Bill McDermott
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Gegen exzessive Vergütungen Vorstandsgehälter: Die Revolte der Aktionäre

Stand: 08.05.2017, 08:53 Uhr

Die Bezüge von Topmanagern deutscher Börsenschwergewichte sorgen für Zündstoff auf Hauptversammlungen. Auch Großaktionären sind die Millionen für die Vorstände ein Ärgernis, etwa bei SAP.

"Wir werden gegen die Entlastung des Aufsichtsrates stimmen, weil wir erhebliche Bedenken bezüglich des Vergütungssystems haben und diese vom Aufsichtsrat ignoriert wurden“, sagte Hans-Christoph Hirt vom britischen Investor Hermes dem "Spiegel“.

Die maximal mögliche Vergütung von bis zu 41 Millionen Euro durch Erfolgsboni sei unangemessen hoch. Es gebe "rote Linien“, die Konzerne nicht überschreiten sollten. Auch die Aktionärsvertretung ISS empfiehlt ihren Kunden dem Bericht zufolge, dem Aufsichtsrat auf der am Mittwoch stattfindenden Hauptversammlung die Entlastung zu verweigern.

Kritik auch in der Schweiz

Der SAP-Vorstandsvorsitzende Bill McDermott hatte im vergangenen Jahr den Daimler-Chef Dieter Zetsche als Spitzenverdiener abgelöst in den Konzernen, die im deutschen Standardwerteindex Dax notiert sind. Mit rund 15 Millionen Euro fiel seine Vergütung wegen mehrjähriger Bonusprogramme fast drei Mal so hoch aus wie im Jahr davor.

In der Schweiz hatten die Aktionäre der Credit Suisse in der vergangenen Woche den Vergütungsbericht nur knapp gebilligt, mit 58 Prozent der Stimmen. Sie störten sich daran, dass Konzernchef Tidjane Thiam trotz eines Verlustes von 2,7 Milliarden Franken immer noch ein Grundgehalt und Bonus von insgesamt 10,2 Millionen Franken erhielt.

Auch Münchener Rück und Conti betroffen

Zuvor hatten die Anleger auf der Hauptversammlung der Münchener Rück den Aufstand geprobt. Ausgerechnet zum Machtwechsel an der Spitze des weltgrößten Rückversicherers schmetterten 65 Prozent der vertretenen Anteilseigner die Gehalts- und Bonusregelungen für die Vorstandsmitglieder ab. Dabei ging es nicht um die Höhe der Bezüge, sondern um die Offenlegung der Zielvorgaben für die Boni. Auch auf der Hauptversammlung des Reifenherstellers Continental stimmten viele Aktionäre mit "Nein". Die Vorstandsbezüge seien erst 2014 erhöht worden und das neue System erscheine noch schwerer zu durchschauen als das bisherige, so die Kritik. Kritisch sehen Aktionärsvertreter wie die DSW auch die Vorstandsvergütung beim Medienkonzern ProSiebenSat.1. Der Vergütungsbericht sei intransparent, hieß es.

Generell seien die Berichte in den letzten Jahren sehr lang und sehr komplex geworden, kritisieren Aktionärsvertreter. Ein Durchschnittsaktionär könne sie kaum noch verstehen. Man könne nur hoffen, "dass Aufsichtsräte verstehen, welche Verträge sie mit den Vorständen schließen".

Beiersdorf: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
99,24
Differenz relativ
-0,34%
Continental: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
183,90
Differenz relativ
-1,08%

Das Votum der Anteilseigner ist gemäß Aktiengesetz nicht bindend - kann aber dennoch Wirkung entfalten. So passte beispielsweise die Deutsche Bank die Vergütung der Vorstände nach Aktionärsschelte im vergangenen Jahr an und stellt sie auf der Hauptversammlung Mitte Mai erneut zur Abstimmung. Die Ausschüttung von Boni soll noch enger an Erfolge bei Geschäftszielen geknüpft werden.

lg

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Studie zur Vorstandsvergütung der Dax-Konzerne
Die neueste Studie zu den Vorstandsvergütungen kommt von der Unternehmensberatung WillisTowersWatson. Unsere Galerie beruht auf der „erwarteten Direktvergütung“ der Dax-Chefs. Diese setzt sich aus der Grundvergütung, dem auszuzahlenden Bonus für den im Jahr 2016 erzielten Erfolg sowie für 2016 erwarteten Langfristvergütung zusammen.