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Kein schönes Jubiläum Und das IKB-Drama nahm seinen Lauf

von Angela Göpfert

Stand: 28.07.2017, 09:31 Uhr

Vor zehn Jahren erreichte die Finanzkrise mit drei Buchstaben Deutschland: IKB. Jene Finanzkrise, die die Welt in die schwerste Wirtschaftskrise seit den 1930er Jahren stürzen sollte. Was damals im Juli 2007 geschah.

Solide, angesehen, langweilig: Dieser Ruf haftete der deutschen Mittelstandsbank IKB bis zum Juli 2007 an. Doch plötzlich ist von Langeweile keine Spur mehr! Ende Juli 2007 meldet die IKB Finanzierungsprobleme bei ihrer im US-Hypothekengeschäft tätigen amerikanischen Zweckgesellschaft "Rhineland Funding Capital Corporation".

Anleger wollen nicht mehr kaufen

Die Hintergründe sind heute wohl bekannt: Die Rhineland-Gesellschaft gab in Dollar denominierte Geldmarktpapiere heraus und investierte die Erträge in amerikanische Subprime-Papiere.

Das Rhineland Funding ist also darauf angewiesen, dass Anleger ihr die Papiere abkaufen, mit denen sie eigene Kreditvergaben refinanziert. Doch angesichts der Kreditkrise wollen die Anleger nicht mehr kaufen. Die IKB muss einspringen, um die kurzfristige Liquidität zu garantieren.

Das machte doch jeder!

Das Problem dabei: Die Geschäfte der Zweckgesellschaft wurden außerbilanziell getätigt. Die IKB musste also kein Kapital beiseite legen, um die Verbindlichkeiten abzudecken. Heute wissen wir, dass das die Zutaten für ein Desaster sind. Aber damals machte das jeder. 

Doch am 27. Juli will die Deutsche Bank dieses Risiko nicht mehr mitgehen, sie weigert sich, eine Kreditlinie für die IKB zu verlängern.

Kassandra hat gesprochen

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Juli 2007: Die Subprime-Krise erreicht Deutschland

Noch am selben Tag weist Josef Ackermann die Aufsichtsbehörden auf die prekäre Lage bei der IKB hin. In einer Gemeinschaftsaktion deutscher Banken – allen voran die staatliche KfW-Bank als größte Anteilseignerin - wird die IKB über das Wochenende mit sieben Milliarden Euro gerettet.

Die Öffentlichkeit wird aber erst am Montag, den 30. Juli 2007, informiert. Der Kurs der IKB-Aktie bricht weiter ein. Binnen zwei Wochen hatte er sich mehr als halbiert. Der Chef der Bankenaufsicht, Jochen Sanio, warnt: "In Deutschland droht die schlimmste Finanzkrise seit 1931", sollte die IKB doch noch Pleite gehen.

Die IKB sollte der Pleite durch den Verkauf an einen Finanzinvestor letztlich knapp entkommen – Deutschland aber nicht der Finanzkrise.