Piktogramme zu Regelungen und Vorschriften

Studie des SAFE-Instituts Regulierung macht Finanzmärkte stabiler

Stand: 15.03.2019, 16:30 Uhr

Sind die Banken heute sicherer und besser gerüstet gegen Finanzkrisen? Eine Gruppe von Frankfurter Wirtschaftsforschern meint ja. Die Regulierungsflut in den letzten zehn Jahren habe die Geldinstitute widerstandsfähiger gemacht.

Die Forscher des SAFE-Instituts an der Frankfurter Goethe-Universität unter Federführung der Professoren Rainer Haselmann, Jan Krahnen und Mark Wahrenburg haben Bilanzdaten von 858 deutschen Banken im Zeitraum von 2010 bis 2016 untersucht. Ihr Fazit: Deutschlands Geldinstitute sind heute besser in der Lage, mögliche Risiken zu verkraften. "Die Wahrscheinlichkeit von Verlusten, die das Eigenkapital der Banken übersteigt, ist gesunken", heißt es in der im Auftrag des Bundesfinanzministeriums erstellten Studie.

"Maßnahmen wirken"

Die aus der Finanzkrise gezogenen Lehren, insbesondere die verschärften Regeln für Banken hätten sich bewährt. "Die Maßnahmen wirken", meint Finanzwissenschaftler Rainer Haselmann, einer der Autoren der Studie. Seiner Einschätzung nach habe sich die Stabilität im Finanzsektor verbessert.

Die Auffassung vieler Banken, die von Regulierungswahnsinn sprechen und diesen als Grund für ihre Probleme anführen, teilen die Frankfurter Wirtschaftsforscher nicht. "In diese Bewertung werden zum Teil aber auch Dinge wie die Niedrigzinsen oder Trends wie Digitalisierung, die das Filialgeschäft weniger profitabel machen, mit rein gemischt", meint Haselmann.

Für Entschlackung der Vorgaben

Gleichwohl geben die Autoren der Studie zu, dass die Regulierungskosten sehr hoch sind - gerade für kleinere Institute. Sie plädieren deshalb für eine Entschlackung mancher Vorgaben. "Angesichts der Vielzahl der Maßnahmen ist es angezeigt zu überprüfen, in welchen Bereichen man Regulierung vereinfachen kann", sagte Haselmann. "Man könnte zum Beispiel die Komplexität zurückführen, indem man für Banken Anreize schafft, in gewissen Kennzahlen einen Wert freiwillig zu übersteigen - zum Beispiel beim Eigenkapital - und diese Institute dann an anderer Stelle entlasten."

Banken müssen heute deutlich dickere Eigenkapitalpolster haben, um für mögliche Schieflagen vorzusorgen. Institute in Not sollen in der Regel nicht mehr mit Steuermilliarden gerettet werden. Verschärft wurden auch die Regeln für die Auszahlung von Boni, damit Banker nicht wegen falscher Anreize mehr riskante Geschäfte machen.

Abwicklungsregime noch nicht geklärt

In einigen Bereichen gebe es noch Reformbedarf, meinen die Autoren: etwa bei einer europaweit einheitlichen Regulierung der Risiken von Staatsanleihen oder beim Umgang mit sogenannten notleidenden Krediten, also Krediten, bei denen die Schuldner Schwierigkeiten mit der Rückzahlung haben. Zudem sei "noch nicht eindeutig genug geregelt, dass Banken in Schieflage nicht mehr mit Steuergeldern gerettet werden", sagte Haselmann. "Das System zur Abwicklung von Instituten muss noch nachgeschärft werden. Eine Trennung von Staat und Banken halten wir für ganz wichtig."

Ein Fragezeichen machen die Studienautoren auch hinter die Sinnhaftigkeit der regelmäßigen großangelegten Krisentests für Europas Banken unter Federführung der Bankenaufsicht EBA. "Wir halten es für geboten, den EBA-Stresstest klar zu hinterfragen", sagte Haselmann. "Diese Tests sind extrem aufwendig und am Schluss ist die Aussagekraft der Ergebnisse solcher Szenarien immer sehr fraglich - gerade was die Vergleichbarkeit der einzelnen Ländern angeht."

Das Problem der notleidenden Kredite

Als zentrales Risiko für die Stabilität des europäischen Bankensektors sehen die Forscher des SAFE-Instituts die weiterhin hohen Bestände an notleidenden Krediten. Im dritten Quartal 2018 lag er in der gesamten EU bei 820 Milliarden Euro. Das sind gut drei Prozent des Gesamtbestands, schreibt die "Frankfurter Allgemeine Zeitung".

Bankenverband fordert Reform von MiFID II

Die Banken selbst halten die Regulierungsmaßnahmen als Lehre aus der Finanzkrise für überzogen. Besonders verärgert ist der Bundesverband deutscher Banken über die neuen Anlegerschutz-Regeln, vor allem die EU-Finanzmarktrichtlinie MiFID II. "Die Richtlinie ist ein Ärgernis für die Kunden, ein Alptraum für die Kreditinstitute und erweist der Wertpapierkultur in Deutschland einen Bärendienst", kritisiert Hauptgeschäftsführer Andreas Krautscheid. Er fordert eine Nachbesserung der Richtlinie. Die Kunden fühlen sich überfordert und verunsichert. Viele Anleger wollten selbst entscheiden, ob sie bestimmte Informationen brauchen oder nicht.

nb