Grauer Kapitalmarkt Petromove: 12 Prozent Rendite an der Zapfsäule?

Stand: 18.03.2014, 16:39 Uhr

Rechtlich könnte es eng werden

Petromove-Geschäftsführer Matthias Oberli

Petromove-Chef Matthias Oberli. | Bildquelle: Daniel Moßbrucker, boerse.ARD.de

Sollte Petromove tatsächlich keinen Wertpapierprospekt bei der BaFin hinterlegt haben, könnten Anleger mit berechtigter Hoffnung juristisch gegen die Gesellschaft vorgehen. "Wenn ich verpflichtet bin, einen Verkaufsprospekt zu erstellen, das aber nicht mache, dann mache ich mir hier unter Umständen auch schadensersatzpflichtig", sagt der Frankfurter Anwalt für Kapitalmarktrecht Andreas M. Lang.

Auch die Verwendung des Tanklaster-Fotos auf der Website hält Lang für problematisch. "Das ist ein bewusstes Vorspielen falscher Tatsachen und da streift man den Bereich des Betruges. Natürlich nimmt ein Anleger solche Fotos zum Anlass, diese Gesellschaft zu bewerten und letztlich auch seine Anlageentscheidung daraufhin auszurichten."

Petromove Videostartbild Lang
Video

"Anleger sollten da auf die Bremse treten": Der Frankfurter Anwalt für Kapitalmarktrecht, Andreas M. Lang, über hohe Rendite-Versprechen.

Als wir Petromove um eine Stellungnahme bitten, stimmt CEO Matthias Oberli einem Interview zu. Er empfängt uns an seiner neuesten Tankstelle in Erlinsbach. Auch hier kein Shop, sondern zwei Zapfsäulen, die automatisch betrieben werden. Oberli empfängt uns in feinem Anzug mit rosafarbenem Hemd und lila Krawatte. Auf den Ärmel seines Hemdes sind seine Initialen "M. O." gestickt. "Wir möchten transparent sein, wir möchten offen sein, wir möchten anders sein", sagt Oberli über Petromove. So ausführlich er seine Petromove-Vision erklärt, so schmallippig wird er jedoch, wenn er mit den Vorwürfen um die Aktienverkäufe angesprochen wird:

Petromove-Geschäftsführer Matthias Oberli

Petromove-Chef Matthias Oberli. | Bildquelle: Daniel Moßbrucker, boerse.ARD.de

boerse.ARD.de: Womöglich hätte Petromove einen sogenannten "Börsenprospekt" bei der BaFin in Frankfurt hinterlegen müssen, wenn sie deutsche Anleger ansprechen will. Wussten Sie das?

Matthias Oberli: "Kann ich nichts dazu sagen.“

boerse.ARD.de: Sie schreiben in Ihrem Research Report, dass Sie den Unternehmenswert von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft "Ernst & Young" haben prüfen lassen. Darin haben Sie für 2021 einen Unternehmenswert skizziert bekommen, den Sie teilweise auch schon als den aktuellen ausgeben. Wie kommt das?

Matthias Oberli: "Da will ich nichts dazu sagen."

boerse.ARD.de: Als wir das Foto vom Tanklaster gesehen haben, haben wir uns gefragt, warum eine Tankstellenkette mit elf Tankstellen so einen großen Laster hat. Ist es nicht problematisch, den Tanklaster auf ihrer Homepage einzublenden, obwohl es ein Agenturfoto ist und der Laster Ihnen nicht gehört?

Matthias Oberli: "Ich muss Ihnen ehrlich gesagt sagen, dass ich nicht ganz glücklich bin mit dieser Lösung. Jetzt müssen wir das Rad noch einmal ein Jahr zurückdrehen, als das alles entstand: Wir hatten dort einfach zu viel zu tun. Und wir mussten, damit wir auf uns aufmerksam machen, eine Homepage haben. Wir mussten etwas haben, aber die Tankstellen waren noch nicht im rechten Brand. (...) Wenn wir nicht als kleiner Player unter den großen Haifischen laut brüllen, werden wir nicht gehört."

boerse.ARD.de: 9,3 Prozent haben Sie für 2013 versprochen, 2014 sogar zwölf oder mehr Prozent Rendite - wie schaffen Sie das?

