Hauptversammlung der Deutschen Bank in der Frankfurter Festhalle 2018

Aktivisten, Bankenfusion und Konjunkturabkühlung Warum die HV-Saison stürmischer wird

Stand: 13.03.2019, 16:04 Uhr

Bald beginnt wieder die schönste Zeit für Aktionäre: Die Hauptversammlungs-Saison. Trotz Dividenden-Rekords dürfte es nicht überall harmonisch zugehen. Die Aktionärsschützer sagen, wo es turbulent werden könnte.

Für Diskussionen und womöglich für spannende Abstimmungen dürften die aktivistischen Aktionäre sorgen. Der Fall ThyssenKrupp habe gezeigt, "wie massiv der Einfluss solcher Investoren werden kann, wenn es zu Unstimmigkeiten mit dem Management kommt", sagte Klaus Nieding, Vizepräsident der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), am Mittwoch. Auf Druck des Hedgefonds Cevian hat ThyssenKrupp die Aufspaltung des Mischkonzerns angekündigt.

Kritik an Bayer und RWE

Kritische Nachfragen dürfte es auch auf den Hauptversammlungen von denjenigen Unternehmen geben, die ihre Struktur verändert haben. Dazu zählt Nieding RWE wegen des Innogy-Deals, Bayer aufgrund der Monsanto-Übernahme und die fusionierte Linde-Praxair. Wenn massiv in die Struktur eines Unternehmens eingegriffen werde, sei eine Zustimmung durch die HV erforderlich, verlangt Aktionärsschützer Nieding.

Widerstand gegen Bankenfusion

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Hoch her wird es voraussichtlich erneut bei den HVs der deutschen Großbanken, also Commerzbank und Deutsche Bank, zugehen. Neben der schwachen Kursentwicklung dürfte in diesem Jahr die "politisch offenbar gewollte" innerdeutsche Banken-Fusion ein zentrales Thema sein. Die DSW lehnt die Fusion ab. "Die beiden Banken haben aus meiner Sicht viel zu viele überlappende Geschäftsfelder, als dass ein Zusammenschluss Sinn machen würde", sagte Nieding. Es sei kaum ein olympiatauglicher Leichtathlet zu erwarten, wenn zwei Lahme sich zusammentun.

Eine Fusion der beiden Banken "würde nur auf dem Rücken der Arbeitnehmer ausgetragen", warnte Nieding. Zu befürchten wäre nach seiner Einschätzung der Abbau Zehntausender Arbeitsplätze. Ende 2018 beschäftigten die beiden Banken zusammen gut 133.000 Vollzeitkräfte.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Neben den Banken-HVs dürften auch die Aktionärstreffen der deutschen Autobauer, insbesondere VW und Porsche, im Fokus der Aktionärsschützer stehen. Die DSW kämpft um Schadensersatz für von der Abgasaffäre betroffenen VW-Aktionäre.

Wirecard-HV könnte turbulent werden

Wirecard: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Spannend könnte ebenfalls die HV von Wirecard am 18. Juni werden. Einige Aktionäre werden dort wissen wollen, was an den Vorwürfen der "Financial Times" gegen dubiose Praktiken des Zahlungsabwicklers dran ist. Die DSW begrüßt das Leerverkaufsverbot der BaFin. Enttäuscht ist Nieding von der Deutschen Börse. "Wenn es zum Verdacht auf Marktversagen kommt - wie im Fall Wirecard durch eine ungleiche Information der Marktteilnehmer -, reicht es nicht, sich neben den Kurs zu stellen und die Freiheit der Märkte zu reklamieren", moniert Nieding.

Für reichlich Freude unter den Aktionären wird der warme Dividendenregen sorgen. Die Unternehmen werden nach Einschätzung von DSW über 50 Milliarden Euro ausschütten - so viel wie nie. Damit, so Nieding, dürfte aber das Ende der Rekordjagd vorerst erreicht. Deshalb dürfte die künftige Dividenden-Strategie eines der wichtigsten Themen auf der diesjährigen HV-Saison sein.

nb