Rätselnder Mann und Frau vor Dax-Kurve
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Betrügereien am Kapitalmarkt Wer hat's aufgedeckt?

von Detlev Landmesser

Stand: 02.05.2019, 16:10 Uhr

Der Fall Flowtex war sicher einer der spektakulärsten Betrugsfälle der Bundesrepublik. Aber in Wahrheit war er nicht einmal die Spitze des Eisbergs. Beispiele gefällig?

Vertrauen ist einer der wichtigsten Pfeiler für die Funktionsweise eines Finanzsystems. In Deutschland genießt der Finanzmarkt ein hohes Vertrauen. Umso krasser erscheinen die Fälle, in denen jede Kontrolle versagt und Betrüger bis in die höchsten Kreise des regulierten Kapitalmarktes aufsteigen und das Geld gutgläubiger Anleger verschleudern.

Und diese Fälle gibt es. Genau so war es im Fall Steinhoff, einem MDax-Unternehmen, das über Jahre im großen Stil Bilanzen manipulierte, ohne dass es jemand gemerkt hat.

Wir haben die jüngsten Wirtschaftsskandale, bei denen Milliarden an Anlegergeldern verloren gingen, daraufhin abgeklopft, wer sie denn aufgedeckt hat. Diese einfache Untersuchung legt Überraschendes offen - und ein eklatantes Versagen an anderen Stellen.

Faktische Arbeitsteilung: Behörden merken es zuletzt

Wer deckt solche Betrügereien auf? Die BaFin? Die Börse? Staatsanwälte? Analysten? Pustekuchen. Es sind Whistleblower, Leerverkäufer (!) und Journalisten, aber äußerst selten Wirtschaftsprüfer oder Behörden. Letztere haben nicht nur in den Fällen Flowtex oder Comroad eine frühere Aufdeckung eher behindert als gefördert.

So sieht die faktische Arbeitsteilung bei der Verbrechensaufdeckung am Kapitalmarkt aus. Diese Tatsache sollte den Gesetzgeber wachrütteln. Der Jetztzustand am deutschen Finanzmarkt, ein Hybridmodell aus Marktdarwinismus und eher unbeholfenen behördlichen Eingriffen, erscheint nicht wirklich befriedigend.

Aufsichtsbehörden fit machen!

Vielleicht hilft ein Blick über den Tellerrand. Mehr Effizienz bei der Aufklärung krimineller Machenschaften verspricht das US-Modell. Anders als die deutsche BaFin verfügt die US-Wertpapieraufsichtsbehörde SEC über weitreichende polizeiliche Befugnisse - und die entsprechende Lösungskompetenz.

Sicher sind rechtsstaatliche Prinzipien zu beachten. Aber wenn die Ermittlungsschwelle deutlich niedriger liegt und beispielsweise Beweismittel eben unverzüglich gesichert werden und nicht erst Monate oder Jahre später, dann kann das nur im Interesse der Geschädigten sein.