Matthias Oberli: "Generell muss man beachten, dass der Unternehmer, Investor oder Interessent direkt in das Unternehmen investiert und damit auch in die Performance. Das Ziel, das wir ausgegeben haben, sind 50 Tankstellen bis 2017. Wenn wir davon ausgehen, dass jede Tankstelle ‚plus minus’ den gleichen Ertrag bringt und somit die Ertragsbasis weiter verbessert, dann gehen wir davon aus, dass sich der Unternehmenswert zu heute um etwa 50 Prozent steigern wird. Das heißt in den nächsten vier Jahren im Schnitt bei circa 12 bis 13 Prozent."

Die Nachfragen von boerse.ARD.de und plusminus haben Matthias Oberli aber offensichtlich nachdenklich gemacht. Am 18.03.2014, einen Tag vor der plusminus-Sendung, erreicht die Redaktion eine Mail. Darin heißt es: "Ich möchte Sie hiermit informieren, dass wir nach Ihrem Besuch bei uns die Landingpage unter www.petromove-invest.ch angepasst haben." Und in der Tat: Die 12 Prozent Rendite sind verschwunden.

Grauer Markt nichts für Privatanleger

Die Geschichte von Petromove offenbart, wie einfach es unseriöse Unternehmen auch 2014 noch haben, Anlegern auf dem grauen Kapitalmarkt ihr Vermögen zu entlocken. Anlegerschützer warnen, dass Privatleute von OTC-Aktien die Finger lassen sollten. "Solche Aktien sind für Kleinanleger ungeeignet", heißt es von der Schweizer Stiftung für Konsumentenschutz.

Der Gesetzgeber tat nach Ausbruch der Finanzkrise trotz öffentlicher Bekundungen wenig, den Markt zu regulieren. Die bekannteste Maßnahme war die Einführung der Prospektpflicht 2012. Kritiker bemängeln jedoch, dass die BaFin die Prospekte nicht inhaltlich auf Seriosität und Plausibilität prüft, sondern nur formal. "Wir fordern, dass die BaFin finanziell so ausgestattet wird, dass sie auch die Struktur des Unternehmens sowie die inhaltlichen Angaben des Prospektes prüfen kann. Momentan ist die Prüfungstätigkeit der BaFin eigentlich nur ein zahnloser Papiertiger", sagt der Anwalt Andreas Lang.

Mit stärkerer Regulierung wären Sätze, wie sie Petromove auf seiner Website schreibt, dann vielleicht ernstzunehmender als bisher: "Partnerschaftlich und transparent unseren Investoren verpflichtet, steuern wir konsequent und kontinuierlich in eine erfolgreiche Zukunft."

Alle Kommentare (4)

Kommentar von "Vorbeifahrer" am 22.04.2014, 12:44 Uhr

Hatte, nach dem ich den Artikel schon vor einigen Wochen gelesen habe, das Vergnügen, in der Nord-West-Schweiz unterwegs zu sein. Echt lustig, da gibt's echt die Petromove-Tankstellen, jedoch mit Mini-Shop bis gar keinen. Die Zapfsäulen sehen zwar hübsch aus, los ist nix. Potential sieht anders aus :-).

Kommentar von "Alex" am 11.04.2014, 18:14 Uhr

Ich finde gar kein Impressum ?????? auf der Webseite von Petromove

Kommentar von "GeDi" am 24.03.2014, 18:03 Uhr

"Red Bull kann fliegen" Liebe Redaktion, nach dieser Werbung habe ich dieses Getränk getrunken und bin aus der 5 Etage gesprungen. Leider stimmte die Werbung nicht...Bitte klären sie die Bevölkerung darüber auf!!! Auf der einen Seite möchte der Mensch seine Freiheiten haben, zum anderen möchte er, wenn was schief geht, bedauert und gerettet werden. Also bei allem Respekt: Verantwortung übernehmen...

Kommentar von "Michael Wanger" am 20.03.2014, 11:16 Uhr

Wenn Sie das Impressum der Homepage überprüfen und zur Homepage der Firma APPAG gelangen, erleben sie ein weiters Wunder (http://www.appag.ch)!

1

Mein Kommentar

Die Kommentarfunktion ist deaktiviert. Es können leider keine weiteren Kommentare abgegeben werden.