Zwei Männer, die nur als Silhouette zu sehen sind, im Gespräch

Umstrittene Aktienkäufe Metro und Ceconomy im Visier der Justiz

Stand: 19.12.2017, 09:29 Uhr

Wenn Top-Manager Aktien kaufen, bevor sich der Kurs kräftig bewegt, kann es heikel werden. Immer häufiger ermitteln Aufseher und Staatsanwälte wegen des Verdachts auf Insiderhandel oder Marktmanipulation. So auch bei Metro wegen angeblicher Insidergeschäfte vor der Aufspaltung.

Seit Wochen beschäftigt sich die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft mit dem Geheimprojekt "Tomorrow" von Metro. Unter diesem Codenamen soll die Metro-Spitze monatelang die Teilung des Düsseldorfer Handelskonzerns diskutiert und vorbereitet haben. Von September 2015 bis Ende Januar 2016 sollen Metro-Chef Olaf Koch, Vorstandskollege Pieter Haas und zwei weitere Top-Manager die Planungen vorangetrieben haben, berichtete unlängst das "Handelsblatt". Anfang Februar wurde der Kreis der Informierten erweitert. Einem früheren Bericht zufolge soll Finanzvorstand Mark Frese bereits im Herbst 2015 von den Plänen unterrichtet gewesen sein und im Dezember den neuen Aufsichtsratschef Jürgen Steinemann eingeweiht haben.

Was wusste Steinemann vor seinem Millionen-Kauf?

Am 22. Februar 2016 kaufte Steinemann für mehr als eine Million Euro Aktien von Metro. Vier Tage später orderte auch Metro-Vorstand Pieter Boone Aktien - für freilich nur rund 50.000 Euro.

Gut fünf Wochen später platzte die Bombe. Ende März gab Metro per Ad-hoc-Mitteilung bekannt, dass es die Spaltung in zwei Teile prüfen will - in das Elektronikgeschäft unter dem Dach von MediaSaturn (künftig Ceconomy) sowie in das herkömmliche Einzelhandelsgeschäft mit den Real-Supermärkten und den Großhandelsaktivitäten. Prompt sprang der Kurs um zwölf Prozent nach oben.

Der oberste Chefaufseher Steinemann war mit einem Schlag um 170.000 Euro reicher. Auch Boone hatte ein paar mehr tausend Euro im Depot. Das rief einige Neider auf den Plan. Auf der Hauptversammlung im Februar 2017 fragten mehrere Aktionäre Steinemann, ob er vor seinen Mega-Aktienkäufen von der bevorstehenden Spaltung gewusst habe.

Metro-Aufsichtsrat nicht vorab informiert

Der Aufsichtsratschef beteuerte, zum Zeitpunkt seiner Aktienkäufe keinerlei Insiderinformationen gehabt zu haben. Mit seinem Millionen-Investment habe er demonstrieren wollen, dass er an den Erfolg der Metro glaube. Der Aufsichtsrat sei von den Spaltungsplänen Ende März informiert worden, erklärte Metro.

Das wollte ein Aktionär nicht glauben. Er alarmierte die Börsenaufsicht BaFin. Diese fand Anhaltspunkte für einen Verdacht auf Insiderhandel. Der Fall wurde an die Staatsanwaltschaft Düsseldorf weitergegeben. Die Richter gehen seither dem Vorwurf nach, dass zwei Metro-Manager – angeblich Steinemann und Boone - und ein von einem Metro-Mitarbeiter informierter Außenstehender Insidergeschäfte getätigt haben könnten. Bei letzterem soll es sich um einen Kapitalmarktexperten von Metro gehandelt haben, der sein Wissen an seinen Vater weitergab, der dann Metro-Aktien kaufte. Inzwischen ist der Manager bis zur Aufklärung der Vorwürfe freigestellt. "Es gilt die Unschuldsvermutung", heißt es bei Metro.

Verdacht auf Marktmanipulation

Außerdem ermitteln die Düsseldorfer Staatsanwälte wegen des Verdachts auf Marktmanipulation. Es bestünden Anhaltspunkte, dass das Unternehmen die Ad-hoc-Mitteilung über die geplante Aufspaltung des Konzerns zu einem früheren Zeitpunkt hätte veröffentlichen müssen. Die Vorwürfe richten sich hier gegen den gesamten fünfköpfigen Metro-Vorstand um den jetzigen Vorstandschef Olaf Koch und Pieter Haas, der die abgespaltene Ceconomy (MediaSaturn) führt.

"Die Untersuchung hart uns alle überrascht", sagte Metro-Chef bei der Jahrespressekonferenz vor einer Woche. Alle, die von den Aufspaltungsplänen wussten, hätten sich mehrfach rechtlich abgesichert und vergewissert, dass sie bei der Ankündigung alle Regularien beachten. Als Steinemann und Boone Metro-Aktien gekauft hatten, sei die Aufspaltung des Konzerns noch nicht beschlossen gewesen, versichert Koch.

Immer mehr Ermittlungen der BaFin gegen Top-Manager

Die Ermittlungen gegen die Metro-Manager, die die Staatsanwälte noch einige Monate beschäftigen dürften, sind längst kein Einzelfall. Die BaFin berichtete unlängst über einen Anstieg der Untersuchungen wegen Insiderhandels und Marktmanipulation. 2016 nahm die Zahl der Ermittlungen wegen des Verdachts auf Insiderhandel über 20 Prozent zu. So untersuche die Finanzaufsicht die Aktiengeschäfte von Deutsche-Börsen-Chef Carsten Kengeter. Er kaufte im Dezember 2015 für 4,5 Millionen Euro Aktien des Börsenbetreibers zwei Monate bevor die Fusionsgespräche mit der Londoner Börse bekannt gegeben wurden. Die Aktie sprang daraufhin nach oben. Zwar hat sich der Verdacht des Insiderhandels bis heute nicht erhärtet. Weil der öffentliche Druck aber so groß wurde, kündigte Kengeter freiwillig seinen Rückzug an. Der Nachweis von Insider-Deals ist immer noch sehr schwer. 2016 gab es nur zwei Gerichtsurteile wegen Insiderhandels in Deutschland.

Metro und Ceconomy

Metro und Ceconomy. | Bildquelle: Unternehmen, Grafik: boerse.ARD.de

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