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Direktinvestment in Wald und Forst Solides Holz, unsolides Investment

Stand: 14.06.2013, 17:30 Uhr

Wachstum ohne Ende? Risiko ohne Ende!

Die Wachstumschancen von Holz liegen auf der Hand: Die Weltbevölkerung wächst, besonders rasant die Schwellenländer, und damit auch der globale Energiebedarf. Der Nachfrage nach Holz als Heizquelle und Baumaterial wird also steigen, aber Wald wird knapper. Das riecht also alles nach einer zukunftsträchtigen Anlageidee. Aber so chancenreich Holz ist, so risikoreich ist es auch.

Zunächst mal ist der Preisanstieg nicht garantiert, in der angepriesenen Höhe schon gar nicht. Zudem schwanken die Preise des Rohstoffes stark. Stürme, Feuer, Ungeziefer können alles kahl schlagen. Dazu kommen politische Risiken, die gerade in Ländern außerhalb Europas nur schwer zu kalkulieren sind. Jegliche Gewinne und sogar das eingesetzte Geld könnten komplett verloren gehen.

Holz-Spielarten

Direktanlage, Fonds, Aktie, Zertifikat, ETF

In Holz kann man auf viele Arten investieren. Die riskanteste Form ist wohl die Direktanlage. Ein hohes Risiko bergen auch geschlossene Fonds, wobei hier immerhin noch die Aufsichtsbehörde BaFin ein Auge drauf wirft. Über die Börse kann man außerdem noch in offene Fonds, Zertifikate, ETFs und Aktien investieren

Holz-Investment  – riskant und sicher zugleich

"Holzinvestments sind hochspekulativ", warnt daher Renate Daum von der Stiftung Warentest. Nils Weber von der Investmentgesellschaft Deutsche Forst Invest widerspricht: "Waldinvestments sind das sicherste, was es gibt." Beides stimmt – in gewisser Weise.

Viele Pensionsfonds in den USA und Stiftungsfonds von Universitäten, zum Beispiel die Elite-Unis Harvard und Yale, haben in Wald investiert, in Spitzenzeiten bis zu 15 Prozent ihrer Anlagegelder. "Derzeit sind das beispielsweise beim Harvard Endowment Fund 10 Prozent seiner Anlagegelder", wie Weber weiß. Auch wenn im Zuge der Subprime-Krise weniger Häuser gebaut wurden, was auf den Holzpreis drückte, spricht das nicht generell gegen ein Holz-Investment. Der Markt erholt sich bereits wieder. "Holz ist ein hochsicheres Investment", so Weber. "Nur oft nicht die Konstrukte, die dem kleinen Privatanleger angeboten werden."

Genau diesen Punkt hat die Stiftung Warentest im Auge. "Erst in 20 bis 30 Jahren wird sich zeigen, ob das heute angelegte Geld die versprochenen Renditen abwirft", sagt Geldanlageexpertin Daum. "Für die breite Schar der Anleger ist diese Anlageklasse nicht geeignet", sagt auch Bernhard Renger von der Privatbank Hauck & Aufhäuser. Nicht nur, dass sich in dem Bereich viele schwarze Schafe tummeln, die "zum Beispiel mit adelig klingenden Namen beim Anleger Assoziationen wie Tradition und Seriosität wecken", warnt Renger. Auch bei weißen Schafen ist Vorsicht angebracht, weil ein Direktinvestment nicht dem normalen Anlegerinteresse entspricht.

Erträge in den ersten Jahren? Fehlanzeige

"Das hängt mit der ganz natürlichen Entwicklung der Waldparzelle zusammen, sie bietet nämlich keinen laufenden Ertrag", erklärt Renger im Interview mit boerse.ARD.de. "Angenommen, Sie kaufen eine gerade aufgeforstete Fläche. Dann gibt es ein erstes Ausforsten nach acht bis zehn Jahren." Rendite bringt das noch nicht, es deckt bestenfalls die Kosten. Ein zweites Ausforsten nach 12 bis 15 Jahren bringt ein bisschen Ertrag. Und erst nach 20 bis 25 Jahren kann der Wald komplett fällen und der Gewinn eingefahren werden – wenn alles gut geht.

Rengers Fazit: Solche Anlageformen sind nur etwas für Großanleger, denen es nicht um Wertzuwachs geht, sondern in erster Linie darum, ihr Vermögen vor Inflation zu sichern. Für den normalen Kleinanleger ist das nichts. Der will regelmäßige Erträge und nicht erst nach Jahren des Wartens.

"Ein großes Risiko ist die Illiquidiät des Investments", gibt Weber von der Deutsche Forst Invest zudem zu bedenken. Anleger binden sich für 20 oder 30 Jahre. Wollen sie früher raus und ihr Geld zurück, sind sie darauf angewiesen, dass der Anbieter das Investment zurücknimmt. Aber ob er das tut und zu welchem Preis, dafür gibt es keine Garantie.

Patrick Müller hat damit schlechte Erfahrungen gemacht. Durch negative Berichte über seinen Anbieter aufgeschreckt, kam er zu dem Schluss: "Das sind ziemliche Strolche." Als er genauere Informationen zu seinem Investment wollte, wurde der Anbieter ungemütlich, versuchte ihn einzuschüchtern mit bösen Briefe vom Anwalt. Müller wehrte sich, nahm sich auch einen Anwalt. Am Ende erstritt er über einen Vergleich 85 Prozent seiner Anlagesumme zurück. Er kam also noch mit einem blauben Auge davon. Sein Fazit zu Baum-Direktinvestments: "Nie wieder!"

Es gibt etliche graue und schwarzen Schafe in der Branche. Risiken wie Brand, Orkan, Pilz und Borkenkäfer kommen noch on top – Totalverlust inklusive. Mehr dazu in Teil 2: Kleinanleger auf dem Holzweg