen von den ersten Privatkunden. Worauf müssen die sich denn generell zum 150. Geburtstag einstellen? Flächendeckend wird es ja wohl erst einmal keine Strafzinsen geben, oder?

Zielke: Ich gehe davon aus, dass wir alles versuchen werden, um die breite Bevölkerung von dieser Belastung, die die Banken und die Finanzwirtschaft trifft, weitestgehend fernzuhalten. Aber bei größeren Einlagen wird das nicht möglich sein, das lässt sich auf Dauer nicht vermeiden.

boerse.ARD.de: Strafzinsen sind zwar unschön für die Kunden, aber für Sie eine gute Einnahmequelle. Ansonsten ist ja noch nicht so richtig klar, wie Sie mit immer neuen Kunden, die Sie mit Gratiskonten und Wechselprämien anlocken, nachhaltig Geld verdienen wollen.

Zielke: Wir verdienen mit unseren Kunden Geld. Unsere Kunden sind zufrieden mit uns. Wir haben die höchste Kundenzufriedenheit in der Geschichte der Bank heute. Das ist eine gute Grundlage, um miteinander Geschäft zu machen. Und ich sage Ihnen ganz ehrlich: Jedes Unternehmen, gerade wenn es 150 Jahre Erfahrung hat, freut sich über immer mehr Kunden. Denn je mehr Kunden wir haben, desto mehr Geschäft können wir machen. Mit denen verdienen wir über die gesamte Produktpalette Geld und das funktioniert sehr gut.

boerse.ARD.de: Einer Ihrer Gäste ist Bundesfinanzminister Olaf Scholz von der SPD. Der Bund ist immer noch zu über 15 Prozent an der Bank beteiligt. Werden Sie heute eigentlich einmal darüber sprechen, wann die Bank nach über zehn Jahren mal wieder komplett eigenständig wird?

Zielke: Ich glaube nicht, dass wir das heute besprechen werden. Das ist auch eher eine Sache des Aktionärs, nicht der Bank. Wir sind übrigens sehr dankbar, dass der Bund in einer schwierigen Phase der Bank zur Seite gestanden hat. Deswegen ist bei mir, wenn ich auf 150 Jahre zurückschaue, dieser Aspekt im Vordergrund. Dass wir sagen: Das ist eine gute Kooperation zwischen der Bank, ihren Kunden, aber auch dem Staat über 150 Jahre gewesen. Ich finde, das ist ein gutes Beispiel für Industriegeschichte. 

boerse.ARD.de: Was ist die wichtigste Lektion, die die Commerzbank nach zwei Bankenrettungen und fatalen Übernahmen gelernt hat?

Zielke: Ich finde, die wichtigste Lektion ganz klar: In einem Zeitraum von 150 Jahren, auch mit Höhen und Tiefen, kann man ein Unternehmen sehr erfolgreich weiterentwickeln. Und ich glaube, das unterscheidet uns von heutigen Startups. Die Commerzbank war einmal ein Startup sozusagen, von acht Unternehmern gegründet. Das müssen heutige Startups erst einmal hinkriegen, 150 Jahre durch Höhen und Tiefen durchzukommen. Und die wichtigste Lektion ist: Wir stehen hier, wir sind da und wir freuen uns auf die Zukunft.

boerse.ARD.de: Und Sie sagen, auch in 150 Jahren ist immer noch mit der Commerzbank zu rechnen. Wieso sind Sie sich denn da so sicher? Was unterscheidet Sie denn zum Beispiel von einer größeren Sparkasse?

Zielke: Ich weiß nicht, was in 150 Jahren ist. Aber ich weiß, dass wir schon 150 Jahre da sind, dass wir gut aufgestellt sind, um auch die Zukunft zu gestalten. Deswegen bin ich sehr optimistisch und freue mich drauf, gemeinsam mit unsern Mitarbeitern der Bank diese Zukunft zu gestalten. Und der rote Faden der Commerzbank war von Anfang, dass sie immer sehr eng mit ihren Kunden war. Das ist die Bank an der Seite ihrer Kunden. Des Mittelstands, der übrigens das Rückgrat des Wohlstandes unseres Landes ist, aber auch der vielen Privatkunden. Das ist eine Partnerschaft, die diese Bank trägt, die von Anfang in ihrer DNA war. Und ich glaube, das ist ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal zu vielen anderen Wettbewerbern heute.

Ursula Mayer, Hessischer Rundfunk

Ursula Mayer, Hessischer Rundfunk. | Bildquelle: hr

Das Interview führte Ursula Mayer. Sie berichtet regelmäßig für den Hessischen Rundfunk über die Banken in Frankfurt.