P&R Container-Schriftzug

Insolvenzverfahren P&R-Gründer soll eine Milliarde zahlen

Stand: 24.05.2019, 17:35 Uhr

Im Insolvenzverfahren über das Privatvermögen des Gründers der P&R-Gruppe belaufen sich die Forderungen der 1.500 Gläubiger auf rund eine Milliarde Euro - Geld, das der inhaftierte Gründer nicht hat.

Die Gläubiger können deshalb nur auf einen Bruchteil der geforderten Summe hoffen. Denn der seit gut einem Jahr in Untersuchungshaft sitzende P&R-Gründer und langjährige Geschäftsführer Heinz Roth (76) ist zwar wohlhabend, aber kein Milliardär: Der Manager hatte sein Vermögen im vergangenen Jahr auf 12 bis 13 Millionen Euro beziffert.

Dementsprechend haben die Gläubiger lediglich eine "marginale Quote" zu erwarten, wie der Sprecher der Kanzlei mitteilte. Roth hat sein Geld hauptsächlich in Immobilien in Deutschland, Österreich und auf der Karibikinsel St. Barth angelegt.

Erste Vermögenswerte gesichert

Erste Vermögenswerte seien sicher gestellt worden, teilte der Insolvenzverwalter mit. So gelang es unter anderem, eine Schenkung von wertvollen Grundstücken an nahestehende Personen erfolgreich anzufechten und nach Einleitung eines gerichtlichen Verfahrens eine Rückübertragung des Eigentums durchzusetzen. Dadurch konnte eine erhebliche Mehrung der Masse bewirkt werden. Die endgültige Schadenssumme ist noch ungeklärt, doch könnte die P&R-Pleite der größte Betrugsfall der deutschen Nachkriegsgeschichte sein.

Im März hatte der Insolvenzverwalter gesagt, die Gläubiger müssten mit einer niedrigen Quote von deutlich unter einem Prozent rechnen. Auch brauchen sie einen langen Atem: Die Abwicklung des Unternehmens werde sich über Jahre hinziehen.

Verdacht auf Schnellballsystem

Vor der Insolvenz im Frühjahr 2018 hatten 54.000 Anleger gut 3,5 Milliarden Euro bei dem Unternehmen angelegt, das sein Geld mit dem Verkauf und der Vermietung von Schiffscontainern verdiente. Von den 1,6 Millionen auf dem Papier verkauften Containern existieren jedoch nur gut 600.000 - der Rest waren Scheingeschäfte, für die die Anleger jedoch echtes Geld gezahlt hatten.

Die Münchner Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen Roth wegen gewerbsmäßigen Betrugs erhoben. Heinz wird verdächtigt, P&R über viele Jahre hinweg als Schneeballsystem betrieben zu haben. Offenbar war die Gruppe nach der Weltwirtschaftskrise 2008 in eine Abwärtsspirale geraten, die nach außen kaschiert wurde. Die Insolvenzverwalter hoffen, bis Ende 2021 insgesamt 560 Millionen Euro sichern zu können - und in den Folgejahren noch weitere Beträge.

lg