Bilanzpolizei-Kelle, im Hintergrund Zahlen auf Rechnungsrolle

Was tut die Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung (DPR)? Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser

Stand: 20.06.2017, 14:09 Uhr

Nur weil dieser Satz von Lenin stammt, muss er nicht falsch sein: Die DPR, die sogenannte Bilanzpolizei, sorgt dafür, dass sich die Unternehmen bei der Bilanzierung an die Regeln halten. Und es gibt einige prominente Fehler-Fälle.

Seit nunmehr zwölf Jahren kümmert sich die Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung (DPR) um die Prüfung von Unternehmensbilanzen. Gegründet wurde die DPR, die als eingetragener Verein privatrechtlich organisiert ist, im Jahr 2005. Zu den 17 Vereinsmitgliedern zählen beispielsweise der Bundesverband Deutscher Banken, das Deutsche Aktieninstitut, die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger und der Bundesverband der Deutschen Industrie.

Vorstandsvorsitzender der DPR ist seit Mai 2016 Rolf Pohlig. Als ehemaliger Finanzvorstand von RWE weiß Pohlig auch aus der Innenperspektive, wie die Konzerne arbeiten. Sein Vorgänger Werner Brandt war zuvor Finanzvorstand bei SAP gewesen.

Die Anleger vor Skandalen schützen

Dr. Rolf Pohlig

Dr. Rolf Pohlig, der Vorstandsvorsitzende der DPR. | Bildquelle: Imago

Die Ziele der DPR sind schnell zusammengefasst: Sie soll das Vertrauen in das Funktionieren des Kapitalmarkts und der Richtigkeit der Rechnungslegung stärken sowie für Transparenz sorgen. Schließlich ist das Vertrauen der Investoren leicht zu erschüttern und schwer wieder aufzubauen, wie die Erfahrungen der Vergangenheit zeigen.

Denn gerade in den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts riss die Flut von schlechten Nachrichten nicht ab. Die mit krimineller Energie durchgeführten Bilanzmanipulationen von Enron und Worldcom richteten Milliardenschäden in den USA an. In Deutschland sind die Skandale von Flowtex und Comroad vielen noch in unguter Erinnerung.   

 Wer wird geprüft?

Geprüft werden sämtliche Unternehmen, die als Emittenten von zugelassenen Wertpapieren im Sinne des § 2 Absatz 1 des Wertpapierhandelsgesetzes die Bundesrepublik Deutschland als Herkunftsstaat haben, heißt es in § 342b des Handelsgesetzbuchs (HGB). Auf der Homepage der BaFin findet sich eine lange Liste mit den betreffenden Unternehmen. Von Aareal Bank bis Zooplus: Insgesamt sind es mehr als siebenhundert, die geprüft werden können. Die Tätigkeit der Prüfstelle wird über einen Umlagebeitrag von den Unternehmen finanziert, die der Prüfpflicht unterliegen.

Eingeleitet wird eine Prüfung, wenn konkrete Anhaltspunkte für einen Verstoß gegen Rechnungslegungsvorschriften vorliegen. Auch auf Verlangen der BaFin wird geprüft. Die meisten Prüfungen sind jedoch Stichprobenprüfungen. Wie die Prüfung der DPR im Detail vorgenommen wird, lesen Sie hier.

Enforcement: erst mal ohne Force

Die Prüfstelle ist bei ihrer Arbeit auf die Mitarbeit der Unternehmen angewiesen, die auf freiwilliger Basis mitwirken sollen. Zwangsbefugnisse wie Durchsuchungen oder Beschlagnahmungen hat sie also nicht. Deshalb ist der Begriff Bilanzpolizei wohl etwas hochgegriffen.

Bilanzprüfung: Fehlerquote liegt 2016 bei 16 Prozent.

Aber das Enforcement-Verfahren funktioniert zweistufig. Zunächst wird die DPR tätig: "In der privatrechtlichen ersten Enforcement-Stufe mit der DPR findet der Gedanke der Selbstorganisation der Wirtschaft einen gewichtigen Ausdruck", meint Pohlig.

Auf der zweiten Stufe kann es unangenehmer werden, denn dann schaltet sich die BaFin ein. Anders als der DPR stehen ihr hoheitliche Befugnisse zu, sie kann die Prüfung also zwangsweise durchsetzen. Die BaFin wird tätig, wenn das Unternehmen nicht freiwillig an der Prüfung mitwirkt oder mit dem Ergebnis der Prüfung nicht einverstanden ist.

Die Fehler werden veröffentlicht

Eine wichtige Konsequenz des Prüfverfahrens ist die Veröffentlichung der Fehler. Lautet die Entscheidung, dass die Rechnungslegung fehlerhaft ist, so fragt die DPR das Unternehmen, ob es mit der Darstellung des Sachverhalts, des Fehlers und seiner Begründung einverstanden ist, schreibt die DPR dazu. Ist das der Fall, wird der Fehler üblicherweise veröffentlicht.

Schild mit BaFin-Schriftzug in Frankfurt

BaFin Frankfurt. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Wenn das Unternehmen mit den Fehlerfeststellungen ganz oder teilweise nicht einverstanden ist, leitet die BaFin eine Enforcementprüfung auf der zweiten Stufe ein und wird abschließend das Prüfungsergebnis der Prüfstelle entweder bestätigen oder verwerfen. Anschließend wird die BaFin gegebenenfalls die Fehlerveröffentlichung anordnen. Dagegen können sich die Unternehmen nur noch gerichtlich wehren. Die veröffentlichten Fälle lassen sich im Bundesanzeiger nachlesen. Erst unlängst ist der Fall Deag durch die Presse gegangen und hat den Aktienkurs der Unternehmens belastet.

Vertrauen muss man sich verdienen

So eine Veröffentlichung kann unangenehm sein. In einer zwar älteren, aber in der Tendenz wohl noch zutreffenden Studie hat die Ruhr-Universität Bochum durchaus eine Wirkung auf den Aktienkurs festgestellt. Und nicht nur das: Das Vertrauen der Investoren in die Verlässlichkeit der Rechnungslegungsinformationen sei nicht nur kurzfristig beeinträchtigt, sondern zum Teil langfristig "erschüttert", heißt es weiter. Und welches an der Börse notierte Unternehmen kann sich so etwas leisten? Im Ergebnis bedeutet das: Die Arbeit der DPR erfüllt ihren Zweck.

ts

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Polizei-Stoppschild vor Konzerthintergrund

Deag
2015 wollte die Deutsche Entertainment AG mit neuen Festivals den etablierten Spektakeln "Rock am Ring" und "Rock im Park" von Marek Lieberberg Konkurrenz machen. Doch zunächst platzte die "Grüne Hölle" am Ring und musste nach Gelsenkirchen verlegt werden. Zum dortigen "Rock im Revier" strömten deutlich weniger Besucher als erhofft. Ähnlich erging es der Deag mit der "Rockavaria" in München. Das neue Festival floppte.

Der Ausflug in die deutsche Festivalszene hat ein Nachspiel für die Deag. Die DPR monierte, dass die Risiken aus den Festivals nicht ausreichend deutlich gemacht wurden. Im Geschäftsbericht 2014 sei noch über sehr gute Vorverkäufe für die neuen Rockfestivals berichtet worden. Dabei sei rund einen Monat vor Beginn der Festivals noch nicht einmal die Hälfte der fix vereinbarten Kosten durch Ticketverkäufe gedeckt gewesen, zitiert die "Wirtschaftswoche" die Bilanzhüter.