Audio

Abgasskandal Kartellvorwürfe befeuern VW-Klagen

Stand: 26.07.2017, 14:28 Uhr

Die jüngsten Kartellvorwürfe gegen die deutschen Autobauer befeuern auch die Klagen gegen den VW-Konzern. Die Aktionäre werfen dem Autobauer vor, sie nicht rechtzeitig über die Risiken aus dem illegalen Tun informiert zu haben.

"Die Volkswagen-Aktionäre rufen jetzt an und sagen 'jetzt reichts'", sagte Marc Tüngler von der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW) am Mittwoch in Frankfurt. Nach langem Zögern entschlössen sie sich, sich dem in Braunschweig anhängigen Musterverfahren gegen Volkswagen wegen des Dieselskandals anzuschließen.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
147,72
Differenz relativ
-1,32%

Bislang sind in Braunschweig rund 1.400 Schadenersatzklagen anhängig, der Streitwert beläuft sich auf mehr als acht Milliarden Euro. Diese Summe werde steigen, sagte DSW-Vizepräsident Klaus Nieding, dessen Anwaltskanzlei selbst zahlreiche Kläger vertritt. Um Ansprüche im Rahmen des Musterverfahrens anzumelden, haben Anleger noch bis zum 8. September Zeit. Vor dem Fristende würden auch viele institutionelle Anleger noch einmal aktiv, sagte Nieding.

Kartellverdacht könnte weitere Ansprüche begründen

Beim aktuellen Kartellverdacht gegen die führenden deutschen Autokonzerne forderte Tüngler eine schnelle Aufklärung. Erst dann könne geprüft werden, wer überhaupt Ansprüche geltend machen kann. Nach einem Bericht des "Spiegel" sollen sich Daimler, BMW und Volkswagen in mehr als 60 Arbeitsgruppen seit den 90er Jahren über Technik, Lieferanten und Märkte abgesprochen haben. "Sollten sich die Vorwürfe bewahrheiten, werden wir alle juristischen Register ziehen", sagte der DSW-Hauptgeschäftsführer.

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
47,37
Differenz relativ
-0,36%

Einem Insider zufolge haben sowohl Daimler als auch VW Selbstanzeigen eingereicht, wobei die Stuttgarter den Wolfsburgern zuvorkamen. "Wir fragen uns: Wenn es diese Selbstanzeigen gibt, warum wurde dann nicht ad hoc gemeldet?", fragte Tüngler. "Warum steht dazu nichts in den Geschäftsberichten?"

Der BaFin ist der Vorgang immerhin einen Blick wert: "Wir schauen uns den Sachverhalt derzeit an und entscheiden dann, wie wir weiter verfahren", so die Aufsichtsbehörde gegenüber boerse.ARD.de.

Tüngler erwartet bei dem jüngsten Kartellverdacht langwierige Ermittlungen. "Im Lkw-Kartell haben die Ermittlungen fünf, sechs Jahre gedauert."

Die EU-Kommission hatte 2016 gegen vier Lkw-Hersteller Geldbußen in Höhe von knapp drei Milliarden Euro verhängt. Auf Daimler entfiel damals mit rund einer Milliarde der größte Brocken.

rtr/la