Montage der Protagonisten aus dem Reich-Special

Unterlagen beschlagnahmt Durchsuchungen im Hause Reich

Stand: 08.05.2019, 18:04 Uhr

Es tut sich was im Fall der Heidenheimer Unternehmensgruppe um Wolfgang Wilhelm Reich. Durchsuchungen der Staatsanwaltschaft München, ein Pfändungsbeschluss und die Mitnahme von Unterlagen sorgen für Aufsehen.

Das weit verzweigte Firmen-Imperium hält Staatsanwälte, Amtsgerichte, Anlegerschützer, Journalisten und die Gemeinde Mittenwald schon lange in Atem.

Nun gaben drei Unternehmen der Gruppe bekannt, dass am Dienstag in Abwesenheit der Vorstände ihre Büroräume durchsucht worden seien. Sowohl die Beteiligungen im Baltikum AG, die Konsortium AG als auch die Kremlin AG stehen dabei im Fokus.

Am Nachmittag bestätigte die Staatsanwaltschaft München II gegenüber boerse.ARD.de, die Durchsuchungen veranlasst zu haben. Auch weitere Gesellschaften der Reich-Gruppe seien von den Ermittlungen betroffen. Der Tatvorwurf laute "Untreue zum Nachteil der Karwendelbahn AG".

Angeblich keine Durchsuchungsbeschlüsse

Die Beteiligungen im Baltikum AG teilte mit, dass nach erster Sichtung einzelne Ordner der Gesellschaft mitgenommen worden seien. Außerdem liege ein Pfändungsbeschluss in bislang unbekannter Höhe vor. Das Unternehmen weise allerdings ausdrücklich darauf hin, dass weder die Gesellschaft noch der Vorstand diesbezüglich Beschuldigte seien.

Bei der Konsortium AG seien ebenfalls einzelne Ordner eingepackt worden und auch die Kremlin AG teilte die Beschlagnahme von Unterlagen mit. Beide Gesellschaften seien der Meinung, es habe kein Durchsuchungsbeschluss vorgelegen. Dem widersprach die Staatsanwaltschaft München II. "Natürlich" habe es Durchsuchungsbeschlüsse gegeben.

Post von der BaFin

Am Nachmittag teilte die Kremlin AG zudem mit, dass sie Post von der Finanzaufsichtsbehörde BaFin bekommen habe. Darin sei der Verdacht ausgesprochen worden, das Unternehmen habe in mehreren Fällen gegen Finanzberichterstattungspflichten verstoßen sowie Insiderinformationen nicht rechtzeitig oder vollständig veröffentlicht. Das Unternehmen werde nun "mögliche Schritte zu einem Delisting konkret verfolgen".

Vorbestraft und streitlustig

Die Vorgeschichte des wegen Marktmanipulation, unrichtiger Darstellung und falscher Angaben verurteilten Heidenheimer Investors Wolfgang Wilhelm Reich ist wenig vertrauenerweckend, wie wir in unserer ausführlichen multimedialen Reportage beschrieben haben, die im Oktober mit dem Ernst-Schneider-Preis ausgezeichnet wurde.

Mit mehreren eigens gegründeten AGs hat er andere Aktiengesellschaften übernommen und deren Vermögen in den Zweigen seines Firmennetzes verschwinden lassen - so die Theorie einiger Kleinaktionäre. Was wirklich in den Gefilden des Reichs und seiner Strohmänner und -frauen geschieht, ist aber schwer zu beurteilen. Seit Jahren gibt es keine vernünftigen Hauptversammlungen mehr, die die Aktionäre aufklären könnten.

Besonders die Gemeinde Mittenwald liefert sich eine Schlammschlacht mit der "Reich-Gruppe". Seit diese durch eine andere Gesellschaft Hauptaktionär der Karwendelbahn ist, geht es dort drunter und drüber: Hauptversammlungen finden kaum statt und wenn, dann sehr chaotisch. Auf dem Posten des Betriebsleiters wird ständig gewechselt.

Reich im Puff

Reichs Bordell-Werbung. | Bildquelle: Screenshot: kauf-dir-dein-bordell.de

Zuletzt ging das Imperium neue Wege, um an frisches Geld zu kommen. Reich bietet Investoren an, Miteigentümer eines Bordells zu werden. Die künftigen Bordell-Besitzer lockt das Unternehmen mit einer anzüglichen Rendite von 6,9 Prozent pro Jahr.

Ansonsten sind auf "kauf-dir-dein-bordell.de" nicht besonders viele Informationen zu finden. Die Aufmachung erinnert stark an Geschichten wie bei Petromove, wo Anlegern ähnliches versprochen wurde, oder umstrittenen Waldinvestments, vor denen Verbraucherzentralen ausdrücklich warnen.

tb/la