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Keine Informationslücken Aktionärsschützer loben kürzere Quartalsberichte

Stand: 05.06.2017, 17:01 Uhr

Seit eineinhalb Jahren brauchen die an der Frankfurter Börse gelisteten Unternehmen keine umfangreichen Quartalsberichte mehr vorzulegen. Die Befürchtungen, dass wichtige Informationen wegfallen, sind nicht eingetreten.

Die abgespeckten Quartalsberichte börsennotierter Unternehmen in Deutschland haben nach Einschätzung von Aktionärsvertretern bisher nicht zu Informationslücken für Anleger geführt. "Wir hatten sehr große Befürchtungen, dass mit den Mitteilungen Schindluder getrieben wird", sagte der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Marc Tüngler. "Zwar gibt es Ausreißer, doch das Gros der Unternehmen geht sehr verantwortungsbewusst damit um."

Unternehmen des Prime Standards, die in einem der Börsenindizes Dax, MDax, TecDax oder SDax gelistet sind, brauchen seit November 2015 für das erste und dritte Quartal nur noch eine Mitteilung veröffentlichen. Sie muss nur noch Mindeststandards enthalten. Anstatt einer Gewinn- und Verlustrechnung reichen Angaben zum Umsatz und Auftragseingang.

Konzentration auf das Wesentliche

In der Praxis haben aber die Unternehmen doch mehr geliefert als gefordert. "Wir sehen Gewinn- und Verlustrechnungen, Bilanzen und Segmentberichterstattungen", sagte Tüngler. Dabei konzentrieren sich die Unternehmen auf das Wesentliche. "Das begrüßen wir."

Die meisten Firmen im Prime Standard hätten das Bedürfnis der Anleger nach tiefergehenden Informationen insbesondere zum Jahresstart erkannt, berichtete Tüngler auch mit Blick auf die diesjährige Berichtssaison. "Das erste Quartal ist immer besonders wichtig, auch weil die Unsicherheiten extrem zunehmen", sagte der Aktionärsvertreter. "Anleger und Investoren haben klar gemacht, was sie brauchen."

Seitenumfang deutlich geschrumpft

Nach einer früheren Auswertung der DSW in Zusammenarbeit mit Kirchhoff Consult und der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Warth & Klein Grant Thornton hatten nahezu alle Unternehmen im Prime Standard im ersten und dritten Quartal 2016 eine GUV sowie eine Bilanz vorgelegt. Gleichzeitig schrumpfte der Umfang der Berichte: Waren es Anfang 2015 im Schnitt noch knapp 41 Seiten, so kamen die Unternehmen ein Jahr später mit rund 30 Seiten aus – also mit rund 27 Prozent weniger. Im dritten Vierteljahr waren es etwa 32 Seiten.

Auffällig waren auch neue Formate in der Quartalsberichterstattung. So nutzten laut der Kirchhoff-Studie Osram und Evotec Powerpoint-Charts für ihre Quartalsmitteilungen.

Einige warten mit der Umstellung noch ab

Laut einer früheren Umfrage des Deutschen Investor-Relations-Kreises (DIRK) haben erst 40 Prozent der börsennotierten deutschen Firmen ihre Quartalsmitteilungen umgestellt. Experten sind aber überzeugt, dass künftig mehr Firmen ihr Quartalsreporting ändern werden. Viele warten noch ab und schauen, wie die Änderungen von anderen Firmen ankommen.

nb