Firmengebäude Flowtex

Insolvenzverfahren vor dem Abschluss Kleiner Trost für Flowtex-Gläubiger

Stand: 22.10.2018, 09:28 Uhr

Vor fast 20 Jahren flog mit den Scheinverkäufen von Flowtex-Bohrmaschinen einer der größten Betrugsfälle in der deutschen Nachkriegsgeschichte auf. Nun bekommen die Gläubiger des insolventen Unternehmens einen kleinen Teil ihres Geldes zurück.

Das zentrale Insolvenzverfahren über das vorhandene Restvermögen der Flowtex Technologie GmbH & Co. KG steht unmittelbar vor dem Abschluss. Das sagte am Wochenende ein Sprecher des Insolvenzverwalters Eberhard Braun der Nachrichtenagentur dpa. "Insgesamt werden aktuell noch einmal knapp 30 Millionen Euro ausgeschüttet."

Fünf Prozent gibt's zurück

Eine erste Vorabzahlung von 35 Millionen Euro hatte es 2005 gegeben. Insgesamt bekommen die Gläubiger damit laut Insolvenzverwalter gut fünf Prozent ihrer anerkannten Forderungen von 1,2 Milliarden Euro zurück. Nach der Ausschüttung kann das Amtsgericht Karlsruhe das im April 2000 eröffnete Insolvenzverfahren abschließen.

Die Flowtex-Gruppe aus der badischen Kleinstadt Ettlingen am Fuße des Schwarzwalds galt in den 1990er Jahren als Vorzeigeunternehmen. Sie verkaufte Horizontal-Bohrmaschinen, mit denen angeblich Rohre ohne aufwendige Grabung unter der Erde verlegt werden konnten. Der Haken: Die Bohrmaschinen existierten nur auf Papier. Banken und Leasing-Gesellschaften wurden systematisch betrogen.

Gigantisches Schneeballsystem

Mehr als 3.000 der wundersamen Spezialbohrmaschinen wurden für jeweils 1,5 Millionen D-Mark an Leasing-Firmen verkauft. Als Leasingnehmer trat ein anderes Unternehmen der Flowtex-Gruppe auf. Die fälligen Leasingraten finanzierte Flowtex mit den Einnahmen aus dem Verkauf von immer mehr nicht vorhandenen Maschinen.

Das gigantische Schneeballsystem flog im Frühjahr 2000 auf. Das Landgericht Mannheim bezifferte den Gesamtschaden in den Strafprozessen gegen Firmenboss Manfred Schmider ("Big Manni") und dessen Kollegen auf über zwei Milliarden Euro. In Baden-Württemberg sorgte der Skandal für ein kleines politisches Beben. Im Zuge der Affäre mussten zwei FDP-Minister zurücktreten, darunter der Wirtschaftsminister Walter Döring.

Manfred Schmider

Flowtex- Manfred Schmider. | Bildquelle: (c) dpa

Der Insolvenzverwalter zeigt sich zufrieden über die Millionen-Ausschüttungen. "Im Schnitt liegen die Insolvenzquoten über alle Insolvenzverfahren in Deutschland bei drei bis fünf Prozent", sagte der Sprecher des Insolvenzverwalters Braun. "Wir liegen also beim Unternehmensinsolvenzverfahren Flowtex am oberen Rand des Durchschnitts."

Verschob "Big Manni" Vermögen in die Schweiz?

Die Drahtzieher des milliardenschweren Betrugsgeschäfts waren die beiden FlowTex- Chefs Manfred Schmider ("Big Manni") und Klaus Kleiser. Beide wurden nach Bekanntwerden des Skandals zu hohen Haftstrafen von nahezu zwölf Jahren verurteilt. Auch andere Beteiligte mussten ins Gefängnis.

Schmider selbst musste sich in den vergangenen Jahren weiteren Gerichtsverfahren stellen. Zuletzt in der Schweiz. Dort wird ihm vorgeworfen, zusammen mit seiner damaligen Frau teure Güter wie Gemälde, Yachten oder Häuser dem Zugriff der Steuerbehörden entzogen zu haben. Das zweite große Insolvenzverfahren von Flowtex zum persönlichen Vermögen von "Big Manni" ist noch nicht beendet.

nb