Studien von DSW und EY

Geld zählen
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Wie Rekorde täuschen Fette Dividenden, magere Dividenden

Stand: 22.03.2018, 13:40 Uhr

Jahr für Jahr die gleiche Jubelmeldung: Die Dax-Konzerne schütten Rekordsummen an Dividenden aus. Das täuscht. Die Aktionärsschützer der DSW schauen genauer hin. Eigentlich sieht es für Aktionäre immer schlechter aus.

Natürlich stimmt die Aussage: Deutschlands Börsenschwergewichte schütten in diesem Jahr so viel Geld an ihre Anteilseigner aus wie nie zuvor. 36,1 Milliarden Euro Dividende zahlen die 30 Dax-Konzerne insgesamt an Dividenden, wie das Beratungs- und Prüfungsunternehmen EY errechnet hat. Das sind gut 15 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, wie EY am Donnerstag mitteilte.

20 der 30 Schwergewichte zahlen so viel wie nie zuvor. Spitzenreiter ist Daimler. Der Autokonzern Daimler schüttet 3,9 Milliarden Euro Gewinn aus, zwölf Prozent mehr als im Jahr zuvor. Der Versicherer Allianz liegt mit 3,5 Milliarden Euro Dividende auf dem zweiten Platz. "Der starke Anstieg der Dividendenausschüttung spiegelt die gute Entwicklung der meisten Dax-Konzerne im operativen Geschäft und auch die sehr gute Gewinnentwicklung wider", erläutert Mathieu Meyer, Mitglied der EY-Geschäftsführung. Nur die Commerzbank legt wieder einmal eine Nullrunde ein.

Dividendenquote sinkt

Was diese Studie aber nicht widerspiegelt: Weil die Gewinne der Unternehmen - teils auch dank Sonderfaktoren wie der US-Steuerreform - in Summe stärker stiegen als die Dividenden, sank die Ausschüttungsquote. Sie ging sogar erheblich zurück von 54,9 Prozent im Vorjahr auf nun 37,7 Prozent.

Einer der Hauptkritikpunkte der Aktionärsvereinigung DSW, die auf ihrer heutigen Pressekonferenz die größten Kapitalvernichter vorstellte. Die Ausschüttungsquote gehe "auf breiter Front" zurück, im deutschen Vorzeigeindex Dax wie auch in den Nebenindizes wie MDax, SDax und TecDax.

»Schon in den letzten Jahren wurde die seitens der DSW geforderte Ausschüttungsquote von 50 Prozent über alle Indizes hinweg von etlichen Gesellschaften mehr oder weniger klar verfehlt.«

Klaus Nieding, Vize-Präsident der DSW

Weniger ist mehr

EY-Vertreter Meyer hält die vorsichtige Dividendenpolitik dagegen für vernünftig - einfach mit Blick auf die ungewisse Zukunft: "In vielen Branchen stehen erhebliche Investitionen in den Umbau von Geschäftsmodellen und die Entwicklung neuer Technologien an." Dafür seien ausreichend Finanzmittel nötig.

Angesichts der guten Konjunktur spreche jedoch einiges für weiter steigende Gewinne und damit steigende Ausschüttungen, prognostizierte Meyer. Das Plus werde aber nicht mehr so stark ausfallen wie in diesem Jahr.

Die Großen sind großzügiger

Zweiter Kritikpunkt der DSW: Während die großen Dax-Konzerne noch recht großzügig sind bei ihrer Ausschüttungspolitik, knausern die kleineren Firmen aus der zweiten Reihe ihre Anteilseigner. Entweder wollen sie die Anteilseigner nicht an ihren Gewinnen teilhaben lassen, oder sie haben schlicht kein Geld, das sie ausschütten könnten.

Insgesamt rechnet die DSW mit etwa 50 Milliarden Euro Dividenden für die Aktionäre deutscher Aktiengesellschaften. Nur etwa 15 Milliarden steuern die Unternehmen aus der zweiten Reihe dazu bei.

Kapitalvernichter so gar nicht "prime"

Dividenden sind die eine Sache, Kurse die andere. Und da mussten Anleger bei einigen Aktien eine längere Durststrecke überstehen. Die DSW hat auf ihrer heutigen Pressekonferenz die größten Kapitalvernichter unter Deutschlands Aktiengesellschaften angeprangert. Negativer Spitzenreiter war der angeschlagene Möbelkonzern Steinhoff mit einem Minus von rund 94 Prozent binnen eines Jahres.

Auf den vorderen Plätzen der Negativliste stehen ansonsten der Telefonauskunftanbieter 11 88 0 Solutions und der Solarindustriezulieferer Singulus. Mehr dazu in unserer Chartserie.

bs

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Was heißt hier eigentlich Prime? DSW-Watchlist: Die größten Geldvernichter

<b>Der größte Flop: Steinhoff</b><br />Ganz oben auf der Negativliste der DSW steht die Aktie von Steinhoff, die bis vor kurzem noch im MDax notiert war. Der Kurs brach im vorigen Jahr um 94 Prozent ein. Der Möbelkonzern, zu dem unter anderem die Poco-Kette gehört, steht wirtschaftlich auf der Kippe. Die Aktie war auch im Drei-Jahres-Vergleich der größte Wertvernichter. Nur im Fünf-Jahres-Zeitraum gibt es ein noch schlechteres Papier.: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum 5 Jahre

Der größte Flop: Steinhoff
Ganz oben auf der Negativliste der DSW steht die Aktie von Steinhoff, die bis vor kurzem noch im MDax notiert war. Der Kurs brach im vorigen Jahr um 94 Prozent ein. Der Möbelkonzern, zu dem unter anderem die Poco-Kette gehört, steht wirtschaftlich auf der Kippe. Die Aktie war auch im Drei-Jahres-Vergleich der größte Wertvernichter. Nur im Fünf-Jahres-Zeitraum gibt es ein noch schlechteres Papier.