Neues aus dem Hause Reich Reich im Puff

von Julian Herbst

Stand: 15.01.2019, 14:12 Uhr

Not macht erfinderisch. Um an frisches Anleger-Geld zu kommen, geht die Heidenheimer Unternehmensgruppe um Wolfgang Wilhelm Reich nun neue Wege. Im Rotlicht-Milieu.

Reich hat dafür seinen "KK Immobilien Fonds III AG & Co KG a. A." in "redrooms AG & Co. KG, a. A." umbenannt und bietet Investoren an, Miteigentümer eines Bordells zu werden. Um Anleger richtig heiß zu machen, verspricht das Unternehmen den künftigen Bordell-Besitzern eine anzügliche Rendite: 6,9 Prozent pro Jahr.

Ansonsten sind auf "kauf-dir-dein-bordell.de" nicht besonders viele Informationen zu finden. Die Aufmachung erinnert aber stark an Betrugsgeschichten wie bei Petromove, wo Anlegern ähnliches versprochen wurde.

Vorbestraft und streitlustig

Aber auch die Vorgeschichte des wegen Marktmanipulation, unrichtiger Darstellung und falscher Angaben verurteilten Heidenheimer Investors Wolfgang Wilhelm Reich ist wenig vertrauenerweckend, wie wir in unserer ausführlichen multimedialen Reportage beschrieben haben, die im Oktober mit dem Ernst-Schneider-Preis ausgezeichnet wurde.

Mit mehreren eigens gegründeten AGs hat er andere Aktiengesellschaften übernommen und deren Vermögen in den Zweigen seines Firmennetzes verschwinden lassen - so die Theorie einiger Kleinaktionäre. Was wirklich in den Gefilden des Reichs und seiner Strohmänner und -frauen geschieht, ist aber schwer zu beurteilen. Seit Jahren gibt es keine vernünftigen Hauptversammlungen mehr, die die Aktionäre aufklären könnten.

Für geprellte Anleger ist das ein großes Problem, für die Reich-Gruppe weniger. Sollte der umbenannte KK Immobilienfonds III scheitern, stünden noch die KK Immobilienfonds I, II und IV bereit für neue, zwielichtige Unternehmungen. Und natürlich noch die vier Dutzend anderen Reich-Gesellschaften.

Schlammschlacht bei Karwendelbahn geht weiter

Akten beim Amtsgericht München. | Bildquelle: boerse.ARD.de

Die Heidenheimer Familie beschäftigt weiterhin Justiz, Anlegerschützer, Kleinaktionäre und vor allem die Gemeinde Mittenwald. Seit die "Reich-Gruppe" durch eine andere Gesellschaft Hauptaktionär der Karwendelbahn ist, geht es dort drunter und drüber: Hauptversammlungen finden kaum statt und wenn, dann sehr chaotisch. Auf dem Posten des Betriebsleiters wird ständig gewechselt.

Die "Reich-Gruppe", die auch den Vorstand der Karwendelbahn stellt, liefert sich eine nicht enden wollende Schlammschlacht mit der Gemeinde - vor allem mit Bürgermeister Adolf Hornsteiner. Die Reich-Gruppe überhäuft die Gemeinde, für die die Bahn von großer touristischer Wichtigkeit ist, und ihren Bürgermeister mit immer neuen und schwerwiegenden Vorwürfen.