Verbraucherzentralen warnen vor erheblichen Risiken Vorsicht vor Waldinvestments!

von Till Bücker

Stand: 03.05.2019, 17:00 Uhr

Der Umwelt helfen und gleichzeitig eine hohe Rendite kassieren? Klingt vielversprechend. Aber Achtung: Waldinvestments gelten als hochspekulativ und riskant. Viele Schwarze Schafe tummeln sich in der Welt der ökologischen Geldanlage.

Ökologisch und nachhaltig Geld anlegen - der Traum vieler Anleger mit Umweltbewusstsein. Anbieter von Waldinvestments wie Sharewood, ForestFinance oder Miller Forest locken mit schwindelerregenden Renditen in teils zweistelligen Höhen. Mit Kauf oder Pacht von Bäumen, vorzugsweise in Südamerika, sei eine sichere und langfristige Geldanlage möglich. Nach sechs, sieben, zwölf oder 18 Jahren soll der Wald bei Miller Forest gerodet werden, bei ForestFinance nach zwölf oder 25 Jahren. ForestFinance hat nach eigenen Angaben mehr als 20.000 Kunden.

Thmas Mai, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Bremen

Thomas Mai. | Bildquelle: Unternehmen

Doch ist das Ganze wirklich sicher? "Waldinvestments sind für die Altersvorsorge völlig ungeeignet", warnt Thomas Mai, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Bremen im Gespräch mit boerse.ARD.de. Bereits seit 2006 geht die Organisation dagegen vor. Gemeinsam mit der Verbraucherzentrale Hamburg rief sie 2015 unter anderem das staatlich geförderte Projekt "Gut fürs Geld, gut fürs Klima" ins Leben.

Irreführende Werbung

Über Jahre hinweg wurden Anleger in Sachen nachhaltigen Investments beraten und geschult. Juristen prüften außerdem die Seriosität von Anbietern. Besonders schlecht dabei abgeschnitten haben Waldinvestments.


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Vor zwei Jahren mahnte die Verbraucherzentrale Hamburg das Unternehmen Tree Value Forestry erfolgreich ab, die Interessenten mit Slogans wie "Edelholz, eine nachhaltige und sichere Sachwertanlage" in die Irre führten.

Anlegerschutz bleibt auf der Strecke

Genau das sei das Problem, sagt Mai. Manche Anbieter gingen sehr geschickt vor. Die Qualität sei nicht so leicht zu erkennen. Kontrolle durch die Finanzaufsicht? Fehlanzeige. "Keiner zählt Bäume auf den Plantagen in weit entfernten Ländern nach, ob sie auch wirklich gepflanzt wurden", betont Mai. Die Firma Teak Holz aus Österreich gab 2015 bekannt, dass auf den eigenen Plantagen in Costa Rica nicht wie angenommen 1,3 Millionen, sondern lediglich 660.000 Bäume wachsen würden.

Teakholz-Stämme

Teakholz-Stämme. | Quelle: colourbox.de

Und nicht nur die Echtheit der Plantagen ist oft ungeklärt. Häufig gebe es auf den Websites nicht einmal Fakten über die Bilanz des Anbieters oder die Eigentümer. Im Vordergrund stehen die angeblichen Vorteile: hohe Rendite und Umweltschutz. Direktinvestments laufen nicht über die Börse, es gibt kaum Anlegerschutz. Daher sind sie nicht immer prospektpflichtig, die Anbieter müssen also nicht zwingend alle Informationen über die Anlage preisgeben. Mit zahlreichen Tricks wie einem begrenzten Angebot können sie dem aus dem Weg gehen.

Ein gutes Indiz für Seriosität ist laut Mai stets die Transparenz. Ob die Informationen allerdings schlüssig sind, prüft auch die BaFin nicht.

Wirkliche Rendite erst später zu erkennen

Doch auch wenn das Angebot seriös ist - die Risiken sind weiter gravierend. "Sie stehen in keinem Verhältnis zu den Chancen", so Mai. Schon allein wenn der Anbieter in Schieflage gerät, habe das meist gravierende Auswirkungen für die Anleger. Ansprüche geltend zu machen, sei äußerst schwierig. Denn wer kenne schon die Rechtslage eines Pächters auf einem anderen Kontinent?

Ein Beispiel in der nahen Vergangenheit war Prime Forestry, ein Schweizer Anbieter. Wie boerse.ARD.de bereits vor einigen Jahren berichtete, ging dort nicht alles sauber zu. Für Teakplantagen in Panama eingesammelte Gelder versickerten, die Firma ging schließlich pleite. Die Anleger schlitterten nur knapp am Totalverlust vorbei.

Ende 2017 testete das Magazin "Finanztest" alle Walddirektinvestments, die eine Vertriebserlaubnis der BaFin hatten. Alle sieben - auch die vermeintlich seriösen - fielen als mangelhaft durch. Die Anleger schließen Dienstleistungsverträge ab, die die Aufforstung des Grundstücks und die spätere Holzernte umfassen. Zu Vertragsbeginn müssen sie die Beteiligungssumme zahlen - Kosten von mindestens ein paar hundert Euro, oft sogar mehreren tausend.

Die kommenden Jahre geschieht erst einmal nichts. Erst wenn die Bäume wie geplant wachsen und geerntet werden, können die Anleger überhaupt Erträge erwarten. Oft sind das 20 Jahre oder länger. In dieser Zeit kann viel passieren. Neben natürlichen Problemen wie Naturkatastrophen, Schädlingsbefall oder Dürrezeiten kann es zu erheblichen Preisschwankungen beim Holz kommen. Sicherheiten während der langen Laufzeit suchen die meisten Kunden vergeblich.

Umweltschutz geht auch anders

Risiko und das Setzen auf Schwarze Schafe sei in der Altersvorsorge fehl am Platz, so Mai. Und ob die Anbieter und die Förster vor Ort wirklich nachhaltig arbeiten, könne sowieso kaum geprüft werden. Natürlich sei der ökologische Aspekt teilweise in Ordnung. Oft sei es aber auch die reinste Monokultur und die heimischen Pflanzen hätten überhaupt keinen Nutzen davon. Der Finanzexperte hat da einen besseren Vorschlag: "Um für den Umweltschutz etwas zu tun, sollten die Menschen ihr Geld vielleicht besser Umweltverbänden wie Greenpeace zukommen lassen."

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Grüner Globus mit Symbolen Glühbirne, Windkraft, Batterie, Blättern, Regen, Energiesparleuchte, Sonne und Pflanze

Nachhaltigkeitsfonds
Die klassische "grüne" Geldanlage sind Nachhaltigkeitsfonds. Sie investieren in Aktien von Firmen, die in ihrer Branche am nachhaltigsten geführt werden (best-in-class-Ansatz), oder in Öko-Titeln (Ausschluss-Verfahren). In Deutschland sind rund 400 Nachhaltigkeitsfonds zugelassen. Über die Qualität der Fonds informieren Ratingagenturen wie Morningstar und Oekom Research. Morningstar hat ein Sustainability-Rating mit mehreren Faktoren entwickelt, bei dem eine Gesamtnote ermittelt wird. Eine weitere Orientierungshilfe liefert das Gütesiegel des Forums für Nachhaltige Geldanlagen. Bisher wurden 38 Fonds mit einem Siegel zertifiziert.