MIFID II

Anlaufprobleme bei der MiFID II-Umsetzung Banken verweigern Wertpapier-Käufe

von Notker Blechner

Stand: 18.01.2018, 11:55 Uhr

Seit zwei Wochen ist die EU-Finanzmarktrichtlinie MiFID II in Kraft. Sie soll den Anlegerschutz stärken. Tatsächlich hat sich die Lage für Privatinvestoren (vorerst) verschlechtert. Sie bekommen von den Banken manche Aktien, Fonds und Zertifikate nicht (mehr).

In der Finanzbranche sorgt MiFID II derzeit für ein kleines Chaos. Viele Bankmitarbeiter sind überfordert, weil ihnen die Informationen der Anbieter von Anlageprodukten fehlen. Die Privatanleger reagieren verärgert, weil sie Tausende von Fonds und Wertpapieren nicht kaufen dürfen. Und die Fondsgesellschaften und Zertifikateanbieter sind sauer, weil ihnen Geschäftseinbußen drohen.

Viele Basisinformationsblätter fehlen

Banken und Online-Broker räumten in den letzten Tagen ein, dass der Handel mit Wertpapieren stark eingeschränkt sei. Viele Orders hätten nicht ausgeführt werden können, weil die nötigen Basisinformationsblätter nicht vorgelegen hätten. MiFID II zwingt die Anbieter von Wertpapieren, die Kosten für ihre Produkte aufzuschlüsseln und einen Zielmarkt zu definieren. Liegen diese Informationen den Banken nicht vor, können sie die Wertpapiere nicht vertreiben. Denn sie müssen in einer "Geeignetheitserklärung" festhalten, warum sie ihren jeweiligen Kunden ein bestimmtes Produkt empfohlen haben.

BaFin räumt Schwierigkeiten ein

Die BaFin ist sich der Probleme bewusst. Präsident Felix Hufeld sprach beim Neujahrsempfang am Mittwochabend von Einführungsschwierigkeiten, die er freilich als "üblich" einstufte. Auch Elisabeth Roegele, Leiterin der Wertpapieraufsicht bei der BaFin, sieht noch kleine Defizite bei der Umsetzung der Richtlinie. Es werde wohl noch ein paar Tage dauern, bis die Banken zu allen Produkten Basisinformationsblättern liefern könnten.

Der Bankenverband (BdB) klagt über Kinderkrankheiten bei den neuen Vorschriften. Anleger könnten "tausende Finanzprodukte zurzeit nicht bekommen, weil die Emittenten nicht hinterherkommen", erklärte zu Wochenbeginn Andreas Krautscheid, einer der neuen Hauptgeschäftsführer des Verbands.

Online-Banken sehen Lücken

Nicht nur in den stationären Banken werden zahlreiche Wertpapierorders derzeit nicht angenommen. Auch bei den Online-Brokern gibt es Engpässe. Bei der Direktbank ING-Diba stehen rund 80.000 Wertpapiere nicht zur Verfügung, berichtete die "Welt am Sonntag". Auch die Online-Anbieter Comdirect und Consorsbank räumten Lücken ein, ohne genaue Zahlen zu nennen. Insgesamt könnten Anleger hierzulande allerdings aus mehr als 1,5 Millionen Produkten wählen, hieß es.

Laut "Welt am Sonntag" können Privatanleger teilweise auch keine ETFs kaufen. So habe ETF Securities, einer der größten Indexfondsanbieter in Europa, Probleme mit der Umsetzung der neuen Vorgaben.

Nachjustierung von MiFID II möglich

Für BaFin-Chef Hufeld wäre es nicht überraschend, wenn MiFID II an der einen oder anderen Stelle nachjustiert werden müsste. Allerdings würde das noch zwei Jahre dauern. "Erst wenn wir MiFID II eine Weile angewendet haben, können wir ermessen, wie die Regelwerke tatsächlich wirken." Im Laufe der nächsten beiden Jahre werde die Bafin klarer unterscheiden können, "wer lediglich die ritualisiertem Klagesänge anstimmt und wer auf unerwünschte Nebenwirkungen hinweist". "Wer sich ernsthaft bemüht, neue Regeln fristgerecht umzusetzen, es aber nicht schafft, etwa weil die IT Probleme bereitet, dem reißen wir nicht den Kopf ab", versicherte Hufeld. Ein schwacher Trost für Anleger, die derzeit nicht an gewünschte Aktien oder andere Wertpiere herankommen.